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Den Traum fragen: Antworten aus dem Unterbewusstsein

Traumkontrolle10 Min. Lesezeit

Den Traum fragen: Antworten aus dem Unterbewusstsein

Im Klartraum kannst du das Unterbewusstsein fragen und dir selbst Antworten geben lassen. Wie ich das mache, was du erwarten kannst und warum die Antwort immer aus dir kommt.

Es gab eine Nacht, da war ich luzid in einer leeren Bahnhofshalle, und mir kam eine alberne Idee. Ich stellte mich einfach in die Mitte und fragte laut in den Raum hinein, was ich gerade an mir selbst übersehe. Ich weiss noch, wie seltsam sich das anfühlte, mit der eigenen Traumwelt zu reden, als wäre sie eine Person. Eine Sekunde lang passierte nichts. Dann ging am Ende der Halle eine Tür auf, und weil ich neugierig bin, ging ich durch und liess mich überraschen, was dahinter wartet. Dahinter sass eine Frau an einem Tisch, das Gesicht zerfloss mir, sobald ich genauer hinschaute, wie immer bei Personen im Traum. Sie sagte einen einzigen Satz zu mir. Ich behalte ihn für mich, aber er traf. Und im selben Moment war mir klar, dass die Frau diesen Satz nicht erfunden hatte. Ich hatte ihn erfunden. Die Antwort kam aus mir, sie hatte nur den Umweg über den Traum genommen.

Seit dieser Nacht mache ich das öfter. Es ist eine der ruhigeren Sachen, die du im Klartraum tun kannst, und gleichzeitig eine der interessantesten. Lass mich dir zeigen, wie ich das Unterbewusstsein fragen gelernt habe und was dabei wirklich passiert.

Du kannst deinen eigenen Traum direkt befragen

Die meisten denken bei Traumkontrolle ans Fliegen, ans Erschaffen, an die grossen, lauten Sachen. Doch sobald du luzid bist, hast du auch einen viel leiseren Zugang. Du kannst deinen eigenen Traum fragen. Du kannst dein Unterbewusstsein fragen. Und du bekommst eine Antwort, weil der Traum gar nichts anderes ist als dein eigener Kopf, der gerade frei läuft.

Das klingt im ersten Moment esoterisch, und ich komme tatsächlich aus dieser Ecke. Früher war ich tief im Schamanismus und in der Esoterik drin, und damals hätte ich gesagt, ich rede mit einer höheren Instanz oder mit meinem Geist. Heute sehe ich das nüchterner. Es ist alles dein Gehirn. Aber das macht die Sache kein bisschen weniger nützlich. Im Gegenteil. Wenn die Antwort aus dir kommt, dann heisst das, dass du dieses Wissen schon in dir trägst. Du holst es bloss an einem Ort ab, an dem dein wacher Kopf sonst nicht hinkommt.

Im Wachen sitzt zwischen dir und deinem Unterbewusstsein eine dicke Schicht aus Vernunft, Selbstzweifel und Geschwätz. Im Klartraum fällt diese Schicht zum grossen Teil weg. Du bist wach genug, um eine Frage zu stellen, und gleichzeitig tief genug drin, dass der Teil von dir antwortet, der sonst stumm bleibt. Genau diese Mischung macht den Klartraum zum guten Werkzeug dafür. Wenn du verstehen willst, warum dein Traum überhaupt so auf dich reagiert, lies am besten zuerst, wie Traumkontrolle funktioniert. Der ganze Mechanismus baut auf demselben Prinzip auf, und das hilft dir auch hier.

Drei Wege, an die Antwort zu kommen

Es gibt nicht den einen richtigen Weg, eine Frage in den Traum zu stellen. Ich habe über die Jahre drei Methoden gefunden, die bei mir gut laufen. Such dir die aus, die sich für dich am natürlichsten anfühlt, und misch sie ruhig.

Laut in den Raum fragen

Die einfachste Variante ist die, mit der ich in der Bahnhofshalle angefangen habe. Du stellst dich hin und sprichst deine Frage laut aus, als würdest du den Raum selbst ansprechen. Es fühlt sich albern an, das gebe ich zu. Aber es funktioniert, weil das laute Aussprechen deiner Absicht im Traum eine starke Sache ist.

Das ist im Grunde ein gesprochener Befehl an deine eigene Traumwelt. Wenn du tiefer in diese Technik einsteigen willst, hab ich darüber einen eigenen Artikel über gesprochene Befehle im Traum geschrieben. Kurz gesagt funktioniert es so, dass du deine Frage klar und einfach formulierst und sie dann mit voller Überzeugung in den Raum schickst. Danach wartest du. Manchmal verändert sich die Szene, manchmal taucht etwas auf, manchmal hörst du eine Stimme. Wichtig ist, dass du nach dem Fragen nicht sofort weiterredest oder zweifelst. Lass dem Traum einen Moment, um zu antworten.

Eine Traumfigur als Sprachrohr nutzen

Die zweite Methode ist meine liebste, wenn ich eine konkretere Antwort will. Statt mit dem leeren Raum zu reden, suche ich mir eine Person im Traum oder rufe eine herbei und stelle ihr meine Frage. Das gibt dem Ganzen ein Gesicht, und es fühlt sich für mich runder an, als ins Nichts zu sprechen.

Eine Sache musst du dabei wissen. Personen sind im Traum knifflig. Ich kann nie jemanden sauber herzaubern, das Bild rutscht mir weg, und das Gesicht sieht nie ganz richtig aus. Es zerfliesst, sobald ich es genauer anschaue, ein bisschen wie schmelzendes Glace, das sich immer wieder neu zusammensetzt. Lass dich davon nicht stören. Für eine Frage brauchst du kein perfektes Gesicht, du brauchst nur ein Gegenüber. Wie du diese Gespräche überhaupt in Gang bringst, beschreibe ich genauer im Text über das mit Traumfiguren sprechen. Der Trick, der bei mir am besten klappt, ist, um eine Ecke zu gehen und fest zu erwarten, dass die Person dort schon wartet. Dann stelle ich meine Frage und höre einfach zu, was sie sagt.

Behalt dabei eine Sache im Hinterkopf. Die Figur erfindet die Antwort nicht. Du erfindest sie. Die Traumfigur ist nur das Sprachrohr für deinen eigenen Kopf. Das macht sie aber kein bisschen weniger wertvoll, denn dieser Teil von dir kommt sonst nie zu Wort.

Durch eine Tür zur Antwort gehen

Die dritte Methode ist die bildhafteste. Statt nach Worten zu fragen, gehe ich durch eine Tür und lasse mir die Antwort als Szene zeigen. Türen sind im Traum überall, und ich nutze sie sowieso ständig, um in neue Welten zu kommen. Hier nutze ich sie etwas anders.

Ich stelle mir vor der geschlossenen Tür meine Frage, und dann sage ich mir, dass hinter dieser Tür die Antwort liegt. Ich lege mich nicht fest, was ich sehen werde. Ich lasse mich überraschen. Dann öffne ich und schaue, was mir der Traum zeigt. Manchmal ist es eine Landschaft, manchmal ein Mensch, manchmal eine Situation, die ich erst beim Aufwachen verstehe. Diese Methode liefert selten klare Worte, dafür starke Bilder, und Bilder bleiben oft länger haften.

Die eine Regel, die alles ändert: positiv formulieren

Jetzt kommt der Teil, den ich für die wichtigste Sache überhaupt halte. Es ist eine meiner nützlichsten Entdeckungen in über fünfzehn Jahren, und sie gilt fürs Fragen genauso wie für den ganzen Traum. Dein Unterbewusstsein versteht kein Verneinen. Es überhört das kleine Wort, das eine Sache umkehrt, und behält nur den Rest.

Ich habe das auf die harte Tour gelernt. Früher habe ich mich in Albträumen vor etwas versteckt und im Kopf gedacht, hoffentlich findet es mich hier nicht. Und jedes Mal fand es mich. Jedes verflixte Mal. Irgendwann fiel der Groschen. Mein Unterbewusstsein hörte das Verneinen gar nicht, es hörte nur findet es mich hier, und genau das setzte es um. Seither denke ich nur noch in positiven Bildern. Statt zu hoffen, dass etwas mich nicht findet, denke ich, es geht an mir vorbei. Und es geht vorbei. Hat seither immer geklappt.

Für das Fragen heisst das ganz konkret, dass du deine Fragen umdrehen musst. Frag nicht, warum etwas bei dir schiefläuft, denn dann zeigt dir der Traum genau das Schieflaufen. Frag stattdessen, was dir guttut oder was der nächste Schritt wäre. Frag lieber, was dir Sicherheit gibt, statt zu fragen, wovor du Angst hast. Die Antwort fällt jedes Mal brauchbarer aus, weil dein Unterbewusstsein die Richtung der Frage einfach übernimmt. Warum das so tief sitzt, hat mit der ganzen Mechanik des Traums zu tun, und die habe ich im Artikel über wie Traumkontrolle funktioniert ausführlicher beschrieben. Hier reicht dir die Faustregel. Formulier positiv, immer.

Das braucht Übung, weil unser waches Denken voll von Verneinungen steckt. Du wirst dich am Anfang dabei ertappen, wie du im Traum etwas Negatives fragst, und dann die Antwort kriegst, die du eigentlich vermeiden wolltest. Mir geht das bis heute manchmal so. Bau dir die Gewohnheit schon im Wachen auf. Wenn du tagsüber merkst, dass du etwas verneint denkst, dreh es im Kopf ins Positive um. Dann sitzt es im Traum von selbst.

Was du erwarten kannst, und was nicht

Ich will dir keine falschen Versprechen machen, deshalb sage ich offen, was dich erwartet. Du bekommst selten ein klares Orakel. Es ist meistens kein deutlicher Satz, der dir die Zukunft verrät oder dir glasklar sagt, was du tun sollst. Wer dir das verspricht, übertreibt.

Was du bekommst, sind eher drei Sorten von Antworten. Manchmal sind es Bilder, eine Szene, ein Gegenstand, ein Ort, der für sich steht und den du erst beim Nachdenken deutest. Manchmal sind es Gefühle, eine plötzliche Schwere oder Leichtigkeit, ein Sog in eine Richtung, ohne Worte. Und manchmal, eher selten, sind es tatsächlich Sätze, die eine Traumfigur sagt oder die dir einfach in den Kopf fallen. Die Sätze sind am eindrücklichsten, aber auch am seltensten, zumindest bei mir.

Wichtig ist die richtige Erwartung. Das hier ist keine Wahrsagerei. Es ist deine eigene Verarbeitung, die sich Bahn bricht. Dein Gehirn kaut sowieso die ganze Nacht an deinen Themen, deinen Sorgen und deinen offenen Fragen. Wenn du luzid wirst und gezielt fragst, lenkst du diesen Prozess nur ein wenig und holst dir ein Stück davon ins Bewusstsein. Die Antwort ist so klug oder so wirr, wie du selbst gerade bist. Das ist ihre grosse Stärke und gleichzeitig ihre Grenze.

Und noch etwas zur Erinnerung. Du wirst die Antwort nicht Wort für Wort behalten, genauso wenig wie du einen ganzen Traum Wort für Wort behältst. Du erinnerst dich an Szenen und Fetzen. Schreib die Antwort darum auf, sobald du wach bist. Ein, zwei Stichworte reichen oft, um das Wichtige zu retten, bevor es zerfliesst.

Wofür du das wirklich brauchen kannst

Jetzt zum praktischen Teil. Wofür lohnt sich das Ganze? Zwei Sachen mache ich damit am häufigsten.

Das Erste ist das Wälzen von Problemen. Wenn mich etwas im Wachen beschäftigt und ich nicht weiterkomme, nehme ich die Frage mit in den Traum. Ich setze sie mir vor dem Einschlafen als Ziel, werde luzid und stelle sie dann auf eine der drei Arten von oben. Oft kommt eine Antwort, an die mein wacher Kopf nie gedacht hätte, weil er zu sehr im Kreis dachte. Das ist keine Zauberei. Es ist einfach dein Gehirn, das die Sache aus einem anderen Winkel anschaut. Wer das gezielt nutzen will, findet bei mir einen ganzen Artikel über das Probleme lösen im Traum, mit konkreten Schritten dafür.

Das Zweite ist das Holen von Kreativem. Wenn ich an etwas Gestalterischem festhänge, an einer Idee, einem Text, einer Form, dann frage ich den Traum danach. Hier liefert die Tür-Methode bei mir am meisten, weil ich kreative Sachen besser als Bild als in Worten kriege. Ich gehe durch die Tür und lasse mir zeigen, wie die Idee aussehen könnte. Was dahinter wartet, ist oft schräg und überraschend, und genau das ist der Punkt. Dein schlafendes Gehirn kombiniert wilder als dein waches. Es wirft Dinge zusammen, die im Wachen nie zueinander gefunden hätten, und manchmal fällt dabei genau der Funke ab, den du gesucht hast.

Bei beidem gilt dieselbe Einschränkung wie überall in diesem Text. Es klappt nicht jedes Mal, und es liefert nicht immer Gold. Manchmal kriegst du Müll, manchmal nichts, manchmal eine Antwort, die du erst Tage später verstehst. Das ist normal. Sieh es als zusätzliches Werkzeug, nicht als Wundermittel. Aber wenn es trifft, dann trifft es ziemlich genau, weil die Antwort aus der Quelle kommt, die dich am besten kennt, nämlich aus dir selbst.

Am Ende redest du immer mit dir

Wenn du eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann diese. Egal welche Methode du nutzt, egal ob du laut fragst, eine Figur sprechen lässt oder durch eine Tür gehst, die Antwort kommt immer aus dir. Es gibt keine fremde Stimme, kein Orakel, keine höhere Macht, die durch deinen Traum zu dir spricht. Es ist dein eigenes Unterbewusstsein, das endlich mal ungestört reden darf.

Das hat mich anfangs fast ein bisschen enttäuscht, als ich es begriff. Heute finde ich es das Beste daran. Es bedeutet nämlich, dass du die Antworten schon hast. Du musst sie nur abholen, an einem Ort, zu dem dein wacher Kopf den Schlüssel verloren hat. Das Unterbewusstsein fragen heisst, mit dem leisesten und offensten Teil von dir ins Gespräch zu kommen. Probier es aus, formulier deine Fragen positiv, und schreib auf, was zurückkommt.

Wenn du danach weiterstöbern willst, findest du in der Übersicht zur Traumkontrolle alle anderen Sachen, die du im Klartraum anstellen kannst, vom Fliegen bis zum Erschaffen. Das Fragen ist nur eine davon, aber für mich eine der Sachen, zu denen ich nach all den Jahren immer wieder zurückkomme.