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WBTB: aufstehen oder liegen bleiben?

Techniken10 Min. Lesezeit

WBTB: aufstehen oder liegen bleiben?

Muss man bei WBTB wirklich aufstehen oder reicht liegen bleiben? Ich zeige dir beide Wege, meine Erfahrung und wie du dein Gehirn nur leicht weckst.

Es war so gegen vier Uhr morgens, als mein Wecker losging. Ich tappte ins Bad, machte kein Licht an und setzte mich wieder aufs Bett. Mein Kopf war wach genug, dass ich an meinen Klartraum dachte. Mein Körper aber wollte sofort zurück in den Schlaf.

Genau dieser Zustand ist das Ziel bei WBTB. Du willst dein Gehirn gerade so weit wecken, dass ein Funke Bewusstsein bleibt. Gleichzeitig soll der Rest von dir wieder kippen, runter in den REM-Schlaf, wo die Träume wohnen.

Die grosse Frage, die mir am Anfang niemand klar beantwortet hat: Muss ich dafür wirklich aufstehen? Oder reicht es, einfach liegen zu bleiben und kurz die Augen aufzumachen? Ich habe beides über Jahre ausprobiert. Beide Wege funktionieren bei mir, aber unterschiedlich gut, je nach Nacht und Ziel.

In diesem Artikel gehe ich genau diese eine Frage durch. Wenn du WBTB als Ganzes noch nicht kennst, lies vorher den Pillar zu WBTB. Hier geht es nur um das Aufstehen gegen das Liegenbleiben.

Worum es bei WBTB überhaupt geht

Kurz zur Einordnung, damit wir vom Gleichen reden. Bei WBTB wachst du in der Nacht kurz auf, meist ungefähr zwei Stunden vor deiner normalen Zeit. Dann hältst du dein Bewusstsein einen Moment wach und schläfst danach wieder ein. Dieser zweite Schlaf ist voller REM, also voller langer Träume.

Der heikle Punkt steckt im Wecken selbst. Weckst du dich zu stark, bist du komplett wach und liegst eine Stunde da. Weckst du dich zu wenig, schläfst du sofort wieder ein und merkst nichts. Du suchst den schmalen Grat dazwischen.

Aufstehen und Liegenbleiben sind einfach zwei Hebel, um diesen Grat zu treffen. Aufstehen weckt dich mehr. Liegenbleiben weckt dich weniger. So simpel ist der Kern, und der Rest ist Feintuning für deinen Kopf.

Was “leicht wach machen” wirklich bedeutet

Bevor ich die zwei Wege vergleiche, will ich den Zielzustand sauber beschreiben. Das hat bei mir am meisten verändert, als ich es verstanden hatte.

Du willst nicht hellwach werden. Du willst auch nicht halb schlafend bleiben. Du suchst den Punkt, an dem dein Denken wieder anspringt, dein Körper aber schwer und müde ist. In diesem Zustand kannst du noch einen klaren Gedanken fassen. Trotzdem fällst du innerhalb von Minuten zurück in den Schlaf, wenn du dich entspannst.

Ich merke diesen Punkt daran, dass ich einen ganzen Satz im Kopf formulieren kann. Gleichzeitig fühlen sich meine Augenlider an wie aus Blei. Wenn ich an dieser Stelle einfach die Augen schliesse und ruhig atme, sinke ich weg. Das ist Gold.

Zu wach erkennst du daran, dass dir Alltagskram in den Sinn kommt. Du denkst an die E-Mail von gestern oder an den Einkauf. Dann bist du über das Ziel hinausgeschossen. Zu schläfrig erkennst du daran, dass dir der Gedanke an deinen Traum gar nicht erst gelingt. Du nickst weg, bevor du ihn fassen kannst.

Beide Wege, Aufstehen und Liegenbleiben, haben nur das eine Ziel: dich an genau diesen mittleren Punkt zu bringen. Welcher Weg dich besser dorthin bringt, hängt von dir ab.

Der Weg über das Aufstehen

Das ist mein Standard, wenn ich es ernst meine. Mein Wecker geht, und ich stehe wirklich auf. Ich gehe einmal kurz durch die Wohnung, mache vielleicht das Fenster auf und atme ein paar Mal die kühle Luft ein. Ich gehe aufs Klo, trinke einen kleinen Schluck Wasser und setze mich dann zurück ins Bett.

Wichtig ist die Dosierung. Ich bin vielleicht fünf bis zehn Minuten auf den Beinen, nicht länger. Helles Deckenlicht bleibt aus, ich bleibe im Halbdunkel. Ich schaue nicht aufs Handy, weil das Display mein Gehirn sofort viel zu stark hochfährt. Ich will leicht wach werden, kein Update vom Tag.

Der grosse Vorteil vom Aufstehen ist die Zuverlässigkeit. Wenn ich liege und nur die Augen aufmache, schlafe ich oft einfach wieder ein, ohne dass mein Bewusstsein je richtig ansprang. Beim Aufstehen passiert das kaum. Die paar Schritte zwingen mein Gehirn, kurz online zu gehen. Genau dieses kurze Online-Gehen ist die Substanz, die WBTB erst wirken lässt.

Ein zweiter Vorteil: Während ich kurz wach bin, kann ich meinen Plan schärfen. Ich gehe im Kopf durch, dass ich gleich merken will, dass ich träume. Das ist der MILD-Teil, also die Autosuggestion vor dem Wiedereinschlafen. Im Stehen bei frischer Luft fällt mir diese klare Absicht leichter als im warmen Bett, wo ich schon halb wegdöse.

Der Nachteil liegt auf der Hand, denn Aufstehen weckt manchmal zu stark. An schlechten Nächten bin ich nach dem kurzen Gang durch die Wohnung so wach, dass ich nicht mehr einschlafe. Dann liege ich da, denke an alles Mögliche und ärgere mich. Das passiert mir vor allem, wenn ich zu lange auf bin oder doch aufs Handy schaue.

Mein Fazit zum Aufstehen: Es ist der sicherere Weg, um überhaupt einen Klartraum zu provozieren. Der Preis ist das Risiko, zu wach zu werden. Bei mir gewinnt das Aufstehen, wenn ich nach Tagen Pause wieder einen Treffer landen will.

Der Weg über das Liegenbleiben

Der zweite Weg ist sanfter. Du wachst auf, durch deinen Wecker oder von allein, und bleibst einfach liegen. Du machst kurz die Augen auf, denkst bewusst an deinen Traum und an deine Absicht, und schliesst die Augen wieder. Kein Aufstehen, kein Licht, kein Klo, wenn es nicht sein muss.

Das klingt fast zu einfach, und manchmal ist es das auch. Der Vorteil vom Liegenbleiben ist die Nähe zum Schlaf. Du bist gar nicht erst aus dem Bett raus, also fällst du auch viel leichter zurück. Genau das macht diesen Weg ideal, wenn du mit WILD arbeiten willst, also bewusst in den Traum hineingleiten.

Wenn ich liegen bleibe, bleibe ich auf dem Rücken, die Glieder leicht gespreizt, und bewege keinen Muskel. Ich atme ruhig und lasse mich treiben. Bei mir baut sich dann oft “das Geräusch” auf, dieses Rauschen oder Summen, das für mich ein gutes Zeichen ist. Ich lasse es sich auf sich selbst aufbauen, ohne es zu erzwingen, und gleite hinein.

Der Vorteil ist klar: Du landest im weichen Übergang, wo die hypnagogen Bilder kommen. Aus diesem Zustand heraus gelingt mir der direkte Einstieg in einen Klartraum am elegantesten. Ein durchgehender Faden vom Wachen ins Träumen, ganz ohne den Umweg über das volle Aufwachen.

Der Nachteil ist genauso klar. Sehr oft schläfst du einfach wieder ein, ganz normal, ohne jedes Bewusstsein. Du wolltest dein Gehirn leicht wecken, hast es aber nie richtig geweckt. Bei mir geht das Liegenbleiben in den meisten Nächten so aus. Ich mache die Augen auf, denke kurz “jetzt”, und das Nächste ist der Morgen.

Das Liegenbleiben verlangt mehr Übung als das Aufstehen. Du musst gelernt haben, dein Bewusstsein im Einschlafen festzuhalten, ohne dabei wach zu werden. Das ist ein feiner Tanz, und er hat bei mir Jahre gebraucht. Mit weniger Erfahrung verpufft der sanfte Weg oft.

Wie ich das Gehirn nur leicht wecke, wenn ich liege

Weil das Liegenbleiben so leicht ins komplette Wegnicken kippt, habe ich ein paar kleine Tricks, um trotzdem einen Funken Wachheit zu zünden. Sie liegen zwischen den zwei reinen Wegen.

Erstens: die Augen länger offen halten als der Impuls will. Statt nur kurz zu blinzeln, schaue ich bewusst eine halbe Minute an die Decke. Das hebt das Wachsein gerade so an, ohne dass ich aufstehen muss.

Zweitens: ein Realitätscheck im Liegen. Ich halte meine Nase zu und versuche zu atmen. Das ist mein Lieblings-Check, weil er überall geht, sogar im Bett im Dunkeln. Wenn ich noch atmen kann, weiss ich, dass ich wach bin. Mehr zu diesen Checks steht unter Realitätschecks machen.

Drittens: eine klare Absicht formulieren, in ganzen Worten im Kopf. Ich sage mir innerlich: “Ich werde gleich merken, dass ich träume.” Affirmativ, ohne ein “nicht” darin, weil mein Unterbewusstsein das Wörtchen “nicht” sowieso überliest. Dieses prospektive Gedächtnis ist der Kern von MILD.

Diese drei kleinen Handlungen wecken mein Gehirn leicht an, ganz ohne Spaziergang durch die Wohnung. Sie sind mein Kompromiss, wenn ich den sanften Weg gehen, aber nicht sofort wieder wegsinken will. Manchmal reicht mir das schon, und manchmal fehlt mir doch der klare Schubs vom Aufstehen.

Aufstehen oder liegen bleiben, was passt wann?

Jetzt der praktische Teil. So entscheide ich mich von Nacht zu Nacht, und so würde ich dir den Einstieg empfehlen.

Wenn du neu bei WBTB bist, fang mit dem Aufstehen an. Es ist robuster und verzeiht mehr. Du lernst zuerst das Gefühl kennen, wie sich der mittlere Wachzustand anfühlt. Sobald du den kennst, kannst du anfangen, weniger zu tun und nur noch liegen zu bleiben.

Wenn du tagsüber sehr müde bist und Schlafdruck hast, neige zum Liegenbleiben. An solchen Nächten weckt dich Aufstehen oft nicht zu stark, weil dein Körper sowieso nach Schlaf schreit. Du kannst also sanfter vorgehen und trotzdem wieder einschlafen.

Wenn du dagegen leicht aus dem Schlaf fällst und nachts oft lange wach liegst, sei vorsichtig mit dem Aufstehen. Bei dir kippt es schnell ins komplette Wachwerden. Probier zuerst das Liegenbleiben mit den kleinen Weck-Tricks von oben.

Was die Technik danach angeht: Aufstehen passt gut, wenn du danach mit Absicht wieder einschläfst und im normalen Traum luzid wirst, also DILD. Liegenbleiben passt besser, wenn du direkt hineingleiten willst mit WILD. Beide lassen sich mit WBTB kombinieren, und beide brauchen Geduld.

Eine nüchterne Einordnung noch: Bei mir hat sich kein fester Sieger ergeben. In manchen Phasen lief das Aufstehen besser, in anderen das Liegenbleiben. Das kann bei dir ganz anders sein. Führ ein Traumtagebuch und notiere, was du gemacht hast und was passiert ist. Nach ein paar Wochen siehst du dein eigenes Muster.

Häufige Fehler bei beiden Wegen

Ein paar Stolpersteine sehe ich immer wieder, bei mir selbst und bei Leuten, die mir schreiben.

Der grösste Fehler ist das Handy. Egal ob du aufstehst oder liegen bleibst, sobald das Display angeht, ist dein Gehirn viel zu wach. Lass das Handy also einfach aus. Wenn du den Wecker am Handy hast, dreh es um und schalte sofort aus, ohne zu schauen.

Der zweite Fehler ist zu langes Wachsein beim Aufstehen. Zehn Minuten sind das Maximum, eher weniger. Wer eine halbe Stunde herumläuft, kommt nicht mehr zurück in den Schlaf. Halte es kurz und langweilig.

Der dritte Fehler ist, beim Liegenbleiben gar nichts zu tun. Wenn du nur die Augen aufmachst und sofort weiterschläfst, bist du einfach kurz aufgewacht, und mit WBTB hat das nichts mehr zu tun. Du brauchst den Moment bewusster Absicht dazwischen, sonst läuft die Technik ins Leere.

Der vierte Fehler ist die zu hohe Erwartung. WBTB klappt nicht jede Nacht, bei keiner der beiden Varianten. Selbst nach fünfzehn Jahren habe ich Nächte, in denen gar nichts passiert. Das ist normal. Mach Pausen, sei nett zu dir und freu dich über die Treffer.

Eine Sicherheitsnote zum Wachzustand

Eine Sache will ich klar sagen, weil sie wichtig ist. Wenn du über das Liegenbleiben in WILD hineingleitest und einen luziden Einstieg findest, machst du vorher einen sehr sorgfältigen Realitätscheck. Das gilt besonders, wenn du im Traum etwas Riskantes vorhast, etwa aus dem Fenster fliegen.

Ich beschwöre dafür im Halbschlaf die Szene meines eigenen Zimmers herauf und stehe mit dem Traumkörper auf. Das fühlt sich völlig echt an. Genau deshalb prüfe ich doppelt, ob ich wirklich träume, bevor ich irgendetwas tue. Die Angst, aus einem echten Fenster zu springen, ist berechtigt, und ein sauberer Check kostet dich nur Sekunden.

Falls du beim Liegenbleiben in eine Schlafparalyse rutschst, also wach im Kopf, aber gelähmt im Körper, keine Panik. Das ist ein normaler Schlafmechanismus und geht von allein vorbei. Den Horror erzeugt erst die Angst davor. Meine Methode: Augen zulassen, einen einzelnen Finger wiggeln, dann löst sich die Starre. Mehr dazu steht unter Was ist eine Schlafparalyse.

Mein Fazit

Du musst bei WBTB nicht zwingend aufstehen. Liegenbleiben funktioniert auch, wenn du dein Gehirn mit kleinen Handgriffen leicht weckst. Dazu gehören das Augenoffenhalten, ein kurzer Realitätscheck und eine klare Absicht im Kopf.

Aufstehen ist der sicherere Weg, gerade am Anfang, weil es dich zuverlässiger in den mittleren Wachzustand bringt. Der Preis ist das Risiko, zu wach zu werden. Liegenbleiben ist der elegantere Weg für den direkten Einstieg, verlangt aber mehr Übung und endet oft im normalen Weiterschlafen.

Probier beides aus und schau, was bei dir hängen bleibt. Notiere es im Traumtagebuch und such dein eigenes Muster. Wenn du tiefer in die Grundtechnik willst, geht es zurück zum Pillar über WBTB. Und wenn du erst noch entscheiden willst, welche Methode überhaupt zu dir passt, schau bei welche Technik für Anfänger vorbei.