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Durch Wände und feste Objekte gehen

Traumkontrolle11 Min. Lesezeit

Durch Wände und feste Objekte gehen

Durch Wände gehen im Traum klingt verrückt, geht aber, wenn du es glaubst. Ich zeige dir, wie ich das erste Mal hindurchsank und wie es bei dir klappt.

Ich erinnere mich noch gut an das erste Mal, dass ich es wirklich versucht habe. Ich war luzid, stand in einem Raum, den ich nicht kannte, und vor mir war eine schlichte weisse Wand. Damals war ich tief in der ganzen esoterischen Ecke drin, Schamanismus, Astralreisen, der ganze Kram, und irgendwo hatte ich gelesen, dass im Traum nichts wirklich fest ist. Also legte ich die Hand auf die Wand. Sie fühlte sich an wie eine echte Wand, kühl und hart, und genau das war das Problem. Ein Teil von mir wusste ganz sicher, dass Wände hart sind. Ich drückte ein bisschen, nichts passierte, und ich war kurz davor, es bleiben zu lassen. Dann atmete ich innerlich durch und sagte mir, dass das hier mein Traum ist und dass diese Wand nur so fest ist, wie ich es zulasse. Ich lehnte mich hinein, machte mir absolut klar, dass ich gleich durchsinke, und dann sackte meine Hand einfach hindurch, danach der Arm, und dann der Rest von mir. Auf der anderen Seite war eine Szene, die ich nie geplant hatte. So fühlt sich das an, das erste Mal durch eine Wand zu gehen.

Seitdem mache ich es regelmässig, und es gehört für mich zu den schönsten kleinen Beweisen, dass die Regeln im Traum andere sind. In diesem Text zeige ich dir, warum durch Wände gehen im Traum überhaupt geht, warum es vielen am Anfang so schwerfällt, und wie ich es konkret anstelle. Fangen wir mit dem Wichtigsten an.

Feste Wände sind nur fest, solange du daran glaubst

Im Wachen ist eine Wand eine Wand. Du läufst dagegen und es tut weh, fertig. Im Traum sieht das anders aus. Da ist die Wand nichts weiter als ein Bild, das dein Gehirn gerade malt, und sie ist genau so undurchdringlich, wie du sie machst. Wenn du fest davon ausgehst, dass du hindurchgehen kannst, dann gehst du hindurch. Wenn ein Teil von dir noch glaubt, dass da eine harte Mauer steht, dann steht da eine harte Mauer.

Das klingt im ersten Moment vielleicht banal, aber es ist der ganze Trick. Eine Wand im Traum hat keine eigene Substanz. Sie ist nicht aus Stein gebaut, sie ist aus deiner Erwartung gebaut. Dein Gehirn liefert dir die Wand, weil du erwartest, dass in einem Raum Wände sind, und es liefert sie dir hart, weil du dein ganzes Leben lang gelernt hast, dass Wände hart sind. In dem Moment, in dem du diese Erwartung umstellst, stellt sich auch die Wand um.

Bei mir war das eine kleine Offenbarung, als es zum ersten Mal klappte. Ich konnte mit der Hand draufklopfen und sie war fest. Ich konnte mich hineinlehnen und sie war durchlässig. Dasselbe Stück Wand, derselbe Moment, der einzige Unterschied war, was ich in dem Augenblick glaubte. Genau das ist der Kern der gesamten Traumkontrolle, und durch eine Wand zu gehen ist eine der direktesten Arten, dieses Prinzip am eigenen Leib zu spüren.

Und es bleibt nicht bei Wänden. Was für Wände gilt, gilt für jedes feste Objekt. Ein Tisch, eine geschlossene Tür ohne Klinke, ein Fels, ein Baumstamm, der Boden unter dir. Alles, was im Wachen massiv und undurchdringlich wäre, kannst du im Traum durchqueren, wenn dein Glaube stimmt. Ich bin schon durch Böden nach unten gesackt, einfach weil ich es wollte, und in einer ganz anderen Szene wieder rausgekommen. Die Wand ist nur das einfachste und greifbarste Beispiel, deshalb fangen die meisten damit an.

Warum es oft schwerfällt

Wenn das so einfach ist, warum klappt es dann nicht beim ersten Versuch? Die Antwort ist, dass dir dein eigener Kopf im Weg steht. Du hast Jahrzehnte deines Lebens damit verbracht zu lernen, dass Wände hart sind. Jedes Mal, wenn du als Kind irgendwo angerannt bist, hat dein Gehirn diese Lektion ein bisschen tiefer eingebrannt. Diese Gewohnheit sitzt so tief, dass sie auch im Traum noch mitläuft, obwohl die Regeln dort gar nicht mehr gelten.

Das ist der Grund, warum durch Wände gehen oft schwerer ist als zum Beispiel das Fliegen. Beim Fliegen gibt es bei manchen Leuten gar keine so harte Gegenerfahrung, da lassen sie sich leichter drauf ein. Aber gegen eine Wand bist du garantiert schon mal gestossen, und dein Körper erinnert sich daran. In dem Moment, in dem du dich hineinlehnst, meldet sich diese alte Gewohnheit und flüstert dir zu, dass das doch nicht gehen kann. Und genau dieser Zweifel hält dich auf.

Im Traum ist Zweifel kein harmloses Gefühl, er ist die Bremse. Solange ein Teil von dir nicht überzeugt ist, gewinnt dieser Teil. Du kannst dir noch so sehr wünschen, durch die Wand zu gehen, aber wenn im Hinterkopf die leise Stimme sitzt, die sagt, das ist eine Wand, du kommst da nicht durch, dann bleibst du draussen. Die Wand spürt deinen Zweifel sozusagen und bleibt hart. Es ist immer wieder dieselbe Geschichte, und sie zieht sich durch alles, was du im Traum tust.

Wenn dich interessiert, warum das so funktioniert und was im Hintergrund eigentlich passiert, habe ich das ausführlicher in einem eigenen Text darüber, wie Traumkontrolle funktioniert, beschrieben. Für hier reicht der Kern. Dein Glaube ist der Schalter, und die alte Wachgewohnheit ist das, was diesen Schalter immer wieder auf hart zurückstellt. Deine Aufgabe ist es, ihn auf durchlässig zu halten, lange genug, um hindurchzukommen.

Wie es klappt: hineinlehnen statt anrennen

Jetzt zum praktischen Teil. Der erste Fehler, den fast alle machen, ist, dass sie es mit Schwung versuchen. Sie nehmen Anlauf und rennen gegen die Wand, so als müssten sie sie durchbrechen. Das funktioniert bei mir fast nie. Der Schwung erzeugt nämlich genau die Erwartung, gegen die du arbeitest. Wenn du anrennst, rechnest du innerlich mit einem Aufprall, und dieser erwartete Aufprall kommt dann auch.

Was viel besser klappt, ist Ruhe. Geh langsam an die Wand heran, fast schon gemütlich. Es gibt keine Eile. Dann lehn dich einfach hinein, sanft, ohne Druck und ohne Kraft. Stell dir vor, du sinkst in etwas Weiches, in dickes Wasser oder in Watte. Die ganze Bewegung soll sich anfühlen, als würde die Wand dich aufnehmen, nicht als müsstest du sie überwinden. Und während du dich hineinlehnst, machst du dir mit voller Gewissheit klar, dass du jetzt durchsinkst. Du weisst es einfach, hoffen reicht hier nicht.

Ein Bild, das vielen hilft, ist, sich die Wand als Nebel vorzustellen. Schau die Wand an und sieh sie als dichte Nebelwand, durch die du einfach hindurchspazieren kannst, nicht mehr als Stein. Bei mir funktioniert manchmal auch die Vorstellung von Wasser oder von einer Seifenblasenhaut, durch die ich hindurchtrete. Welches Bild du nimmst, ist egal, Hauptsache es nimmt der Wand in deinem Kopf die Härte. Probier ein paar aus und schau, was für dich am besten zieht. Das kann bei dir ganz anders sein als bei mir.

Falls beim ersten Anlauf nichts passiert, mach dir keinen Stress und lass es nicht gleich bleiben. Genau das war bei mir damals der Knackpunkt. Ich war kurz davor aufzugeben, und erst als ich innerlich durchatmete und mir die Sache noch fester einredete, ging es. Tritt einen halben Schritt zurück, sammel dich, und mach dir noch klarer als vorher bewusst, dass diese Wand für dich kein Hindernis ist. Beim zweiten oder dritten Versuch klappt es dann meistens. Es ist wie beim Fliegen, manchmal braucht der Glaube einfach einen zweiten Anlauf.

Hilfreich ist auch, sich im Wachen darauf vorzubereiten. So wie ich es vom Fliegen kenne, kannst du das Durchgehen schon am Tag im Kopf durchspielen. Stell dir lebhaft vor, wie deine Hand in eine Wand sinkt, wie sich das anfühlen könnte, wie du auf der anderen Seite wieder herauskommst. Je öfter du das wach probst, desto selbstverständlicher wird es im Traum, weil dein Gehirn die Bewegung dann schon kennt.

Der kleine Trick mit der Hand zuerst

Es gibt einen Kniff, der mir das Ganze enorm erleichtert hat, und den gebe ich dir gern weiter. Geh nicht mit dem ganzen Körper auf einmal in die Wand. Streck zuerst nur die Hand durch.

Das hat einen einfachen Grund. Eine Hand durch eine Wand zu schieben ist eine viel kleinere Sache für deinen Kopf als der ganze Körper. Der Zweifel ist kleiner, der Schritt ist kleiner, und damit fällt es leichter. Du legst also die Hand auf die Wand und lässt sie langsam hineinsinken, nur die Hand, vielleicht bis zum Handgelenk. Sobald du siehst und spürst, dass deine Hand tatsächlich in der Wand verschwindet, hast du den Beweis direkt vor Augen. Diese Wand ist durchlässig. Du hast es gerade selbst gesehen.

Und genau dieser Beweis ist Gold wert. Denn jetzt zweifelst du nicht mehr. Du hast es ja schon geschafft, die Hand ist drin. Den Rest von dir hinterherzuschieben ist dann nur noch eine Formsache, weil dein Glaube in dem Moment felsenfest ist. Ich mache es bis heute oft so, gerade wenn ich an einer Wand zögere. Erst die Hand, kurz schauen, ah ja, geht, und dann ruhig den ganzen Körper nach.

Du kannst diesen Trick übrigens auf alles übertragen, was sich gerade schwer anfühlt. Mach den kleinsten möglichen Schritt zuerst, sammel daraus die Gewissheit, und der grosse Schritt kommt dann fast von selbst. Bei festen Objekten ist die Hand zuerst die sauberste Variante, die ich kenne. Bei einem Tisch leg ich erst die Fingerspitzen rein, beim Boden lass ich erst einen Fuss durchsacken. Immer das kleine Stück zuerst, dann der Rest.

Durch Wände ist nur ein Anfang

Wenn du das einmal raushast, öffnet sich eine ganze Tür, und das meine ich fast wörtlich. Durch Wände gehen ist nämlich nur einer von vielen Brüchen mit der gewohnten Physik, die im Traum möglich sind. Sobald du verinnerlicht hast, dass feste Materie für dich keine Grenze ist, fängst du an, auch andere Regeln zu hinterfragen. Warum sollte die Schwerkraft für dich gelten? Warum die Grösse der Dinge? Warum die Zeit?

Genau dieser Gedanke führt direkt weiter zu allem, was es heisst, die Physik im Traum zu brechen. Wände sind dort ein guter Einstieg, weil sie so konkret und so eindeutig sind. Eine Wand ist da oder sie ist es nicht, du kommst durch oder du kommst nicht durch. Schwierigere Sachen wie das Verändern der Zeit oder das Umbauen ganzer Landschaften bauen auf genau demselben Muskel auf, den du beim Durchgehen trainierst. Der Glaube, der dich durch eine Wand bringt, ist derselbe Glaube, der dich später Berge versetzen lässt.

Und es zeigt in eine zweite Richtung. Durch Wände zu gehen fühlt sich an wie eine Superkraft, und das ist es im Grunde auch. Wer einmal Lust bekommen hat, im Traum mehr zu können als nur durch Materie zu spazieren, sollte sich anschauen, was sonst noch alles geht. Ich habe das in einem Text über Superkräfte im Klartraum gesammelt. Durch Wände gehen ist sozusagen die Einsteiger-Superkraft. Sie ist leicht genug, dass du sie früh schaffst, und beeindruckend genug, dass du sofort verstehst, was im Traum noch alles drin ist.

Mir gefällt an dieser Fähigkeit besonders, dass sie so unaufgeregt ist. Fliegen ist spektakulär, das Erschaffen von Gegenständen ist beeindruckend, aber durch eine Wand zu gehen hat etwas ruhig Selbstverständliches. Du gehst einfach weiter, wo eigentlich Schluss wäre. Und jedes Mal, wenn ich das mache, erinnert es mich daran, dass die Grenzen in meinem Traum nur in meinem Kopf existieren.

Was ich dir mitgeben will

Durch Wände gehen im Traum ist keine Zauberei und kein Talent, das man hat oder nicht hat. Es ist eine Frage des Glaubens, genau wie fast alles in der Traumkontrolle. Die Wand ist nur so fest, wie du sie machst, und in dem Moment, in dem du wirklich davon ausgehst, durchzukommen, kommst du durch.

Halt dir die paar Dinge im Kopf, die bei mir den Unterschied machen. Lehn dich ruhig hinein, statt mit Schwung anzurennen. Stell dir die Wand als Nebel, als Wasser oder als etwas Weiches vor, das dich aufnimmt. Streck zuerst nur die Hand durch, hol dir daraus die Gewissheit, und schieb dann den Rest nach. Und wenn es beim ersten Mal hakt, setz einfach noch einmal an und mach dir die Sache noch fester klar. Bei mir hat genau dieser zweite Anlauf damals alles entschieden.

Wie lange du brauchst, bis es das erste Mal klappt, kann ich dir nicht versprechen. Bei manchen geht es schon in der ersten luziden Nacht, bei anderen dauert es eine Weile, bis der alte Reflex, dass Wände hart sind, endlich nachgibt. Beides ist normal, und beides geht vorbei. Hab Geduld mit dir und deinem Kopf.

Wenn du tiefer in die Kunst einsteigen willst, deinem Traum deine eigenen Regeln zu geben, schau dich in Ruhe im Bereich Traumkontrolle um. Dort findest du alles weitere, vom Fliegen über das Erschaffen von Dingen bis zu den grossen Brüchen mit der Physik. Durch deine erste Wand zu gehen ist ein kleiner Schritt, aber es ist einer dieser Momente, nach denen du den Traum mit anderen Augen siehst. Plötzlich ist nichts mehr wirklich im Weg.