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Dinge, Essen und Menschen im Klartraum erschaffen

Traumkontrolle10 Min. Lesezeit

Dinge, Essen und Menschen im Klartraum erschaffen

Wie ich im Klartraum zuverlässig Dinge erschaffe, indem ich dorthin greife, wo ich nichts sehe. Plus mein liebster Zeitvertreib im Traum und warum Menschen am schwersten zu erschaffen sind.

Mein zuverlässigster Trick im Klartraum ist überhaupt der einfachste. Ich greife hinter meinen Rücken und erwarte fest einen Schwertgriff. So wie der Hexer sein Schwert vom Rücken zieht, ganz selbstverständlich, ohne nachzudenken. Und genau im Moment, in dem meine Hand die Stelle berührt, ist der Griff da. Kühl, gerillt, fest in der Faust.

Das klappt bei mir fast jedes Mal. Es ist mit Abstand die verlässlichste Art, im Traum etwas aus dem Nichts zu holen. Und das Schöne daran ist, dass du dafür kein Profi sein musst. Du musst nur verstehen, warum es funktioniert, und dann nachmachen. Genau darum geht es in diesem Artikel.

Warum Greifen besser ist als Starren

Im Traum erschaffst du Dinge mit Überzeugung. Reine Willenskraft reicht dafür nur selten. Alles im Traum hängt davon ab, was du wirklich glaubst. Dein Wunsch allein bewegt da wenig. Mehr dazu steht im Hub zur Traumkontrolle.

Und genau hier liegt der Trick mit dem Greifen. Solange du ein Objekt nur ansiehst, kann dein Zweifel daran herumnagen. Du siehst die leere Hand und dein Kopf weiss ganz genau, dass da nichts ist. Sobald du aber dorthin greifst, wo du nichts sehen kannst, fällt dieser Zweifel weg. Es gibt kein Bild, das dir widerspricht. Dein Gehirn füllt die Lücke einfach mit dem, was du erwartest.

Deshalb ist der blinde Griff so mächtig. Du nimmst deinem Zweifel die Bühne. Was du nicht siehst, kann dich auch nicht vom Glauben abbringen.

Mir ist das erst nach Jahren so richtig klar geworden. Am Anfang habe ich versucht, mit purem Willen Dinge in die Luft zu malen, und bin damit fast immer gescheitert. Erst als ich anfing, einfach in meine Tasche zu greifen, ging plötzlich alles leicht. Der Unterschied lag immer daran, ob mein Kopf eine leere Stelle vor sich hatte. Die Kraft spielte dabei kaum eine Rolle.

Der blinde Griff: Schritt für Schritt

Such dir einen Ort, den du gerade nicht im Blick hast. Bei mir sind das ein paar wenige Stellen, die immer funktionieren:

  • Die Hosentasche. Die leichteste Variante von allen. Du greifst hinein und ziehst etwas heraus.
  • Hinter dem Rücken. Mein Klassiker für den Schwertgriff. Die Hand verschwindet aus dem Sichtfeld, und genau da entsteht das Objekt.
  • Unter dem Bett oder hinter einer Kante. Überall, wo deine Hand kurz im Verborgenen verschwindet.

Bevor du greifst, stell dir vor, wie sich das Objekt anfühlt. Konzentrier dich ganz auf das Gefühl in der Hand und lass das Aussehen erst mal weg. Beim Schwert ist das der gerillte Griff, das Gewicht, die kühle Oberfläche. Bei einer Pistole die Form, die in die Hand passt. Je genauer du das Gefühl im Kopf hast, desto sauberer ist das Objekt im Moment der Berührung da.

Dann greif zu und erwarte es fest. Du hoffst dabei nicht und du versuchst auch nichts. Du weisst einfach, dass es da ist, so wie du weisst, dass dein Schlüssel in der Tasche steckt. Und im Augenblick, in dem deine Finger die Oberfläche spüren, hältst du es in der Hand.

Aus der Tasche ziehen ist am leichtesten

Wenn du diesen Trick zum ersten Mal probierst, fang mit der Hosentasche an. Sie ist die einfachste Übung von allen. Eine Tasche ist klein, dunkel und sowieso dafür da, dass etwas drin steckt. Dein Kopf erwartet ohnehin schon, dass da etwas ist.

Greif also einfach hinein und zieh etwas heraus. Münzen, ein Feuerzeug, eine Frucht, was auch immer du gerade brauchst. Bei mir geht das so verlässlich, dass ich es kaum noch als Trick empfinde. Es ist eher zur Gewohnheit geworden, und genau das ist das Ziel. Sobald der Griff zur Gewohnheit wird, hört der Zweifel von selbst auf.

Ein kleiner Hinweis aus eigener Erfahrung. Sei am Anfang nicht zu wählerisch, was genau herauskommt. Wenn du in die Tasche greifst und unbedingt eine bestimmte Münze willst, baust du dir den Zweifel gleich wieder ein. Lass es lieber offen und nimm, was da ist. Mit der Zeit, wenn der Griff sicher sitzt, kannst du immer genauer werden und auch wirklich genau das Objekt hervorziehen, das du im Kopf hattest.

Die Methode aus dem Sichtfeld (die seltenere)

Es gibt noch eine zweite Art zu erschaffen, und die läuft genau andersherum. Hier lässt du ein Objekt direkt vor deinen Augen entstehen. Deine Hand bleibt dabei im Sichtfeld.

Vielleicht kennst du das aus dem Wachen. Wenn du lange auf einen Punkt starrst, liegt eine Art feines Flimmern über der Welt. So eine körnige Unruhe, die entsteht, weil deine Augen die Eindrücke ständig neu verrechnen. Im Traum kann ich dieses statische Flimmern manchmal zu einem Objekt zusammenballen. Es verdichtet sich an einer Stelle, wird fester, und auf einmal liegt etwas da.

Das klingt cooler, als es bei mir tatsächlich abläuft. Diese Methode ist deutlich seltener und viel unzuverlässiger als der blinde Griff. Sie klappt nicht bei jedem Objekt, und sie bricht leicht wieder weg, sobald ich zu fest hinschaue. Ich beschreibe sie hier, weil sie faszinierend ist und weil sie bei dir vielleicht besser geht. Mein Geld setze ich trotzdem auf den Griff aus dem Verborgenen.

Essen ist mein liebster Zeitvertreib

Wenn ich im Traum gerade kein grosses Ziel habe, mache ich oft dasselbe. Ich suche mir eine Bar, einen Laden oder ein Restaurant, das ich nicht bewusst erschaffen habe, und gehe einfach hinein. Genau dieser Punkt ist mir wichtig. Ich lasse den Ort von meinem Traum bauen und lasse mich überraschen, was hinter der Tür auf mich wartet. Selbst greife ich da bewusst nicht ein.

Drinnen probiere ich dann alles, was ich finde. Und das Zeug ist herrlich seltsam. Da liegt Obst, das ich kenne, daneben Obst, das es gar nicht gibt, in Farben, die im Wachen keinen Namen haben. Dazu kommen merkwürdige Getränke, die ich nie bestellt hätte. Alles schmeckt anders als erwartet, und genau das ist der Reiz. Selbst eine ganz normale Erdbeere schmeckt im Traum nach etwas, das ich nicht in Worte fassen kann.

Essen im Traum ist für mich pure Neugier. Es kostet nichts, es geht immer, und es überrascht mich jedes Mal. Wenn du noch keinen Lieblings-Zeitvertreib im Klartraum hast, probier das mal aus. Such dir einen Ort, den du nicht selbst gebaut hast, und iss dich durch.

Warum dieser Umweg über einen fremden Ort? Weil er denselben Trick nutzt wie der blinde Griff. Wenn ich den Laden nicht selbst erschaffe, überlasse ich die Details meinem Traum. Mein Zweifel hat nichts, woran er sich festhalten kann, weil ich nicht versuche, jede Frucht einzeln zu erzwingen. Ich gehe nur hinein und schaue, was da ist.

Das Gleiche gilt für den Geschmack. Ich versuche nie, einer Frucht einen bestimmten Geschmack vorzuschreiben. Ich beisse einfach hinein und bin gespannt. Genau deshalb überrascht mich der Geschmack jedes Mal aufs Neue. Würde ich vorher festlegen, dass die Erdbeere nach Erdbeere schmecken muss, wäre der ganze Zauber weg. So aber bekomme ich Aromen, die ich im Wachen nie zustande brächte.

Ein kleiner Nebeneffekt gefällt mir besonders. Weil ich den Ort nicht plane, treffe ich oft auf Traumfiguren, die schon da sind. Der Typ hinter der Theke, die Leute an den Tischen. Die muss ich gar nicht erst erschaffen, sie gehören einfach zur Szene. Das ist viel leichter, als sie selbst herbeizurufen, und damit sind wir auch schon beim schwierigsten Teil.

Menschen sind am schwersten

Jetzt kommt der Teil, bei dem ich am meisten kämpfe. Menschen zu erschaffen ist für mich mit Abstand das Schwierigste. Ein Schwert bleibt liegen, ein Apfel bleibt ein Apfel, aber ein Gesicht will einfach nicht halten.

Das Problem ist immer dasselbe. Sobald ich versuche, eine bestimmte Person vor mir entstehen zu lassen, fällt das Bild wieder weg. Es zerläuft mir unter den Augen. Das hat denselben Grund wie die Sache mit den Händen im Realitätscheck. Dein Gehirn kann ein Gesicht im Traum nicht stabil halten. Es baut es ständig neu zusammen, und dabei verändert es sich, wie geschmolzenes Glace, das immer wieder eine andere Form annimmt.

Der Trick mit der Ecke

Was bei mir am besten gegen dieses Wegfallen hilft, ist ein einfacher Umweg. Ich gehe um eine Ecke und erwarte fest, dass die Person dort schon steht. Manchmal erwarte ich auch, dass sie mir gleich um die Ecke entgegenkommt. Den Versuch, sie direkt vor mir herbeizustarren, lasse ich ganz bleiben.

Das ist genau dieselbe Logik wie beim blinden Griff. Solange ich die Person direkt vor mir erzwingen will, sieht mein Kopf die leere Stelle und der Zweifel gewinnt. Sobald sie aber hinter einer Ecke verborgen ist, gibt es kein leeres Bild, das mich stört. Ich biege um die Kante, und da ist sie.

Perfekt ist das trotzdem nie. Die Person sieht selten genau richtig aus, vor allem wenn es jemand Bestimmtes sein soll. Das Gesicht stimmt nicht ganz, oder es ändert sich, sobald ich zweimal hinschaue. Damit habe ich mich abgefunden. Im Traum gilt eine eigene Wahrheit, und oft bin ich mir trotzdem hundertprozentig sicher, wen ich vor mir habe, auch wenn das Gesicht wechselt.

Ob das bei dir besser läuft, weiss ich nicht. Vielleicht halten andere Menschen Gesichter im Traum stabiler als ich, das kann ich nicht ausschliessen. Wenn du da einen Trick hast, der bei dir zuverlässig funktioniert, würde ich ihn gern hören.

Warum ich nicht zu fest hinschaue

Eine Sache habe ich mir bei Menschen fest angewöhnt. Ich starre sie nicht an. Sobald ich ein Gesicht zu genau prüfen will, zerfällt es mir. Es ist fast so, als würde mein Blick die Figur auflösen. Also schaue ich lieber locker, rede mit der Person, gehe neben ihr her und nehme das Gesicht nur aus dem Augenwinkel wahr. So bleibt es erstaunlich lange stabil.

Das passt zu allem, was ich über das Erschaffen gelernt habe. Je direkter und angestrengter ich etwas erzwingen will, desto leichter bricht es weg. Je lockerer ich bleibe und einfach erwarte, dass es da ist, desto eher hält es. Bei Gegenständen merkt man das kaum, weil sie ohnehin stabiler sind. Bei Menschen wird daraus die ganze Kunst.

Überzeugung und Zweifel: die ganze Sache in einem Satz

Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese. Alles beim Erschaffen läuft auf das Verhältnis von Überzeugung und Zweifel hinaus. Deine Überzeugung lässt das Objekt entstehen, dein Zweifel reisst es wieder weg.

Genau deshalb funktionieren alle meine Tricks nach demselben Muster. Der Griff in die Tasche, das Schwert hinter dem Rücken, der fremde Laden, die Person um die Ecke. Sie alle nehmen dem Zweifel die Sicht. Was du nicht direkt anschaust, kann dein Kopf nicht so leicht in Frage stellen. Du gibst der Überzeugung freies Spiel, indem du dem Zweifel nichts zum Anschauen gibst.

Das ist auch der Grund, warum reines Wollen so oft scheitert. Du kannst dir ein Objekt noch so sehr herbeiwünschen. Solange ein leiser Teil von dir die leere Hand sieht und denkt, dass da nichts ist, bleibt sie leer. Der blinde Griff umgeht genau diesen Moment.

Übe es vorher im Wachen

Ein letzter Tipp, der bei mir für fast jede Traumfähigkeit gilt. Übe die Sache im Wachen, bevor du sie im Traum brauchst. Stell dir tagsüber vor, wie du hinter deinen Rücken greifst und den Schwertgriff spürst. Spür das Gewicht, die Rillen, die kühle Oberfläche so genau, wie du kannst.

Je öfter du das im Wachen durchspielst, desto selbstverständlicher läuft es im Traum ab. Du trainierst dabei vor allem deine Erwartung. Und die Erwartung ist beim Erschaffen alles. Dieselbe Vorbereitung hilft übrigens auch beim Fliegen und anderen Transportarten, wo es ebenfalls nur darum geht, jeden Zweifel loszuwerden.

Dein Fahrplan zum Erschaffen

Das Wichtigste in Kurzform:

  1. Greif dorthin, wo du nichts siehst. Hosentasche, hinter dem Rücken, unter dem Bett.
  2. Stell dir das Gefühl vor, nicht das Bild. Wie sich das Objekt in der Hand anfühlt.
  3. Erwarte es fest und zieh es im Moment der Berührung hervor.
  4. Fang mit der Tasche an, das ist die einfachste Übung.
  5. Beim Essen suchst du einen Ort, den du nicht selbst gebaut hast, und probierst alles.
  6. Bei Menschen gehst du um eine Ecke und erwartest sie dort.
  7. Übe vorher im Wachen, damit die Erwartung im Traum von allein kommt.

Erschaffen im Klartraum ist am Ende ein kleiner Trick mit deinem eigenen Zweifel. Mit Zauberei hat das wenig zu tun. Nimm dem Zweifel die Sicht, gib der Überzeugung den Vortritt, und greif einfach zu. Bei mir ist der Schwertgriff danach jedes Mal da.