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Was ist eine Astralreise?

Mythen10 Min. Lesezeit

Was ist eine Astralreise?

Was ist eine Astralreise? Ich erkläre, was die Esoterik unter dem Verlassen des Körpers versteht, wie sich der Übergang anfühlt und was davon belegbar ist.

Ich war vielleicht fünfzehn, als ich zum ersten Mal das Wort Astralreise las. Es war spätabends auf einem dieser alten Foren, halb Schamanismus, halb Mystik, und ich konnte den Bildschirm kaum noch wachen Auges anschauen. Jemand beschrieb dort, wie er sich nachts hinlegte, ruhig atmete und plötzlich neben seinem eigenen Bett stand. Er sah seinen Körper unter der Decke liegen, ganz friedlich, und schwebte dann durch die Wand nach draussen. Ich erinnere mich, dass mir ein Schauer über den Rücken lief. Das klang nach dem grössten Abenteuer, das ein Mensch erleben konnte, und es kostete angeblich nichts ausser dem Mut, sich darauf einzulassen.

Damals war ich tief in diesem Zeug drin. Krafttiere, Trancereisen, Astralprojektion, ich habe alles aufgesogen, was ich finden konnte. Heute stehe ich mit beiden Beinen auf dem Boden, aber ich nehme das Thema noch immer ernst. In diesem Artikel beantworte ich die Frage, was ist eine Astralreise, so gut ich kann. Ich erkläre, was die Esoterik darunter versteht, wie der typische Ablauf aussieht und welcher Teil davon sich belegen lässt. Den direkten Vergleich zum Klartraum spare ich mir hier, den habe ich anderswo aufgeschrieben. Hier geht es erst einmal um die Begriffe selbst.

Was ist eine Astralreise nach der esoterischen Lehre

Die Grundidee ist gross und einfach zugleich. Nach der esoterischen Vorstellung besteht der Mensch aus mehr als nur seinem physischen Körper. Da soll noch etwas Feineres sein, ein zweiter Leib, den man Astralkörper nennt. Dieser Astralkörper ist demnach dein eigentliches Ich, dein Bewusstsein oder deine Seele, und er steckt im physischen Körper wie eine Hand in einem Handschuh.

Eine Astralreise ist nun das bewusste Verlassen des Körpers durch genau diesen Astralkörper. Du löst dich von deinem Fleisch und Knochen ab und bewegst dich frei davon. Der physische Körper bleibt reglos im Bett liegen und schläft, während dein bewusstes Ich woanders unterwegs ist. Im Englischen heisst das oft Out-of-Body Experience, also ausserkörperliche Erfahrung. Der deutsche Begriff Astralreise meint im Kern dasselbe.

Wichtig ist die Behauptung, die dahintersteckt. Es geht nicht bloss um ein lebhaftes Gefühl oder ein inneres Bild. Die esoterische Lehre sagt, dass tatsächlich etwas hinausgeht. Etwas Reales verlässt deinen Körper und bewegt sich durch eine reale oder zumindest eigenständige Welt. Genau diese Behauptung macht das Thema so faszinierend und so umstritten zugleich.

Der Astralkörper und die feinstofflichen Ebenen

Wer tiefer in die Materie schaut, stösst schnell auf ein ganzes Gebäude an Begriffen. Der Astralkörper ist dabei nur einer von mehreren sogenannten feinstofflichen Körpern, die der Mensch nach dieser Lehre haben soll. Es gibt je nach Schule noch andere Schichten, etwa einen Ätherkörper oder einen Mentalkörper. Du kannst dir das wie mehrere Hüllen vorstellen, die ineinanderstecken.

Der Astralkörper gilt dabei als die Hülle, mit der man am leichtesten reisen kann. Er soll mit dem physischen Körper über eine Art Verbindung gekoppelt sein, die in vielen Berichten als silberne Schnur beschrieben wird. Diese Schnur soll niemals reissen, solange du lebst. Sie holt dich angeblich immer wieder zurück, egal wie weit du dich entfernst. Für viele Reisende ist das ein beruhigender Gedanke, weil die Angst vor dem Nichtzurückfinden weit verbreitet ist.

Dann sind da noch die Ebenen, durch die man angeblich reisen kann. Die Esoterik spricht von der Astralebene als einer eigenen Schicht der Wirklichkeit, die neben unserer physischen Welt existieren soll. Manche teilen sie in untere und höhere Bereiche ein. Andere erzählen von Begegnungen mit Verstorbenen, mit Lehrern oder mit Wesen, die es in unserer Welt nicht gibt. Ich gebe das hier wieder, wie ich es gelesen habe, ohne es zu bewerten. Mein Punkt ist erst einmal nur, dass dieses Gedankengebäude reich und alt ist und nicht aus dem Nichts kam.

Wie sich der Übergang anfühlt

Jetzt kommt der Teil, der mich bis heute packt, weil ich ihn aus eigener Erfahrung kenne. Der Weg in eine Astralreise hinein wird in den Berichten erstaunlich gleichförmig beschrieben. Egal welches Buch oder Forum du liest, die Schritte ähneln sich stark. Und sie ähneln dem, was ich selbst beim Einschlafen erlebe.

Am Anfang steht das ruhige Hinlegen. Du legst dich entspannt auf den Rücken, schliesst die Augen und versuchst, deinen Körper einschlafen zu lassen, während dein Geist wach bleibt. Das ist die schwierigste Übung dabei, denn normalerweise nimmt uns der Schlaf das Bewusstsein einfach weg. Hier sollst du wach bleiben, während alles andere wegsackt.

Wenn das gelingt, setzen die ersten Empfindungen ein. Sehr oft ist von einem Geräusch die Rede. Ein Brummen, ein Rauschen oder ein Brausen baut sich langsam auf und wird lauter. Dazu kommen die berühmten Vibrationen. Der ganze Körper soll anfangen zu schwingen, als läge man auf einer leise summenden Maschine. Manche beschreiben es als Kribbeln, andere als kräftiges Beben. Diese Vibrationen gelten in der Szene als das sicherste Zeichen, dass der Ausstieg kurz bevorsteht.

Und dann kommt der eigentliche Höhepunkt, das Heraustreten. Du löst dich aus dem Körper. Manche rollen sich heraus, andere richten sich einfach auf und stehen neben dem Bett, wieder andere fühlen ein sanftes Schweben nach oben. In diesem Moment, so heisst es, bist du draussen. Du befindest dich im Astralkörper und kannst dich bewegen, während dein physischer Körper reglos zurückbleibt.

Warum mir dieser Ablauf so vertraut ist

Bei dieser Beschreibung geht mir jedes Mal ein Licht auf. Das Geräusch, das sich langsam aufbaut, kenne ich aus eigener Erfahrung. Die Vibrationen, die durch den ganzen Körper laufen, sind mir genauso vertraut. Und das Gefühl, sich aus dem Körper herauszuwinden, ohne einen echten Muskel zu bewegen, kenne ich ebenfalls sehr gut. Ich erlebe das regelmässig, wenn ich bei wachem Geist in einen Traum hinübergleite.

Diese Brücke vom Wachsein direkt in den Traum hat einen nüchternen Namen, und ich beschreibe sie ausführlich in meinem Artikel über die WILD-Technik. Dort wirst du fast Wort für Wort dieselben Schritte finden. Reglos auf dem Rücken liegen, das Bewusstsein festhalten, das Brausen kommen lassen und sich am Schluss mit dem Traumkörper aus dem physischen Körper schieben. Wer das nüchtern angeht, nennt das Ergebnis einen luziden Traum. Wer aus der esoterischen Ecke kommt, nennt denselben Vorgang eine Astralreise. Die Schritte sind dieselben, nur die Deutung trennt sich am Ende.

Die Schlafparalyse als Startrampe

Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er das Erlebnis für viele Menschen so unheimlich macht. Sehr viele Astralreisen starten aus einem Zustand, der eigentlich ein ganz normaler Teil unseres Schlafs ist. Gemeint ist die Schlafparalyse.

Während wir träumen, lähmt der Körper seine eigenen Muskeln. Das ist ein Schutzmechanismus, damit wir unsere Träume nicht körperlich ausleben und nachts durch die Wohnung rennen. Normalerweise bekommen wir davon nichts mit, weil wir schlafen. Beim Übergang in eine Astralreise oder einen WILD ist es aber anders. Da ist der Körper schon gelähmt, der Geist aber noch hell wach. Du liegst da, kannst dich nicht rühren und bist trotzdem voll bei Bewusstsein.

Wer nicht weiss, was da gerade passiert, bekommt einen mächtigen Schreck. Der erschrockene Kopf füllt die Lücke gern mit Bildern, und so entstehen die Geschichten von dunklen Gestalten am Bettrand oder von einem Druck auf der Brust. In der esoterischen Deutung werden daraus Wesen, die einem während der Reise auflauern. In der nüchternen Sicht ist es schlicht der ängstliche Geist, der Lücken mit gruseligem Material auffüllt. Ich finde es wichtig, das zu wissen, denn die Angst ist es, die den Schrecken erst erschafft. Der Zustand selbst ist harmlos und geht immer von allein vorbei.

Was sich davon belegen lässt

Kommen wir zu dem Teil, bei dem ich nicht ausweichen will. Was von all dem ist belegbar, und was bleibt Glaubenssache? Hier muss man sauber zwei Dinge trennen, weil sonst alles durcheinandergerät.

Das Erlebnis selbst ist echt. Daran gibt es nichts zu rütteln. Menschen erleben tatsächlich das Geräusch, die Vibrationen und das überzeugende Gefühl, ihren Körper zu verlassen. Das ist kein Schwindel und keine blosse Einbildung im abwertenden Sinn. Es ist eine reale, oft tief beeindruckende Erfahrung, die das Gehirn erzeugt. Die ausserkörperliche Erfahrung ist als Phänomen gut beschrieben und untersucht.

Die Behauptung ist die andere Sache. Verlässt dabei wirklich etwas den Körper und besucht reale Orte? Genau hier wird es dünn. Forscher haben das durchaus getestet. Sie legten zum Beispiel Zahlen oder Bilder weit oben auf einen Schrank, an einen Ort, den man vom Bett aus nicht sehen kann. Wer wirklich aus dem Körper tritt und herumschwebt, müsste diese Zahl mühelos ablesen können. Verlässlich gelungen ist das bislang niemandem. Solange dieser Nachweis fehlt, bleibt die sparsamste Erklärung naheliegend. Das Gehirn baut ein überzeugendes Erlebnis von Bewegung und Ortswechsel, ganz ohne dass tatsächlich etwas hinausgeht.

Es gibt sogar eine handfeste Erklärung dafür, warum sich das Heraustreten so echt anfühlt. Dein Gehirn baut ständig ein inneres Bild von deinem Körper und seiner Lage im Raum. Im Halbschlaf, wenn der echte Körper gelähmt ist und kaum noch Rückmeldung liefert, kann dieses innere Körperbild abdriften. Du fühlst dich dann ausserhalb deines Körpers, obwohl du reglos im Bett liegst. Dafür braucht es keine Seele, die sich loslöst. Es reicht ein Gehirn, das im Übergang kurz die Orientierung verliert.

Wo ich selbst stehe

Ich will hier niemandem den Glauben madig machen. Ich komme selbst aus dieser Welt, und ich erinnere mich gut an das Staunen, das mich damals gepackt hat. Es wäre billig, jetzt von oben herab darüber zu lachen. Mein Standpunkt ist eher ein doppelter.

Auf der einen Seite nehme ich das Erlebnis vollkommen ernst. Es ist eines der eindrücklichsten Dinge, die ein Mensch erleben kann. Die Vibrationen, das Brausen, das Schweben, das alles ist real im Erleben, ganz egal, welches Etikett du draufklebst. Ich würde nie behaupten, dass es sich um nichts handelt. Es handelt sich um sehr viel.

Auf der anderen Seite bleibe ich bei dem, was sich zeigen lässt. Bisher spricht alles dafür, dass die Astralreise im Kopf stattfindet und nicht im Aussenraum. Das macht sie kein bisschen weniger schön, finde ich. Es verschiebt nur die Frage. Statt zu fragen, wohin meine Seele gereist ist, frage ich, was mein Gehirn da gerade Erstaunliches leistet. Diese Frage finde ich mindestens so spannend.

Was ich nicht ausstehen kann, ist die Pose der absoluten Gewissheit, egal von welcher Seite. Wer felsenfest verkündet, da reise eine Seele durchs All, geht mir gleich weit zu weit wie der, der jede solche Erfahrung als blosse Hirnchemie abtut und damit fertig ist. Bodenhaftung heisst für mich, das Erlebnis ernst zu nehmen und die Deutung trotzdem nüchtern zu prüfen. Ich halte mir eine Tür offen, weil ich genug Seltsames erlebt habe, um demütig zu bleiben.

Eine kurze, ernstgemeinte Warnung

Egal welcher Deutung du folgst, einen Punkt nehme ich nie auf die leichte Schulter. Sei beim Übergang vorsichtig mit dem, was du für real hältst.

Wenn ich mich aus dem Bett heraushebe, mache ich zuerst immer einen sehr sorgfältigen Realitätscheck. Ich vergewissere mich, dass ich wirklich schon drüben bin, bevor ich irgendwo hinschwebe oder aus dem Fenster steige. Der Grund ist simpel. Der Übergang fühlt sich so überzeugend an, dass die Grenze zwischen Traumkörper und echtem Körper kurz verschwimmen kann. Ich will auf keinen Fall riskieren, mit dem echten Körper etwas zu tun, von dem ich glaube, ich täte es nur in der Reise. Dieser kleine Schritt kostet zwei Sekunden und gibt dir Sicherheit. Erst prüfen, dann handeln, das ist die eine Regel, die ich mir bei diesem Thema nie spare.

Wie es weitergeht

Damit hast du eine saubere Antwort auf die Frage, was eine Astralreise eigentlich ist. Die Esoterik versteht darunter das bewusste Verlassen des Körpers durch den Astralkörper, mit einem Ablauf aus Stille, Geräusch, Vibrationen und Heraustreten. Das Erlebnis ist real, die Behauptung vom tatsächlichen Hinausgehen bleibt bislang unbewiesen, und der körperliche Übergang ist derselbe, den ich beim Einschlafen mit wachem Geist nutze.

Die naheliegende Anschlussfrage ist natürlich, ob die Astralreise und der luzide Traum nun schlicht dasselbe sind. Dieser Vergleich ist gross genug für einen eigenen Text, und genau dort gehe ich ihm in Ruhe nach, samt der Sicht der Wissenschaft und meiner eigenen Vermutung. Schau dafür in meinen Artikel über Astralreise und luzides Träumen. Und wenn dich solche Grauzonen reizen, wo Erfahrung, Esoterik und Forschung aufeinandertreffen, findest du in meiner Sammlung an Mythen noch mehr davon. Probier den Übergang ruhig selbst aus, geh ihn bewusst an und entscheide am Ende selbst, welches Wort sich für dich richtig anfühlt.