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Sind Astralreisen gefährlich?

Mythen11 Min. Lesezeit

Sind Astralreisen gefährlich?

Bleibt man hängen, kann etwas in den Körper? Ich schaue mir an, ob Astralreisen gefährlich sind, woher die typischen Ängste kommen und wie real das Risiko ist.

Mit fünfzehn lag ich nachts wach und traute mich nicht, es zu probieren. Ich hatte tagelang in einem Forum gelesen, wie man den Körper verlässt. Begeistert war ich sofort, das passte zu meinem ganzen Schamanen- und Krafttier-Kram aus jener Zeit. Doch unter den Anleitungen standen immer dieselben Warnungen. Pass auf, dass deine Silberschnur nicht reisst. Pass auf, dass dir nichts Fremdes in den Körper schlüpft, während du draussen bist. Und das Schlimmste: Manche kämen nicht mehr zurück. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit klopfendem Herzen dalag und mir einredete, ich sei heute einfach zu müde. In Wahrheit hatte ich schlicht Schiss. Eine Stimme im Kopf flüsterte, dass ich vielleicht etwas auslöse, das ich nicht mehr unter Kontrolle habe.

Heute, viele Jahre und sehr viele Übergänge später, kann ich dir sagen, wie ich diese Ängste einschätze. Die Frage, ob Astralreisen gefährlich sind, hat mich lange begleitet, und ich nehme sie ernst. Ich komme selbst aus dieser Ecke und mache niemanden lächerlich. Trotzdem schaue ich mir die Sache nüchtern an, mit dem, was ich in fünfzehn Jahren tatsächlich erlebt habe. Beide Seiten kommen fair zu Wort, und ich behaupte nichts, was ich nicht wirklich weiss.

Sind Astralreisen gefährlich? Meine kurze Antwort

Die kurze Version zuerst, dann nehme ich jede Angst einzeln auseinander.

Nach allem, was ich kenne und selbst durchgemacht habe, sind Astralreisen körperlich nicht gefährlich. Du liegst die ganze Zeit reglos und sicher in deinem Bett. Dein Herz schlägt, du atmest, dein Körper macht genau das, was er jede Nacht im Traumschlaf sowieso tut. Der ganze Vorgang spielt sich in deinem Kopf ab, und er endet jedes Mal verlässlich gleich. Du wachst auf.

Der einzige reale Effekt, den ich sehe, ist Angst. Wer mit der Überzeugung an die Sache geht, dass draussen Gefahren lauern, kann sich gehörig erschrecken. Diese Angst kann den Schlaf stören und einem die Freude an der Erfahrung nehmen. Doch sie kommt aus der Erwartung, nicht aus einer echten Bedrohung. Genau das ist der Punkt, den ich in diesem Artikel auseinandernehmen möchte.

Wer mit dem Thema vertraut ist, merkt schnell, dass die Ängste rund um die Astralreise fast deckungsgleich sind mit den Ängsten rund um das luzide Träumen. Das ist kein Zufall. Ich gehe davon aus, dass beides derselbe Hirnzustand ist, nur anders gedeutet. Wenn dich die ganze Frage interessiert, ob da überhaupt etwas den Körper verlässt, habe ich das ausführlich unter Astralreise oder luzider Traum aufgeschrieben. Hier geht es nur um die Gefahr.

Die Angst, nicht mehr zurückzufinden

Fangen wir mit der grössten an. Sie hat mich als Teenager am meisten gelähmt. Was, wenn ich draussen herumschwebe und den Weg zurück in meinen Körper nicht mehr finde?

In den Foren wurde das als reale Möglichkeit verkauft. Manche schrieben von Reisenden, die zu weit weg gegangen seien und sich verirrt hätten. Andere meinten, man dürfe sich nicht zu sehr von zu Hause entfernen. Das klang dramatisch und hat sich in meinem Kopf festgesetzt. Wenn dein Bewusstsein wirklich den Körper verlässt, ist die Sorge ja sogar logisch.

Nur passt diese Sorge nicht zu dem, was tatsächlich geschieht. Bei mir endet jeder dieser Zustände auf dieselbe Weise. Irgendwann werde ich zu aufgeregt, oder die Szene löst sich auf, oder ich werde wach und liege wieder ganz normal im Bett. Ich habe das hunderte Male erlebt, und kein einziges Mal blieb ich draussen hängen. Das Schlimmste, was passiert, ist ein abruptes Aufwachen, das einen kurz desorientiert.

Der Grund dafür ist einfach. Dein Bewusstsein hat das Bett nie verlassen. Es fühlt sich überzeugend an, als wärst du irgendwo unterwegs, doch dein Gehirn erzeugt diese Bewegung von innen. Wenn der Zustand kippt, bist du sofort wieder wach. Es gibt keinen Ort, an dem du stecken bleiben könntest, weil du nie wirklich weg warst. Den Weg zurück musst du gar nicht finden, denn der Körper ruft dich von ganz allein.

Reisst die Silberschnur?

Eng damit verbunden ist die Geschichte von der Silberschnur. Sie taucht in fast jeder esoterischen Anleitung auf. Angeblich verbindet ein silbernes Band deinen Astralkörper mit deinem physischen Körper, ähnlich einer Nabelschnur. Solange das Band hält, findest du zurück. Reisst es, so heisst es, kommst du nicht mehr heim, und das bedeutet im schlimmsten Fall den Tod.

Diese Vorstellung ist alt und sehr verbreitet. Sie hat sogar eine gewisse Schönheit, das gebe ich gern zu. Als ich jung war, fand ich das Bild faszinierend und beängstigend zugleich. Es gab der ganzen Sache etwas Konkretes, an dem die Angst sich festhalten konnte.

Hier muss ich aber bei dem bleiben, was belegbar ist. Es gibt keinen einzigen dokumentierten Fall, in dem jemand wegen einer gerissenen Silberschnur nicht zurückkam. Es gibt auch keinen Beleg dafür, dass eine solche Schnur überhaupt existiert. Niemand hat sie je gemessen oder nachgewiesen. Sie ist ein Bild, eine Deutung für das Gefühl der Verbindung zwischen Geist und Körper.

Und das ergibt aus meiner Sicht sogar Sinn. Wenn dein Bewusstsein die ganze Zeit im Körper bleibt, dann braucht es keine Schnur, die etwas zurückholt. Die Verbindung reisst nicht, weil sie nie unterbrochen war. Du bist immer zu Hause, auch wenn es sich völlig anders anfühlt. Die Silberschnur ist eine poetische Erklärung für eine Bindung, die in Wahrheit nie loslässt.

Kann etwas Fremdes in den Körper?

Jetzt zur unheimlichsten Angst von allen. Während du draussen bist, könnte etwas Fremdes deinen leeren Körper übernehmen. Ein Geist, ein Dämon, irgendein Wesen, das nur darauf gewartet hat, dass du gehst. Diese Vorstellung jagt vielen Menschen einen kalten Schauer über den Rücken, und ich verstehe das gut.

Die Angst hat einen handfesten Ursprung, und der hat nichts mit echten Wesen zu tun. Auf dem Weg in diesen Zustand begegnet dir oft die Schlafparalyse. Dein Körper ist gelähmt, dein Geist ist hell wach, und genau in diesem Moment dichtet dein erschrockener Kopf gern etwas Bedrohliches dazu. Du fühlst einen Druck auf der Brust, hörst Geräusche oder siehst eine dunkle Gestalt am Bettrand. Das fühlt sich an wie eine fremde Präsenz, ist aber dein eigenes Gehirn, das die Lücke mit Angst füllt.

Wer das nicht weiss, deutet diese Erlebnisse leicht als Übernahme von aussen. Da ist eine Gestalt im Raum, ich kann mich nicht bewegen, also will etwas in mich hinein. So entsteht der Mythos. In Wahrheit erlebst du eine ganz normale Schlafparalyse, nur durch die Brille der Angst betrachtet. Ich hatte selbst ein paar heftige davon, mit Druck auf der Brust und einer Gestalt am Rand. Weil ich wusste, was es ist, blieb ich ruhig, und es ging jedes Mal vorbei.

Es gibt zudem keinen leeren Körper, in den etwas schlüpfen könnte. Dein Bewusstsein ist die ganze Zeit da. Die Vorstellung vom verlassenen Gefäss setzt voraus, dass du wirklich ausgezogen bist, und genau das passiert nicht. Du bist drin, vom ersten bis zum letzten Moment. Niemand zieht in ein Haus ein, in dem der Besitzer die ganze Zeit am Esstisch sitzt.

Bleibt man im Traum oder in der Reise hängen?

Eine weitere Angst betrifft das Hängenbleiben. Was, wenn ich in diesem Zustand feststecke und nicht mehr aufwachen kann? Was, wenn die Reise einfach nicht endet?

Diese Sorge ist mir bestens vertraut, denn sie ist exakt dieselbe wie beim luziden Träumen. Auch dort fürchten Anfänger, sie könnten im Traum gefangen bleiben und die Augen nicht mehr aufbekommen. Ich habe dieser Frage einen ganzen Artikel gewidmet, und die Antwort ist in beiden Fällen dieselbe. Stecken bleiben gibt es nicht. Wenn dich das Thema beim luziden Träumen beschäftigt, lies dazu, ob luzides Träumen gefährlich ist.

Dein Schlaf läuft in Zyklen ab, und keiner davon dauert ewig. Eine Traumphase geht nach einer Weile zu Ende, ganz von allein, ob du willst oder nicht. Dein Gehirn steuert diesen Rhythmus, und kein Wille der Welt hält dich dauerhaft in einer Szene fest. Bei mir ist es eher umgekehrt. Ich kämpfe oft darum, länger drinzubleiben, und schaffe meistens nur ein paar Minuten, bevor ich von selbst wieder wach werde.

Was manchmal vorkommt, ist der sogenannte falsche Aufwachvorgang. Du glaubst, du seist aufgewacht, und steckst in Wahrheit noch im Traum. Das kann sich seltsam anfühlen und manche erschrecken. Doch auch das löst sich auf, sobald der Zyklus weiterläuft. Am Ende stehst du immer auf, wäschst dir das Gesicht und gehst deinem Tag nach. Die Erfahrung endet ausnahmslos mit dem Aufwachen.

Woher all diese Ängste eigentlich kommen

Wenn keine dieser Gefahren echt ist, stellt sich die Frage, warum sie so hartnäckig sind. Ich glaube, dafür gibt es mehrere gute Gründe, und keiner davon macht die Menschen dumm, die daran glauben.

Der erste Grund ist die Wucht des Erlebnisses selbst. Der Übergang in diesen Zustand ist eines der eindrücklichsten Dinge, die ein Mensch erleben kann. Da sind Vibrationen, ein Brausen im Ohr, das Gefühl, sich aus dem Körper zu schälen. Etwas, das sich derart real und gewaltig anfühlt, schreit förmlich nach einer grossen Erklärung. Eine harmlose Hirnchemie wirkt da fast zu klein für das, was man gerade durchmacht.

Der zweite Grund ist die Schlafparalyse. Sie ist die perfekte Bühne für gruselige Geschichten. Ein wacher Geist in einem gelähmten Körper, dazu Halluzinationen, die direkt aus der Angst gespeist werden. Aus diesem Stoff sind über Jahrhunderte Mythen von Dämonen und nächtlichen Besuchern entstanden. Die Astral-Warnungen sind die moderne Fortsetzung dieser alten Geschichten.

Der dritte Grund ist menschlich und etwas weniger schmeichelhaft. Warnungen verkaufen sich gut. Eine Anleitung, die dir sagt, du betrittst eine gefährliche Welt voller Wesen, fühlt sich bedeutsamer an als eine, die sagt, du beobachtest einen Übergang in deinem Schlaf. Die Gefahr macht die Sache wichtig und exklusiv. Das ist verständlich, hilft dir aber nicht weiter, wenn du nachts mit klopfendem Herzen dort liegst, wo ich mit fünfzehn lag.

Der einzige echte Effekt: die Angst selbst

Hier komme ich zu dem Punkt, der mir am wichtigsten ist. Die Astralreise selbst tut dir nichts. Was dir zu schaffen machen kann, ist die Angst davor. Und diese Angst ist im Traumzustand besonders mächtig.

Im Traum entscheidet dein Glaube über fast alles. Das ist eine der verlässlichsten Erfahrungen, die ich gemacht habe. Wenn du fest damit rechnest, dass dich etwas Böses erwartet, dann formt deine Erwartung genau dieses Erlebnis. Du beschwörst die Gestalt am Bettrand quasi selbst herauf, weil du so sehr mit ihr rechnest. Dein eigenes Gehirn liefert dir den Beweis für deine Befürchtung, und der Kreis schliesst sich.

Das hat eine ganz praktische Folge für den Umgang mit der Sache. Je gelassener du an den Übergang gehst, desto angenehmer wird er. Ich weiss, dass die Vibrationen harmlos sind, also lasse ich sie kommen. Ich weiss, dass das Brausen zum Übergang gehört, also geniesse ich es fast. Und wenn die Schlafparalyse einsetzt, bleibe ich ruhig, halte die Augen zu und warte, bis sie vorbeizieht. Diese innere Haltung ist der beste Schutz, den es überhaupt gibt.

Wer dagegen mit den Foren-Warnungen im Hinterkopf einsteigt, programmiert sich die schlechten Erlebnisse fast selbst. Die Angst ist dann selbst die Gefahr. Sie reagiert auf nichts Echtes, sie erschafft die Bedrohung im Kopf. Sie raubt dir den Schlaf, lässt dich verkrampfen und macht aus etwas Faszinierendem etwas Bedrohliches. Genau deshalb finde ich die nüchterne Sicht so wertvoll. Sie nimmt der Sache den Schrecken und lässt die Faszination heil.

Eine reale Vorsicht, die ich trotzdem ernst nehme

Damit du mich nicht falsch verstehst. Es gibt eine kleine, ganz konkrete Vorsicht, die ich bei diesem Thema nie auslasse. Sie hat nichts mit Geistern oder gerissenen Schnüren zu tun. Sie betrifft allein das Verwischen der Grenze beim Übergang.

Wenn ich mich aus dem Bett heraushebe, fühlt sich das so echt an, dass Traumkörper und echter Körper für einen Moment verschwimmen können. Deshalb mache ich, bevor ich irgendwo hinfliege oder aus dem Fenster steige, immer zuerst einen sehr sorgfältigen Realitätscheck. Ich will absolut sicher sein, dass ich wirklich schon im Traum bin, bevor ich etwas tue. Der Gedanke, ich könnte mit dem echten Körper etwas tun, das ich nur im Traum zu tun glaube, ist die einzige Sorge, die ich an dieser Stelle gelten lasse.

Das kostet zwei Sekunden und gibt dir die Sicherheit, dass du tatsächlich drüben bist. Es ist keine Vorsicht vor einer übernatürlichen Gefahr. Es ist schlicht gesunder Menschenverstand beim Übergang. Diese eine Regel spare ich mir nie, und ich empfehle sie dir mit Nachdruck. Alles andere an Warnungen darfst du getrost beiseitelegen.

Wo ich nach fünfzehn Jahren stehe

Zurück zu dem Fünfzehnjährigen, der nachts wach lag und sich nicht traute. Wenn ich heute mit ihm reden könnte, würde ich ihm sagen, dass keine seiner Ängste je eingetreten ist. Ich bin immer zurückgekommen. Mir ist nichts in den Körper gefahren. Keine Schnur ist gerissen, und steckengeblieben bin ich nie. Die einzige Gefahr war die Angst, die ihn überhaupt erst wachhielt.

Meine ruhige Antwort lautet also, dass Astralreisen körperlich harmlos sind. Sie sind ein Übergang in den Traum, eindrücklich und manchmal überwältigend, aber ohne reale Gefahr für Leib und Leben. Was dir schaden kann, ist allein die Angst, und die hast du selbst in der Hand. Je mehr du verstehst, was wirklich geschieht, desto kleiner wird sie.

Festnageln lasse ich mich trotzdem nicht. Ich habe genug Seltsames erlebt, um demütig zu bleiben, und ich tue niemandem den Gefallen, die Erfahrung kleinzureden. Sie ist real im Erleben, ganz egal, welches Etikett du draufklebst. Ich nehme das Erlebnis ernst und prüfe die Deutung trotzdem nüchtern. Diese Haltung kostet mich nichts und gibt mir alles.

Wenn dich solche Grauzonen reizen, wo Erfahrung, Esoterik und Forschung aufeinandertreffen, schau dich gern in meinen anderen Mythen um. Dort nehme ich mir genau diese Fragen vor, ohne eine Seite vorschnell lächerlich zu machen. Probier den Übergang ruhig selbst aus, geh ihn gelassen an und lass die Foren-Warnungen zu Hause. Du wirst feststellen, dass das Einzige, was dir dabei begegnet, dein eigener Kopf ist. Und der ist kein gefährlicher Ort, sobald du aufhörst, ihn dafür zu halten.