Fliegen ist mein Favorit. Von allem, was du in einem Klartraum machen kannst, ist es das, worauf ich am liebsten zurückkomme. Es kam mir von Anfang an leicht, es macht wahnsinnig Spass und es ist schnell. Wenn du gerade erst anfängst, mit deinem Traum zu spielen, empfehle ich dir genau das. Fang mit dem Fliegen an.
Es gibt einen einfachen Grund dafür. Viele andere Dinge im Traum haben mich Mühe gekostet, manche tun das bis heute. Das Fliegen aber lag mir sofort. Ich musste nicht jahrelang üben, ich musste nur loslassen und abheben. Das macht es zum perfekten ersten Schritt, weil du schnell ein Erfolgserlebnis hast. Und ein Erfolgserlebnis ist im Traum mehr wert, als du denkst, denn es füttert genau die Sache, auf die später alles ankommt: deinen Glauben.
Warum die Fortbewegung der beste Einstieg ist
Wenn du zum ersten Mal luzid wirst, passiert oft etwas Dummes. Du freust dich so sehr, dass du sofort aufwachst. Falls dir das schon passiert ist, bist du in bester Gesellschaft, mir geht es nach all den Jahren immer noch ab und zu so. Damit das nicht jedes Mal passiert, brauchst du ein klares, einfaches Ziel für den Moment, in dem es klappt.
Genau deshalb ist die Fortbewegung der ideale Einstieg in die Traumkontrolle. Sie ist greifbar, sie ist sofort belohnend und sie überfordert dich nicht. Du musst keinen komplizierten Gegenstand erschaffen und keine Person herbeirufen. Du musst dich nur bewegen. Setz dir vor dem Einschlafen ein einziges Ziel, und für den Anfang sollte dieses Ziel das Fliegen sein.
Ein Ziel pro Nacht reicht völlig. Es ist überraschend schwer, sich im Traum an die guten Vorsätze von vorhin zu erinnern. Mit nur einer klaren Absicht hast du die beste Chance, sie tatsächlich umzusetzen. Später, wenn du geübter bist, kannst du dir zwei oder drei Dinge vornehmen.
Der Glaube entscheidet über alles
Bevor ich dir zeige, wie ich abhebe, muss ich dir das Wichtigste sagen. Im Traum entscheidet dein Glaube über alles. Das ist keine Floskel, das ist der harte Kern der ganzen Sache. Alles, was du im Traum tun kannst, hängt davon ab, wie fest du daran glaubst.
Denk an die Psychiker aus den Filmen. Ihre Kraft ist genau so stark wie ihre Überzeugung. Im Traum ist es dasselbe. Wenn du fliegen willst, aber im Hinterkopf zweifelst, ob du das kannst, dann wirst du nie abheben. Der Zweifel zieht dich nach unten, ganz wörtlich. Du musst es glauben, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
Das ist leichter gesagt als getan, und ich habe dafür keine Abkürzung. Es braucht Übung, Übung und noch mehr Übung, bis dieser Glaube zur zweiten Natur wird. Bei mir war das Fliegen von Beginn an mit null Zweifel verbunden, deshalb klappte es sofort. Andere Dinge habe ich jahrelang angezweifelt, und genau die gelangen mir lange nicht. Der Zusammenhang ist eindeutig.
Es gibt aber etwas, das diesen Glauben kräftig unterstützt, und das kannst du im Wachen vorbereiten.
Visualisierung im Wachzustand
Stell dir das Fliegen schon im Wachen ganz lebhaft vor. Setz dich hin oder leg dich kurz hin und spiel es im Kopf durch, so detailliert wie möglich. Spür den Wind auf deiner Haut. Spür das Ziehen im Bauch, wenn du beschleunigst. Sieh den Boden unter dir kleiner werden und die Häuser an dir vorbeiziehen.
Je öfter du das wach durchspielst, desto leichter kommt es dir später im Traum. Du baust damit eine Erwartung auf, und diese Erwartung wird im Traum zur Realität. Dein Gehirn hat die Bewegung dann schon hundert Mal geprobt und ruft sie im richtigen Moment einfach ab. Visualisierung ist im Grunde Training für deinen Traumglauben, und es kostet dich nur ein paar ruhige Minuten am Tag.
Das gilt nicht nur fürs Fliegen. Fast alles in der Traumkontrolle wird leichter, wenn du es vorher im Wachen lebhaft durchgespielt hast. Wer tiefer ins Erschaffen einsteigen will, findet bei mir einen eigenen Artikel über das Dinge erschaffen. Doch zurück zur Fortbewegung, denn die ist das Herzstück dieses Textes.
Fliegen: wie ich abhebe
Es gibt nicht den einen richtigen Weg zu fliegen, und das ist eine gute Nachricht. Jeder findet seinen eigenen Stil. Manche springen einfach ab und bleiben oben. Andere strecken die Arme aus wie Superman. Wieder andere schwimmen förmlich durch die Luft oder lassen sich wie eine Feder treiben. Probier aus, was sich für dich richtig anfühlt.
Bei mir läuft es meistens so. Ich mache einen Schritt, der zu einem kleinen Sprung wird, und dann halte ich mich einfach in der Luft. Die Landung bleibt aus, weil ich oben bleibe. In dem Moment darf kein Zweifel kommen. Ich falle nicht zurück, weil ich gar nicht erst auf die Idee komme, dass ich fallen könnte. Sobald ich oben bin, lenke ich mit dem ganzen Körper, mal mit den Armen, mal nur mit dem Blick in die Richtung, in die ich will.
Das Tempo kannst du selbst bestimmen. Ich fliege gern schnell, weil es so unglaublich befreiend ist. Du kannst über Dächer schiessen, durch Wolken brettern oder gemütlich über eine Landschaft gleiten. Mein liebster Einstieg in einen frischen Klartraum ist immer noch, einfach aus dem Fenster zu fliegen und mich überraschen zu lassen, was draussen auf mich wartet.
Falls es beim ersten Versuch hakt, mach dir keinen Kopf. Manchmal heb ich ab und sacke nach ein paar Metern wieder ab, weil sich ein Funken Zweifel eingeschlichen hat. Dann setze ich neu an, atme innerlich durch und mache mir noch fester klar, dass ich das kann. Beim zweiten oder dritten Anlauf bleibt es dann oben.
Teleportieren ist schwerer
So leicht mir das Fliegen fällt, so viel kniffliger ist das Teleportieren. Damit meine ich, dass du direkt an einem Ort auftauchst, ohne den Weg dorthin durch die Luft zurückzulegen. Das ist anspruchsvoller, vor allem dann, wenn du an einen ganz bestimmten Ort willst. Einfach irgendwohin zu springen geht leichter, als gezielt am Strand von Hawaii zu landen.
Trotzdem lohnt es sich, denn Teleportieren spart Zeit und bringt dich in völlig neue Szenen. Ich nutze dafür zwei Methoden, die bei mir zuverlässig genug funktionieren. Die eine sind Türen, die andere ist das Umdrehen. Beide bauen wieder auf demselben Prinzip auf, das schon beim Fliegen galt. Du musst absolut sicher sein, was dich erwartet.
Die Tür-Methode
Türen sind im Traum überall. In fast jeder Szene findest du eine, und falls nicht, kannst du dir mit etwas Übung eine herbeiwünschen. Diese Türen sind dein Tor an jeden Ort, den du dir vorstellen kannst.
So geht es. Du stellst dich vor eine geschlossene Tür und willst dir eine Szene dahinter herbei. Dabei ist der entscheidende Punkt die Gewissheit. Du musst absolut sicher sein, dass du beim Öffnen an genau diesem Ort stehst. Wenn ich an einen Karibikstrand will, dann weiss ich beim Griff zur Klinke schon, dass ich gleich den warmen Sand unter den Füssen habe und das Meer rauschen höre. Es ist keine Hoffnung, es ist eine Tatsache, fest entschlossen, bevor sich die Tür überhaupt öffnet.
Früher bin ich immer mit ganz klarer Absicht durch die Tür gegangen. Ich wollte nach Hogwarts, also stand hinter der Tür Hogwarts, Punkt. Das funktioniert gut, wenn du ein festes Ziel im Kopf hast. Heute mache ich es oft anders. Ich lasse mich gern überraschen und sage mir nur, dass hinter der Tür eine neue, fremde Welt liegt. Dann öffne ich sie und entdecke fast jede Nacht etwas, das ich vorher nie gesehen habe. Beides ist toll, du musst nur für dich entscheiden, ob du Regie führen oder dich überraschen lassen willst.
Die Umdreh-Methode
Die zweite Methode ist für mich im Alltag sogar praktischer, weil ich keine Tür brauche. Sie nutzt aus, dass du im Traum, genau wie im Wachen, nur ein begrenztes Sichtfeld hast. Du siehst immer nur das, was vor dir liegt. Was hinter deinem Rücken passiert, ist offen, und genau das machst du dir zunutze.
Stell dir vor, was hinter dir ist. Mal ein anderer Raum, mal eine ganz andere Landschaft, mal eine Person, die du treffen willst. Sei dir sicher, dass es da ist, und dann dreh dich um. Oft ist die Szene dann tatsächlich da, weil dein Gehirn beim Umdrehen einfach das einsetzt, was du erwartet hast. Für mich ist das die schnellste Art, die Umgebung komplett zu wechseln, ohne dass ich irgendetwas anderes als meinen eigenen Kopf brauche.
Auch hier gilt wieder dieselbe Regel. Wenn du dich beim Umdrehen fragst, ob es wohl klappt, dann klappt es meistens nicht. Du musst es schon vor der Drehung als gegeben nehmen.
Fahren fühlt sich an wie echtes Fahren
Eine dritte Art der Fortbewegung ist das Fahren, und die ist etwas Besonderes. Wenn du im echten Leben Auto fahren kannst, dann fühlt sich das Fahren im Traum genauso an wie wach. Dein Körper kennt die Bewegungen, deine Hände wissen, wie sich das Lenkrad anfühlt, und dein Gehirn spielt das im Traum sauber nach. Es ist erstaunlich, wie echt sich das anfühlt.
Bei mir war das immer so. Ich konnte im Wachen fahren, also fuhr ich auch im Traum völlig natürlich. Das passt perfekt zur Visualisierung, von der ich vorhin gesprochen habe. Eine Bewegung, die dein Körper aus dem Wachen kennt, ruft er im Traum mühelos ab. Du musst dafür nicht einmal an deinen Glauben denken, weil das Fahren längst in dir sitzt.
Ich muss aber eine Lücke zugeben. Ich weiss nicht, wie sich das Fahren anfühlt, wenn du es im echten Leben nie gelernt hast. Ich habe nie im Traum gefahren, bevor ich es wach konnte, weil mir das Fliegen einfach mehr Spass macht. Es kann gut sein, dass es ohne die echte Erfahrung holpriger wird oder dass dein Gehirn die Steuerung anders füllt. Falls du es ausprobierst, ohne wach fahren zu können, würde mich brennend interessieren, wie es bei dir läuft.
Der Glaube zieht sich durch alles
Vielleicht ist dir aufgefallen, dass ich bei jeder dieser Methoden dasselbe gesagt habe. Beim Fliegen, beim Teleportieren und beim Umdrehen ging es immer um denselben Kern. Sei dir sicher, glaube es und lass keinen Zweifel zu. Diese Wiederholung kommt mit voller Absicht, denn sie ist der rote Faden hinter der gesamten Traumkontrolle.
Dein Traum gehorcht in erster Linie deiner Überzeugung. Wünschen kannst du dir viel, doch solange ein Teil von dir zweifelt, gewinnt der Zweifel. Deshalb ist das Fliegen ein so guter Einstieg. Es bringt dir bei, wie sich vollständige Gewissheit im Traum anfühlt. Hast du dieses Gefühl einmal beim Fliegen erlebt, kannst du es auf alles andere übertragen.
Und genau hier schliesst sich der Kreis zur Visualisierung. Jedes Mal, wenn du eine Bewegung im Wachen lebhaft durchspielst, baust du an diesem Glauben. Du lehrst dein Gehirn, dass das Fliegen, das Teleportieren oder das Fahren völlig normal sind. Im Traum erntest du dann, was du wach gesät hast.
Bleib im Traum, wenn es zündet
Eine kleine Warnung zum Schluss, die zu jeder Form der Fortbewegung passt. Wenn dein erster Flug gelingt, ist die Aufregung riesig, und genau die kann dich aus dem Traum reissen. Versuch, mitten in der Freude ruhig zu bleiben. Spür bewusst den Wind, schau dir die Landschaft an, nimm die Geschwindigkeit wahr. Diese sinnlichen Eindrücke verankern dich im Traum und halten dich länger drin.
Falls du trotzdem aufwachst, ist das kein Drama. Mir passiert das immer noch. Oft kann ich morgens direkt wieder in den Traum zurückgleiten, wenn ich mich kaum bewege und sofort wieder einschlafe. Es kommen also immer neue Gelegenheiten, und jede davon macht dich ein Stück sicherer im Abheben.
Dein Fahrplan für die Fortbewegung
Das Wichtigste in Kurzform.
- Fang mit dem Fliegen an. Es ist der leichteste und lohnendste Einstieg in die Traumkontrolle.
- Setz dir ein Ziel vor dem Einschlafen. Für den Anfang reicht ein einziges, und das sollte das Fliegen sein.
- Glaube ohne jeden Zweifel. Im Traum entscheidet deine Überzeugung über alles, auch über das Abheben.
- Visualisiere im Wachen. Spiel den Wind, das Ziehen im Bauch und die Geschwindigkeit lebhaft durch.
- Nutz Türen oder das Umdrehen zum Teleportieren. Sei absolut sicher, was hinter der Tür oder hinter dir liegt.
- Fahr, wenn du es wach kannst. Dein Körper ruft die Bewegung im Traum von selbst ab.
- Bleib ruhig, wenn es klappt. Sonst reisst dich die Freude gleich wieder aus dem Traum.
Wer ganz am Anfang steht und sich erst noch die Grundlagen aufbauen will, sollte vorher beim Einstieg ins luzide Träumen vorbeischauen. Sobald du aber drin bist und zum ersten Mal abhebst, wirst du verstehen, warum das Fliegen mein Favorit ist. Es gibt kaum ein besseres Gefühl, als bei vollem Bewusstsein über deine eigene Traumwelt zu segeln.
