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Die ausserkörperliche Erfahrung (AKE)

Mythen10 Min. Lesezeit

Die ausserkörperliche Erfahrung (AKE)

Die ausserkörperliche Erfahrung gibt es wirklich, und ich finde sie gut erforscht. Was die Hirnforschung herausgefunden hat und wie das alles mit dem Klartraum zusammenhängt.

Mit sechzehn lag ich an einem Nachmittag auf meinem Bett, halb am Dösen, ein Schamanismus-Buch aufgeschlagen neben mir. Ich war damals tief im esoterischen Zeug drin und wollte unbedingt aus dem Körper treten. Irgendwann kippte ich weg, und auf einmal sah ich mich von oben. Ich schwebte knapp unter der Zimmerdecke und schaute auf meinen eigenen Körper hinunter, der reglos auf der Matratze lag. Das Buch lag noch da, die Decke war zerknüllt, alles stimmte. Ich war restlos überzeugt, gerade meinen Astralkörper bewegt zu haben. Heute, mit über fünfzehn Jahren Praxis und ein paar gelesenen Studien, sehe ich das ruhiger. Es war eine ausserkörperliche Erfahrung, und die ist erstaunlich gut erforscht.

In diesem Artikel nehme ich mir die nüchterne Seite dieses ganzen Themas vor. Ich zeige dir, was die Hirnforschung über das Heraustreten aus dem Körper herausgefunden hat, warum ein bestimmter Fleck im Gehirn dabei so wichtig ist und wie das alles mit dem luziden Träumen zusammenhängt. Das wird keine Esoterik-Schelte. Ich komme selbst aus der Ecke und nehme die Erlebnisse ernst. Ich bleibe nur bei dem, was sich tatsächlich zeigen lässt.

Was die ausserkörperliche Erfahrung wirklich ist

Fangen wir beim Begriff an, damit wir vom Gleichen reden. In der Forschung heisst das Ganze ausserkörperliche Erfahrung, abgekürzt AKE. Auf Englisch sagt man out-of-body experience, kurz OBE. Gemeint ist das Erlebnis, dass sich dein Ich für eine Weile ausserhalb deines physischen Körpers zu befinden scheint. Meistens schaust du dabei von oben oder von der Seite auf dich selbst herab.

Das Wichtige daran ist, dass dieses Erlebnis als Phänomen unbestritten ist. Es gibt Menschen, die so etwas erleben, das steht ausser Frage. Befragungen in der Bevölkerung zeigen, dass rund jeder zehnte Mensch im Leben mindestens einmal so ein Heraustreten erlebt. Bei manchen Gruppen liegt der Anteil noch höher, etwa bei Leuten, die viel mit ihren Träumen arbeiten. Die AKE ist also kein Randphänomen von ein paar wenigen.

Der entscheidende Punkt kommt jetzt. Dass die Erfahrung echt ist, heisst noch nicht, dass dabei wirklich etwas den Körper verlässt. Diese beiden Dinge muss man sauber trennen. Das Erleben ist real und oft überwältigend. Die Frage, ob da eine Seele herumreist oder das Gehirn ein überzeugendes Bild erzeugt, ist eine ganz andere. Genau an dieser Stelle setzt die Forschung an, und genau hier wird es spannend.

Ein Fleck im Gehirn, der das Heraustreten auslöst

Der Name, der bei diesem Thema immer fällt, ist Olaf Blanke. Der Neurologe hat in Genf etwas entdeckt, das ich beim ersten Lesen kaum glauben konnte. Er kann eine ausserkörperliche Erfahrung im Labor auslösen, einfach durch Reizung einer bestimmten Hirnregion.

Die Geschichte begann mit einer Patientin, die wegen ihrer Epilepsie behandelt wurde. Den Ärzten ging es darum, den Herd ihrer Anfälle zu finden. Dazu reizten sie verschiedene Stellen ihres Gehirns mit schwachem Strom. Als sie eine ganz bestimmte Region berührten, sagte die Frau plötzlich, sie schwebe an der Decke und schaue auf ihren eigenen Körper hinunter. Sie hatte das nicht erwartet und auch nicht gesucht. Es passierte einfach, sobald der Strom floss.

Dieser Fleck liegt im seitlichen Bereich des Gehirns, dort, wo der Schläfenlappen und der Scheitellappen zusammentreffen. Man nennt diese Stelle die temporoparietale Region. Reizt man sie, kann das Heraustreten ausgelöst werden, und lässt der Strom nach, hört es wieder auf. Das ist ein verblüffend direkter Zusammenhang. Eine körperliche Ursache an einem klar bestimmbaren Ort führt zu einem Erlebnis, das Menschen seit Jahrhunderten als Reise der Seele beschreiben.

Warum gerade diese Region

Diese Stelle macht im Gehirn einen wichtigen Job. Sie führt unterschiedliche Informationen über deinen Körper zusammen. Was deine Augen sehen, was dein Gleichgewichtssinn meldet, was deine Haut und deine Muskeln spüren. Aus all dem baut sie ein einziges, stimmiges Gefühl, nämlich das Gefühl, in deinem Körper zu stecken und an einem festen Ort zu sein.

Normalerweise klappt das so reibungslos, dass wir es gar nicht bemerken. Wir merken erst, wie zerbrechlich dieses Gefühl ist, wenn es kippt. Und genau das passiert, wenn man die Region reizt oder wenn sie aus anderen Gründen aus dem Takt gerät. Die einzelnen Meldungen passen plötzlich nicht mehr zusammen. Das Gehirn muss daraus trotzdem ein Bild basteln, und manchmal kommt dabei eben heraus, dass sich der Standpunkt vom Körper löst. Du fühlst dich oben, obwohl du unten liegst.

Es geht auch ohne Operation

Jetzt könntest du sagen, das ist alles schön und gut, aber wer öffnet schon einen Schädel, um das zu erleben. Das ist ein berechtigter Einwand. Deshalb finde ich die Experimente noch spannender, bei denen man das Körpergefühl ganz ohne Eingriff durcheinanderbringt.

Blanke und andere haben dazu mit virtueller Realität gearbeitet. Eine Versuchsperson trägt eine Brille und sieht darin den eigenen Rücken, gefilmt von einer Kamera hinter ihr. Gleichzeitig streicht ihr jemand mit einem Stift über den Rücken, und im Bild sieht sie genau diese Berührung. Nach kurzer Zeit verschiebt sich für viele das Gefühl ihres eigenen Standorts. Sie fühlen sich ein Stück nach hinten versetzt, dorthin, wo sie ihren Körper sehen. Das Ich rutscht aus dem Körper heraus, ganz ohne Esoterik, nur durch ein paar abgestimmte Sinneseindrücke.

Das sagt mir etwas Grundlegendes. Das Gefühl, in meinem Körper zu sein, ist keine feste Tatsache. Es ist eine laufende Berechnung meines Gehirns. Und jede Berechnung kann man stören. Sobald die Sinne widersprüchliche Dinge melden, kann mein Standpunkt wandern. Das ist die nüchterne Basis hinter dem grossen Wort von der ausserkörperlichen Erfahrung.

Wo die AKE im Alltag auftaucht

Die spannendste Frage ist für mich, wann so ein Heraustreten von selbst geschieht. Denn die meisten Menschen, die es erleben, hatten keine Elektrode im Kopf und sassen nicht im Labor, sie alle erlebten es einfach so. Es gibt ein paar typische Situationen, und die haben einen gemeinsamen Nenner.

Da ist erstens die Schlafparalyse. Du wachst auf, dein Körper ist noch gelähmt, dein Geist aber hell wach. In diesem Zustand kippt das Körpergefühl besonders leicht, weil von den gelähmten Gliedern kaum Rückmeldung kommt. Viele berichten dann genau aus diesem Moment vom Schweben oder vom Heraustreten. Wer mehr über diesen Übergang und die Wesen wissen will, die der erschrockene Kopf dabei manchmal dazudichtet, findet das bei mir unter der Schlafparalyse-Gestalt.

Da ist zweitens die Nahtoderfahrung. Menschen, die in Lebensgefahr waren, etwa auf dem Operationstisch oder nach einem Unfall, berichten oft, sie hätten sich von oben gesehen. Auch das ist eine klassische AKE, und auch hier vermuten Forscher, dass das Gehirn unter starkem Stress oder Sauerstoffmangel das Körperbild verliert. Das nimmt der Erfahrung nichts von ihrer Wucht. Es ordnet sie nur ein.

Und da ist drittens der Übergang ins Einschlafen, also genau die Schwelle, an der ich selbst mit sechzehn auf der Matratze lag. Hier ist der Körper auf dem Weg in die Lähmung, der Geist aber noch teilweise wach. Das ist dasselbe Fenster, durch das auch der luzide Traum eintritt, und damit sind wir beim eigentlichen Herzstück dieses Artikels.

Die Brücke zum luziden Traum

Wenn du dich auf dieser Seite ein bisschen umgesehen hast, kommt dir die Beschreibung vielleicht bekannt vor. Genau dieser Zwischenbereich zwischen Wachen und Schlafen ist die Startrampe meiner liebsten Einschlaftechnik. Wer den Übergang bewusst ansteuern will, statt sich davor zu fürchten, findet den ganzen Ablauf bei mir unter WILD. Dort beschreibe ich, wie ich reglos liege, das Bewusstsein festhalte und mich am Ende mit dem Traumkörper aus dem physischen Körper schiebe.

Genau dieses Schieben ist der Punkt, an dem AKE und Klartraum sich treffen. Bei der ausserkörperlichen Erfahrung gerät das Körperbild von selbst durcheinander, und der Standpunkt löst sich. Beim WILD mache ich im Grunde dasselbe absichtlich. Ich bewege meinen Traumkörper, ohne einen echten Muskel zu rühren, und winde mich aus dem liegenden Körper heraus. Aus Sicht der Hirnforschung ist das die gleiche Baustelle. Eine temporoparietale Region, die im Schlafübergang nicht mehr sauber rechnet, und ein Gehirn, das daraus ein überzeugendes Gefühl von Bewegung baut.

Das deckt sich mit einer Vermutung, die mich seit Jahren begleitet. Ich glaube, dass Astralreise, ausserkörperliche Erfahrung und luzider Traum sehr wahrscheinlich derselbe Hirnzustand und derselbe körperliche Übergang sind, nur unterschiedlich gedeutet. Die AKE liefert mir dafür den nüchternsten Beleg, den ich kenne. Sie zeigt, dass ein klar benennbarer Fleck im Gehirn ein Erlebnis erzeugen kann, das man jahrhundertelang für eine Reise der Seele gehalten hat. Wer diesen Gedanken bis zum Ende verfolgen will, findet meine ausführliche Auseinandersetzung unter Astralreise vs luzides Träumen.

Was die Forschung beweist und was nicht

An dieser Stelle muss ich aber genau hinschauen und sauber abgrenzen. Die Hirnforschung beweist nicht, dass nichts den Körper verlässt. Sie beweist etwas Bescheideneres und doch sehr Starkes. Sie zeigt, dass das Gefühl des Heraustretens ganz ohne reisende Seele entstehen kann. Ein bisschen Strom an der richtigen Stelle genügt, und schon schwebst du an der Decke.

Das verschiebt die Beweislast. Solange wir das Erlebnis im Labor auslösen und wieder abschalten können, ist die sparsamste Erklärung die naheliegende. Das Gehirn erzeugt das Ganze selbst. Wer behaupten will, dass zusätzlich noch etwas wirklich hinausgeht, müsste dafür etwas mitbringen. Etwas, das er nur durch echtes Reisen wissen kann. Genau das ist bisher niemandem verlässlich gelungen, und solange das so bleibt, brauche ich für die Erklärung keine Seele.

Trotzdem mache ich die Tür nicht ganz zu. Ich weiss es nicht mit letzter Sicherheit. Vielleicht messen wir die falschen Dinge, vielleicht reicht unser heutiges Verständnis schlicht nicht aus. Was ich nicht mag, ist die Pose der totalen Gewissheit auf beiden Seiten. Wer felsenfest sagt, da reist eine Seele durchs All, geht mir gleich weit zu weit wie der, der jedes solche Erlebnis als blosse Hirnchemie abtut und damit fertig ist. Mein Standpunkt ist doppelt. Die nüchterne Erklärung überzeugt mich, und neugierig bleibe ich trotzdem.

Warum mir die nüchterne Sicht hilft

Du könntest meinen, so eine Erklärung nimmt dem Erlebnis den Zauber. Bei mir ist es umgekehrt. Mir hilft es enorm, zu wissen, was da im Kopf passiert, und das aus zwei Gründen.

Erstens nimmt es die Angst. Wenn ich mich aus dem Körper schiebe und weiss, dass mein Gehirn gerade nur das Körperbild umrechnet, dann muss ich keine Wesen fürchten, die mir während einer Reise auflauern. Diese Angst kennt jeder, der sich tiefer mit dem Thema beschäftigt hat. Sie verliert ihren Stachel, sobald man begreift, woher das Gefühl kommt. Im Traum entscheidet dein Glaube über fast alles, und ein ruhiger, informierter Geist erschafft sich seltener Monster.

Zweitens macht es das Ganze sogar grösser. Dass ein paar Volt an der richtigen Stelle dich an die Decke schweben lassen, finde ich mindestens so beeindruckend wie jede Geschichte vom Astralkörper. Es zeigt, wie zerbrechlich und wie kunstvoll dieses Gefühl ist, in unserem Körper zu wohnen. Dass plötzlich Neurologie, alte Schamanentradition und meine eigenen Nächte auf derselben Schwelle stehen, macht die Sache für mich nur reizvoller.

Eine kurze Warnung zum Schluss

Eine Sache spare ich mir bei diesem Thema nie, egal welcher Deutung du folgst. Sei beim Übergang vorsichtig mit dem, was du für real hältst. Wenn du dich aus dem Bett herauszuheben beginnst, fühlt sich das so echt an, dass die Grenze zwischen Traumkörper und echtem Körper kurz verschwimmen kann.

Deshalb mache ich vor jeder wilden Aktion zuerst einen sehr sorgfältigen Realitätscheck. Ich kontrolliere ganz sicher, ob ich wirklich schon im Traum bin, bevor ich irgendwo hinfliege oder aus dem Fenster steige. Das kostet zwei Sekunden und gibt dir die Gewissheit, dass du wirklich drüben bist und nicht mit dem echten Körper etwas tust, das du nur im Traum tun wolltest. Dieser kleine Reflex gehört für mich zu jedem Heraustreten dazu.

Wo ich am Ende stehe

Zurück zu dem Sechzehnjährigen auf der Matratze, der überzeugt war, er habe seinen Astralkörper bewegt. Was war es nun? Meine ruhige Antwort lautet, es war eine ausserkörperliche Erfahrung, ausgelöst am Schlafübergang, erzeugt von einer Hirnregion, die in diesem Moment das Körperbild nicht mehr sauber zusammengesetzt hat. Das Erlebnis war echt, das Gefühl war echt, und es hat sich genau so angefühlt, wie es die alten Bücher beschreiben. Nur die Deutung trennt mich heute von meinem damaligen Ich.

Die ausserkörperliche Erfahrung ist für mich der Ort, an dem dieses ganze Astral-Thema endlich Boden unter die Füsse bekommt. Sie ist gut erforscht, sie lässt sich auslösen, und sie hängt eng mit dem zusammen, was ich Nacht für Nacht im luziden Traum mache. Wenn dich diese Grauzone zwischen Erfahrung, Esoterik und Forschung reizt, dann schau dir an, was angeblich die Seele verlässt den Körper bedeutet. Auch dort gehe ich der Frage nach, was wirklich passiert, wenn wir das Gefühl haben, uns selbst zu verlassen. Probier den Übergang ruhig selbst aus, geh ihn bewusst an, und mach dir vorher klar, wonach du eigentlich suchst.