Ich kann mich an meinen allerersten Klartraum nicht mehr erinnern. Das ist kurios für jemanden, der seit über 15 Jahren luzid träumt, aber so ist es nun mal. Eine Sache weiss ich aber noch genau. Es passierte einfach, mitten im Traum. Ich hatte keine Technik angewendet und keinen Trick benutzt. Auf einmal war mir klar, dass ich träume, und schon war ich drin.
Genau das ist ein DILD, und genau so läuft er bei den meisten ab. Er kommt von selbst, oft lange bevor du überhaupt weisst, dass es einen Namen dafür gibt.
DILD steht für „Dream-Induced Lucid Dream". Schätzungen zufolge sind rund 80 Prozent aller Klarträume DILDs. Diese Methode ist also der absolute Normalfall. Wahrscheinlich wird auch dein erster Klartraum ein DILD sein, vermutlich genauso überraschend wie meiner.
Das Beste daran: Du musst nachts nichts Kompliziertes tun. Der DILD ist im Grunde die Belohnung für eine Gewohnheit, die du dir tagsüber antrainierst. Diese Gewohnheit sind die Realitätschecks. Wenn du nur die sauber aufbaust, kommt dein erster DILD fast von allein.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie ein DILD abläuft, wie du ihn wahrscheinlicher machst und wo ich anderer Meinung bin als die gängige Forschung. Denn da gibt es ein paar Punkte, bei denen meine Erfahrung von den Studien abweicht.
Was DILD eigentlich bedeutet
Es gibt zwei grosse Familien von Klarträumen. Beim DILD wirst du mitten im Traum luzid. Du träumst schon eine Weile, und irgendwann fällt dir auf, dass etwas nicht stimmt. Beim WILD ist es anders. Da gehst du direkt aus dem Wachzustand in den Traum, ohne das Bewusstsein zu verlieren.
Der DILD ist der einfachere von beiden. Du brauchst keine schwierige Technik im Moment des Einschlafens. Du nutzt einfach aus, dass dein träumendes Gehirn irgendwann von selbst stutzig wird. Genau deshalb ist der DILD der ideale Einstieg.
Wie ein DILD bei mir abläuft
Stell dir eine ganz normale Traumszene vor. Ich laufe durch eine Stadt, die ich halb kenne. Irgendetwas ist seltsam, aber im Traum nehme ich das erst mal hin. Dann mache ich aus reiner Gewohnheit einen Realitätscheck. Ich halte mir die Nase zu und versuche zu atmen. Die Luft geht durch.
In diesem Moment fällt der Groschen. Mir wird klar, dass ich träume. Ab da bin ich luzid. Die Szene bleibt, aber meine Haltung ändert sich komplett. Ich weiss jetzt, dass alles um mich herum mein eigener Kopf ist.
So einfach ist das im Kern. Der ganze Trick liegt darin, dass dieser Realitätscheck überhaupt im Traum auftaucht. Und dafür musst du ihn dir vorher tausendmal im Wachen angewöhnt haben.
Der Motor: deine Realitätschecks
Wenn du eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese. Die Realitätschecks sind der Motor hinter jedem DILD. Sie sind der eigentliche Kern der Methode, und alles andere kommt danach.
Ein Check funktioniert aber nur, wenn du ihn richtig machst. Ein hingeschluderter Check bringt gar nichts. Wenn du dir die Nase zuhältst und schon vorher „weisst", dass du wach bist, trainierst du überhaupt nichts. Du musst jedes Mal wirklich daran zweifeln. Frag dich im Ernst, ob das hier gerade echt ist. Schau genau hin und nimm die Antwort nicht vorweg.
Ich verlasse mich auf zwei Checks. Den ausführlichen Artikel dazu findest du bei den Realitätschecks, hier nur das Wichtigste.
Der erste ist die Hand. Ich schaue genau hin und prüfe meine Finger. Im Traum sehen sie fast nie ganz richtig aus. Mal sind es zu viele, mal verschwimmen sie. Der Grund dahinter ist einfach. Dein Gehirn kann feine Details im Traum nicht stabil halten. Es baut deine Hand immer wieder neu zusammen, und dabei schleichen sich Fehler ein.
Der zweite ist die Nase. Ich halte sie zu und versuche zu atmen. Geht die Luft trotzdem durch, träume ich.
Warum ich Text- und Uhren-Checks nicht empfehle
In vielen Anleitungen liest du, du sollst auf Text oder auf eine digitale Uhr schauen. Die Idee dahinter: Im Traum verändert sich Text, wenn du zweimal hinschaust, und Ziffern springen herum. Das stimmt zwar oft, und trotzdem rate ich davon ab.
Es gibt zwei Probleme. Das erste ist die Verfügbarkeit. Text und Uhren sind nicht immer da. Du kannst draussen im Wald stehen oder die Augen halb geschlossen haben. Deine Hand und deine Nase hast du dagegen immer dabei.
Das zweite Problem ist gefährlicher. Mit diesen Checks lässt du dich leichter täuschen. Du schaust kurz auf ein Schild, es sieht normal aus, und du schliesst daraus, du seist wach. Dabei war dein Blick einfach zu flüchtig. Genau dieses falsche „ich bin wach" ist das Schlimmste, was dir passieren kann. Es holt dich aus einem Traum, in dem du gerade luzid hättest werden können.
Mein Rat ist simpel. Nimm einen Check, den du überall und zuverlässig machen kannst. Bei mir sind das die Hand und die Nase. Wenn dir ein anderer besser liegt, nur zu, aber achte darauf, dass er immer verfügbar ist und dich nicht so leicht reinlegt.
Wo ich der Forschung widerspreche
Jetzt wird es interessant. Wenn du dich in die Studien einliest, stösst du auf eine unbequeme Aussage. Realitätschecks allein, so heisst es dort, bringen kaum etwas. Die guten Erfolgsquoten kommen erst, wenn du sie mit anderen Methoden kombinierst, vor allem mit MILD und WBTB. In einer bekannten Studie wurde rund die Hälfte der Teilnehmer innerhalb einer Woche luzid, aber eben nur mit dieser Kombination.
Das passt nicht zu meiner Erfahrung. Ich habe meine Klarträume vor allem über Realitätschecks bekommen, und ich war dabei nicht besonders diszipliniert. Wie kann das sein?
Meine Vermutung: Die Studien messen den falschen Zeitraum. Eine Woche ist viel zu kurz. Realitätschecks wirken nicht über Tage, sie wirken über Monate. Du baust eine Gewohnheit auf, und Gewohnheiten brauchen Zeit, bis sie tief genug sitzen, um in den Traum überzugehen. In einer Studie über eine Woche machen die Leute ein paar lustlose Checks und geben dann auf. Da kommt natürlich wenig heraus.
Ich glaube also, die Realitätschecks werden unterschätzt. Das liegt nicht an schlampiger Forschung. Es liegt eher daran, dass eine langsame Gewohnheit mit einer schnellen Messung erfasst werden soll. Das passt schlecht zusammen.
Vielleicht bin ich auch einfach ein Sonderfall, das kann ich nicht ausschliessen. Aber wenn du nur eine Sache wirklich konsequent machst, dann würde ich auf die Realitätschecks setzen und ihnen mehr als eine Woche geben.
Traumzeichen haben bei mir nie funktioniert
Es gibt eine beliebte Methode, die ich hier erwähnen muss, auch wenn sie bei mir nie geklickt hat. Es geht um Traumzeichen, im Englischen „dream signs".
Die Idee ist clever. Du führst dein Traumtagebuch und suchst nach Dingen, die immer wieder auftauchen. Vielleicht träumst du oft von einem bestimmten Ort, einer Person oder einer Situation. Diese wiederkehrenden Muster sind deine persönlichen Traumzeichen. Sobald eines davon im Traum auftaucht, soll es dich misstrauisch machen und einen Check auslösen.
Bei mir hat das nie funktioniert. Ich konnte mit diesen Mustern nie viel anfangen. Es gibt auch zwei handfeste Schwächen. Traumzeichen ändern sich, ohne dass du es merkst. Und sie sind nicht in jedem Traum da. Du kannst dich also nicht auf sie verlassen.
Vielleicht läuft es bei dir besser, denn manche schwören darauf. Probier es ruhig aus. Ich selbst habe mit ständigen Realitätschecks, die von keinem Muster abhängen, deutlich mehr erreicht.
MILD: nimm deine Absicht mit ins Bett
Eine Methode passt so eng zum DILD, dass ich sie kurz vorwegnehme. Sie heisst MILD, das steht für „Mnemonic Induction of Lucid Dreams". Stephen LaBerge hat sie an der Universität Stanford untersucht, und von allen Techniken hat sie die beste wissenschaftliche Stütze.
Der Kern ist simpel. Bevor du einschläfst, sagst du dir klar vor, dass du im nächsten Traum merken wirst, dass du träumst. Du nutzt damit dein sogenanntes prospektives Gedächtnis, also die Fähigkeit, dich an einen Vorsatz für später zu erinnern. Dazu stellst du dir vor, wie du gerade in einem Traum bist und einen Realitätscheck machst.
Das ist im Grunde dieselbe Autosuggestion, die ich auch beim WBTB mache. Sie kostet nichts und verstärkt deine Chance auf einen DILD spürbar. MILD verdient einen eigenen Artikel, und den schreibe ich noch. Für den Moment reicht: Geh mit einer klaren Absicht ins Bett, dann findet dein Gehirn den Realitätscheck im Traum leichter.
Wie oft und wie ernst?
Eine Frage kommt immer: Wie viele Realitätschecks am Tag? Ich nenne dir bewusst keine feste Zahl. Manche Anleitungen sagen zehn bis fünfzehn, und als grober Richtwert ist das in Ordnung. Viel wichtiger als die Zahl ist die Qualität.
Mach einen Check, wenn dir etwas komisch vorkommt. Und mach ihn genauso, wenn gerade überhaupt nichts Komisches passiert. Der zweite Teil ist der entscheidende. Im Traum kommt dir vieles völlig normal vor, obwohl es absurd ist. Wenn du nur in „komischen" Momenten prüfst, verpasst du genau die Träume, in denen alles plausibel wirkt.
Bau dir also die Gewohnheit, einfach zufällig und ohne Anlass zu prüfen. Zwei Sekunden pro Check, mehrmals am Tag, über Wochen hinweg. Je selbstverständlicher das im Wachen wird, desto sicherer taucht es irgendwann mitten in einem Traum auf.
Ein Trick hilft beim Dranbleiben. Häng deine Checks an feste Auslöser im Alltag. Jedes Mal, wenn du durch eine Tür gehst, aufs Handy schaust oder dir die Hände wäschst, machst du einen Check. So vergisst du sie seltener, und mit der Zeit läuft die Gewohnheit von allein.
Wenn du luzid wirst: erst mal ruhig bleiben
Eine Warnung, die fast jeder am eigenen Leib lernt. In dem Moment, in dem dir klar wird, dass du träumst, passiert oft etwas Dummes. Du freust dich so sehr, dass du sofort aufwachst. Ob beim ersten oder beim hundertsten Mal, das passiert immer wieder.
Wenn es dir passiert, sei nicht frustriert. Es gehört dazu und gibt sich mit der Zeit. Es hilft, im ersten Moment ruhig zu bleiben und nicht in Aufregung zu verfallen. Bleib bei der Szene, schau dich in Ruhe um, fass etwas an. Ein einfacher Trick dafür: Reib deine Hände aneinander oder berühre den Boden. Das verankert dich im Traum und hält dich länger drin. Aber das ist schon das Thema der Traumkontrolle, und dazu kommt ein eigener Bereich.
Der Haken am DILD
So gut der DILD als Einstieg ist, er hat eine Schwäche. Du weisst oft nicht, wie du überhaupt luzid geworden bist. Du bist einfach plötzlich da, mitten in einer Szene, die schon läuft. Das macht es leichter, die Luzidität wieder zu verlieren. Du wirst abgelenkt, rutschst zurück in den normalen Traum oder wachst auf.
Beim WILD ist das anders. Da bist du von der ersten Sekunde an klar und in Kontrolle. Dafür ist der WILD deutlich schwerer zu lernen. Für den Anfang ist der DILD trotzdem der richtige Weg, weil er dich nachts keine Mühe kostet.
Der Supplement-Weg, den ich noch teste
Eine Sache will ich nicht verschweigen, auch wenn ich sie selbst noch nicht ausprobiert habe. Es gibt einen Stoff namens Galantamin, der in Studien die Rate an Klarträumen deutlich erhöht hat. Die Zahlen sehen stark aus, stärker als bei jeder reinen Gedanken-Technik.
Ich gebe dir hier bewusst keine Anleitung und keine Dosierung. Ich habe es noch nicht getestet, also kann ich aus eigener Erfahrung nichts dazu sagen. Genau das will ich ändern. Ich werde verschiedene Substanzen und Supplements systematisch ausprobieren und meine Träume dabei dokumentieren. Was dabei herauskommt, schreibe ich in einem eigenen Artikel auf, ohne Werbung und mit allem, was bei mir nicht funktioniert hat.
Bis dahin gilt: Du brauchst kein Mittel, um deinen ersten DILD zu haben. Die Realitätschecks reichen vollkommen.
Dein Fahrplan für den ersten DILD
Zum Schluss das Wichtigste in Kurzform.
- Führ dein Traumtagebuch. Ohne gute Traumerinnerung merkst du im Traum nichts.
- Mach den ganzen Tag Realitätschecks. Hand und Nase, richtig und mit echtem Zweifel.
- Prüf auch, wenn nichts komisch ist. Das ist der Teil, den die meisten vergessen.
- Geh mit einer Absicht ins Bett. Sag dir vor, dass du im Traum aufpassen wirst.
- Kombinier es mit WBTB. Gegen Morgen steigt deine Chance deutlich.
- Bleib ruhig, wenn es klappt. Sonst wachst du vor lauter Freude gleich wieder auf.
Mehr braucht es für den Anfang nicht. Der DILD ist geduldig. Gib ihm ein paar Wochen, und er kommt. Und keine Sorge, deinen ersten wirst du wahrscheinlich nie ganz vergessen, auch wenn ich mich an meinen eigenen nicht mehr erinnern kann.
