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Was sind Träume eigentlich?

Mythen12 Min. Lesezeit

Was sind Träume eigentlich?

Was sind Träume eigentlich, haben sie eine Bedeutung und können sie sich erfüllen? Ich erkläre, was gesichert ist und was reiner Aberglaube bleibt, aus eigener Erfahrung.

Vor ein paar Wochen wachte ich morgens auf und war für einen Moment völlig sicher, dass ich am Abend zuvor mit meiner längst verstorbenen Grossmutter Karten gespielt hatte. Es fühlte sich wie eine echte Erinnerung an, nicht wie das blasse Nachbild eines Traums. Ich konnte ihre Stimme hören, ich roch ihre Küche, ich wusste, dass sie mit Herz gewonnen hatte. Erst beim Kaffee fiel der ganze Eindruck in sich zusammen, und mir wurde klar, dass davon nichts passiert war. Ich sass da und dachte, was ist das eigentlich, das mir mein Kopf da jede Nacht vorsetzt. Was sind Träume, wenn sie sich echter anfühlen können als die Wirklichkeit?

In diesem Artikel beantworte ich genau diese grosse Frage. Ich erkläre dir, was Träume aus heutiger Sicht überhaupt sind, ob sie eine Bedeutung haben und was von der ganzen Traumdeutung zu halten ist. Und ich gehe der spannendsten Frage von allen nach, nämlich ob Träume wahr sein können und sich vielleicht sogar erfüllen. Ich sage dir bei jedem Punkt klar, was gut belegt ist und was reine Spekulation bleibt.

Was sind Träume eigentlich, ganz nüchtern betrachtet

Fangen wir mit der schlichten Antwort an. Träume sind Erlebnisse, die dein Gehirn während des Schlafs erzeugt. Es sind Bilder, Geschichten, Gefühle und manchmal ganze Welten, die in deinem Kopf entstehen, während dein Körper im Bett liegt und ruht. Du erlebst sie wie etwas Äusseres, dabei kommt alles aus dir selbst. Niemand spielt dir den Film vor, dein eigenes Gehirn ist Regisseur, Drehbuchautor und Zuschauer in einem.

Das meiste davon passiert im sogenannten REM-Schlaf. REM steht für die schnellen Augenbewegungen, die in dieser Phase auftreten. In diesen Abschnitten ist dein Gehirn fast so aktiv wie im Wachzustand, nur dass dein Körper komplett gelähmt ist. Genau in diesen Phasen entstehen die lebhaften, bunten und absurden Träume, an die du dich später erinnerst. Es gibt auch in anderen Schlafphasen Traumaktivität, aber die ist meist blasser und gedankenartiger.

Diese Lähmung ist übrigens kein Fehler. Sie ist ein cleverer Schutz. Dein Körper schaltet die Muskeln bewusst ab, damit du deine Träume nicht real ausagierst. Stell dir vor, du würdest jede Verfolgungsjagd tatsächlich durchs Schlafzimmer rennen. Das wäre auf Dauer keine gute Idee. Wenn dich interessiert, wie aus diesem Zusammenspiel von Hirnaktivität und Schlafphasen überhaupt ein Traum wird, habe ich das ausführlich in einem eigenen Artikel beschrieben, nämlich wie Träume entstehen.

Wichtig ist mir an dieser Stelle vor allem eine Abgrenzung. Träume sind kein Fenster in eine andere Welt, kein Kanal zu Geistern und keine Reise deiner Seele aus dem Körper hinaus. Sie sind ein Vorgang im Gehirn, so erstaunlich und reich dieser Vorgang auch sein mag. Das nimmt ihnen nichts von ihrer Faszination, im Gegenteil. Ich finde es viel beeindruckender, dass ein paar Kilo Hirnmasse jede Nacht ein ganzes Universum erschaffen, als dass irgendein Geist die Finger im Spiel hätte.

Warum sich Träume so echt anfühlen

Die wohl verblüffendste Eigenschaft der Träume ist, wie überzeugend sie sind. Mitten im Traum zweifelst du fast nie daran, dass alles wirklich passiert. Du nimmst die absurdesten Dinge als völlig normal hin. Ein sprechendes Tier, eine verstorbene Verwandte am Kartentisch, eine Stadt, die es nie gab. Im Traum stellst du das nicht in Frage, du lebst einfach darin. Erst beim Aufwachen merkst du, wie verrückt das Ganze eigentlich war.

Das liegt daran, dass im Traum genau die Hirnregionen heruntergefahren sind, die im Wachzustand für kritisches Denken und logische Prüfung zuständig sind. Dein innerer Skeptiker macht Pause. Gleichzeitig laufen die Bereiche für Bilder, Gefühle und Erinnerungen auf Hochtouren. Du bekommst also volle Sinneseindrücke und Emotionen, aber kaum eine Instanz, die das Erlebte hinterfragt. Deshalb glaubst du dem Traum jedes Wort.

Dazu kommt ein Phänomen, das ich besonders spannend finde, weil ich es selbst ständig erlebe. Im Traum hast du oft falsche Gewissheiten. Du weisst mit absoluter Sicherheit, dass eine fremde Person dein bester Freund ist, obwohl sie kein bisschen so aussieht. Du bist überzeugt, dich in deinem eigenen Haus zu befinden, obwohl der Raum völlig anders aussieht. Diese Sicherheit kommt aus dem Nichts und fühlt sich felsenfest an. Genau diese Mischung aus voller Sinneswahrnehmung und abgeschaltetem Zweifel macht den Traum so täuschend echt.

Das ist auch der Grund, warum mich meine tote Grossmutter so überzeugt hat. Mein Gehirn hat ihr Bild erzeugt und gleich noch die felsenfeste Gewissheit dazu, dass alles wirklich geschehen ist. Im Traum war das keine Frage und keine Vermutung, es war einfach so. Wer einmal verstanden hat, wie leicht das eigene Gehirn solche Gewissheiten produziert, geht danach mit einer gesunden Skepsis durchs Leben.

Haben Träume eine Bedeutung?

Jetzt kommen wir zur Frage, die fast alle umtreibt. Haben Träume eine Bedeutung, oder sind sie bloss zufälliges Geflimmer? Meine Antwort darauf ist ein klares Sowohl als auch, und ich erkläre dir, was ich damit meine. Es gibt nämlich zwei sehr verschiedene Arten, diese Frage zu verstehen, und sie führen zu ganz unterschiedlichen Antworten.

Die erste Lesart ist die populäre. Sie geht davon aus, dass jeder Traum eine versteckte, allgemeingültige Botschaft trägt. Zahnausfall bedeutet Angst vor Verlust, fliegen bedeutet Freiheit, fallen bedeutet Kontrollverlust. Davon halte ich wenig, und zwar aus einem einfachen Grund. Es gibt kein universelles Symbol-Lexikon, das für alle Menschen gleichermassen gilt. Die Traumdeutungsbücher, die dir genau das versprechen, erfinden ihre Bedeutungen schlicht. Eine Schlange bedeutet für einen Schlangenforscher etwas völlig anderes als für jemanden mit Schlangenphobie.

Die zweite Lesart finde ich dagegen sehr ernst zu nehmen. Sie sagt, dass deine Träume einen persönlichen Bezug zu deinem eigenen Leben haben. Du träumst auffällig oft von Dingen, die dich gerade beschäftigen, auch wenn sie verzerrt und verkleidet auftauchen. Wer Stress hat, träumt anders als jemand, der entspannt ist. Wer um etwas trauert, dem begegnet das Thema nachts in tausend Formen. In diesem Sinn haben Träume sehr wohl eine Bedeutung, weil sie etwas über deinen inneren Zustand verraten.

Der Unterschied ist also entscheidend. Es gibt keinen festen Code, den man nachschlagen könnte, aber es gibt einen echten Zusammenhang zwischen deinem Leben und deinen Träumen. Wenn du dich für die Bedeutung deiner Träume interessierst, bist du selbst der beste Deuter. Du allein weisst, was dich gerade umtreibt und welcher Traum sich womit verbinden lässt. Kein Buch und keine App kann das für dich übernehmen.

Aus eigener Erfahrung kann ich das nur bestätigen. Wenn ich an einem schweren Projekt sitze, tauchen die Sorgen nachts in seltsamer Form wieder auf. Mal als Prüfung, die ich nicht bestehe, mal als Weg, den ich nicht finde. Die Bilder sind jedes Mal anders, das Gefühl dahinter ist immer dasselbe. Das ist für mich die einzige Traumdeutung, die wirklich etwas bringt. Das Nachschlagen von Symbolen bringt mir wenig. Es hilft der nüchterne Blick darauf, was mich gerade beschäftigt.

Was von der klassischen Traumdeutung zu halten ist

Weil das Thema so viele beschäftigt, will ich noch etwas deutlicher werden. Die klassische Traumdeutung mit ihren festen Symbollisten ist aus meiner Sicht Unterhaltung, kein Wissen. Das heisst nicht, dass sie keinen Spass machen darf. Es ist nur wichtig, dass du den Unterschied kennst, sonst nimmst du Zufallstreffer für Hellsicht.

Das Grundproblem dieser Symbollisten ist ihre Beliebigkeit. Verschiedene Bücher legen dasselbe Symbol völlig unterschiedlich aus. Mal bedeutet Wasser Gefühle, mal Gefahr, mal Reinigung, je nachdem, wen du fragst. Wenn ein Symbol alles bedeuten kann, bedeutet es im Grunde nichts. Du suchst dir am Ende ohnehin die Deutung heraus, die gerade am besten zu deinem Leben passt. Damit machst du genau das, was sinnvoll ist, nur eben mit einem unnötigen Umweg über ein erfundenes Lexikon.

Dazu kommt ein psychologischer Effekt, den du kennen solltest. Deutungen sind oft so vage formuliert, dass fast jeder sich darin wiederfindet. Das funktioniert wie beim Horoskop. Wenn dir jemand sagt, dein Traum deute auf eine bevorstehende Veränderung hin, wird das fast immer irgendwie stimmen, weil im Leben dauernd irgendetwas im Wandel ist. Du verwechselst dann eine allgemeine Aussage mit einem präzisen Treffer.

Mein Rat ist deshalb pragmatisch. Spiel ruhig mit den Bildern deiner Träume und frag dich, was sie mit dir zu tun haben könnten. Aber verlass dich auf dein eigenes Gefühl und dein eigenes Leben, nicht auf ein Buch, das für Millionen Menschen dieselben Antworten ausspuckt. Die ganze Reihe solcher verbreiteter Irrtümer rund ums Träumen sammle ich übrigens in meinem Bereich zu den Mythen ums Träumen, falls du tiefer eintauchen willst.

Sind Träume wahr und können sie sich erfüllen?

Damit sind wir bei der heikelsten Frage angekommen. Können Träume wahr sein, und können sie sich erfüllen? Hier muss ich zwei Dinge sauber auseinanderhalten, weil das Wort wahr zwei ganz verschiedene Sachen meinen kann. Sonst reden wir aneinander vorbei.

Im ersten Sinn sind Träume tatsächlich wahr. Sie sind echte Erlebnisse, die wirklich in deinem Gehirn stattfinden. Du bildest dir den Traum nicht ein, er passiert real als Vorgang in deinem Kopf, vor allem im REM-Schlaf. In diesem Sinn ist jeder Traum wahr, so wie ein Gedanke oder ein Gefühl wahr ist. Es geschieht etwas Reales in dir. Das ist die nüchterne, gut belegte Bedeutung von wahr.

Im zweiten Sinn meinen die Leute aber etwas ganz anderes. Sie fragen, ob Träume die Zukunft zeigen, ob sie sich später in der Wirklichkeit erfüllen, ob es so etwas wie Wahrträume oder Prophezeiungen gibt. Und hier ist meine Antwort so klar, wie sie nur sein kann. Dafür gibt es keinen Beleg. Kein Traum hat je nachweisbar und zuverlässig die Zukunft vorhergesagt. Wer das anders behauptet, hat sich von ein paar Zufällen blenden lassen.

Das klingt vielleicht hart, aber die Erklärung ist eigentlich beruhigend nüchtern. Sie hat zwei Teile, und beide haben mit Statistik und mit deinem Gedächtnis zu tun. Wenn du sie einmal verstanden hast, lösen sich die angeblichen Wahrträume von selbst in Luft auf.

Warum die scheinbaren Treffer entstehen

Der erste Teil ist die schiere Menge. Du träumst jede Nacht, und zwar mehrmals. Über ein Leben gerechnet sind das viele Tausend Träume, voller Personen, Orte und Ereignisse. Bei dieser Masse ist es statistisch fast unvermeidlich, dass hin und wieder ein Traum zufällig zu etwas passt, das später wirklich geschieht. Du träumst von einem alten Freund, und am nächsten Tag ruft er an. Das fühlt sich wie Magie an, ist aber schlicht Wahrscheinlichkeit. Bei genug Würfen kommt auch mal die richtige Zahl.

Der zweite Teil ist die Erinnerungsverzerrung, und die ist sogar noch wichtiger. Wir vergessen die allermeisten Träume vollständig. Die vielen Tausend Träume, die nirgends gepasst haben, fallen einfach unter den Tisch und werden nie erwähnt. Nur die seltenen Treffer bleiben im Gedächtnis, weil sie auffällig sind. So entsteht ein völlig schiefes Bild. Du erinnerst dich an den einen Traum, der zugepasst hat, und vergisst die Hunderte, die danebenlagen.

Dazu kommt, dass wir Erinnerungen im Nachhinein zurechtbiegen. Geschieht etwas Auffälliges, dann passt unser Gedächtnis den vagen Traum von neulich nachträglich daran an. Plötzlich erscheint er viel genauer, als er war. Aus einem dunklen Gefühl von Unheil wird in der Erinnerung eine präzise Vorahnung. Unser Kopf macht aus einer ungefähren Übereinstimmung im Rückblick einen Volltreffer, einfach weil das eine bessere Geschichte ergibt.

Wenn du diese zwei Mechanismen zusammennimmst, brauchst du keine übersinnliche Erklärung mehr. Viele Träume plus selektive Erinnerung plus nachträgliches Zurechtbiegen ergeben automatisch die scheinbaren Wahrträume. Es wäre fast erstaunlich, wenn es solche Zufallstreffer nicht gäbe. Sie sind kein Beweis für Prophetie. Sie sind die normale Folge davon, wie unser Gehirn mit Wahrscheinlichkeiten und Erinnerungen umgeht.

Ich will fair bleiben. Ich kann nicht beweisen, dass es niemals und unter keinen Umständen einen echten Wahrtraum gibt. Beweisen, dass etwas nicht existiert, ist immer schwierig. Was ich sagen kann, ist, dass es bisher keinen einzigen sauberen Beleg dafür gibt und eine viel einfachere Erklärung perfekt ausreicht. Bis mir jemand etwas Besseres zeigt, bleibe ich dabei. Träume sind faszinierend, aber sie sind keine Blicke in die Zukunft.

Wie das alles mit dem Klarträumen zusammenhängt

Vielleicht fragst du dich, warum ich mich auf einer Seite übers Klarträumen so ausführlich mit diesen Grundfragen beschäftige. Der Grund ist einfach. Je besser du verstehst, was Träume wirklich sind, desto leichter fällt dir der bewusste Umgang mit ihnen. Wer Träume für Botschaften aus dem Jenseits hält, geht ganz anders an die Sache heran als jemand, der sie als formbares Produkt des eigenen Gehirns begreift.

Genau dieses Verständnis ist die beste Grundlage fürs Luzidwerden. Wenn dir klar ist, dass der ganze Traum aus deinem Kopf kommt, dann liegt der Gedanke nahe, dass du ihn auch steuern kannst. Du musst keine Angst vor finsteren Mächten haben, denn es gibt sie nicht. Es ist deine Welt, und du darfst darin tun, was du willst. Diese innere Haltung macht einen riesigen Unterschied, sobald du tatsächlich im Klartraum stehst.

Es gibt auch einen schönen umgekehrten Effekt. Sobald du selbst luzid wirst, siehst du den Theorien beim Arbeiten zu. Du merkst, wie instabil und formbar die Szene ist, wie Gesichter wechseln und Räume sich verschieben. Plötzlich wird greifbar, was vorher nur graue Theorie war. Diese Frage nach dem Sinn der Träume hängt eng mit der Frage zusammen, warum man überhaupt träumt, die ich in einem eigenen Artikel auseinandernehme. Beide gehören für mich zusammen.

Und es gibt einen ganz praktischen Anknüpfungspunkt. Damit du dich überhaupt mit deinen Träumen beschäftigen kannst, musst du dich an sie erinnern. Die Traumerinnerung ist von Natur aus flüchtig, sie verfliegt innerhalb von Sekunden nach dem Aufwachen. Wenn du das ändern willst, führt kein Weg am Traumtagebuch vorbei. Wie du das richtig aufziehst und warum gerade Stift und Papier so wichtig sind, beschreibe ich im Einstieg ins luzide Träumen.

Mein Fazit zur Frage, was Träume eigentlich sind

Wenn du nur das Wichtigste mitnehmen willst, dann das hier. Träume sind echte Erlebnisse im Schlaf, erzeugt von deinem eigenen Gehirn, vor allem im REM-Schlaf. Sie fühlen sich täuschend echt an, weil dein innerer Skeptiker nachts Pause macht. Das ist die solide, gut belegte Antwort auf die Frage, was Träume sind.

Bei der Bedeutung lohnt sich der Blick auf den Unterschied. Ein festes Symbol-Lexikon, das für alle gilt, gibt es nicht, das ist Unterhaltung. Ein persönlicher Bezug zu deinem eigenen Leben dagegen ist real, und den deutest du am besten selbst. Und bei der grossen Frage, ob Träume wahr werden, bleibe ich nüchtern. Es gibt keinen Beleg für Prophetie. Die scheinbaren Treffer erklären sich vollständig aus der Masse der Träume und aus der Art, wie unser Gedächtnis arbeitet.

Für mich nimmt das den Träumen nichts von ihrem Zauber. Im Gegenteil, ich finde es beruhigend und gleichzeitig grossartig. Mein Kopf erschafft jede Nacht ganze Welten, mit verstorbenen Grossmüttern, sprechenden Tieren und Städten, die es nie gab. Ich muss diese Welten nicht für Magie halten, um sie zu lieben. Es reicht mir völlig, dass ich lernen kann, bewusst in ihnen spazieren zu gehen.