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Sich selbst verwandeln: Aussehen und Körper im Traum ändern

Traumkontrolle11 Min. Lesezeit

Sich selbst verwandeln: Aussehen und Körper im Traum ändern

Du kannst dich im Traum verwandeln, ein neues Gesicht, ein anderer Mensch oder ein Tier. Ich zeige dir, wie ich meinen Körper im Klartraum umforme und dabei stabil bleibe.

Ich stand in einem Traum vor einem alten Badezimmerspiegel, von der Sorte mit dem Sprung in der Ecke. Ich schaute mich an, weil ich mich vergewissern wollte, dass ich wirklich luzid war. Und dann fing mein Gesicht an wegzulaufen. Die Wangen sackten, die Augen rutschten weg, das ganze Gesicht zerfloss wie schmelzendes Eis, das sich gleich wieder neu zusammensetzt. Früher hätte mich das aus dem Traum gerissen. Diesmal blieb ich ruhig und schaute genauer hin. In dem Moment kam mir der Gedanke wie ein kleiner Schlag: Wenn das Gesicht sowieso schon zerfliesst, dann kann ich es auch selbst formen. Ich dachte nicht lange nach. Ich wünschte mir ein anderes Gesicht, ein fremdes, breiteres, mit einem dunklen Bart, und der Brei vor dem Spiegel zog sich genau dorthin zusammen. Ein paar Sekunden später stand ein wildfremder Mann im Spiegel und bewegte sich, wenn ich mich bewegte. Ich war über fünfzehn Jahre dabei und hatte das nie bewusst gemacht. An dem Morgen lag ich danach wach und grinste.

Seitdem ist das Verwandeln eines meiner liebsten Spielzeuge im Traum geworden. Es ist seltsam, ein bisschen unheimlich und überraschend einfach, wenn du einmal verstanden hast, woran es liegt. In diesem Text zeige ich dir, wie ich mich im Traum verwandle, warum das überhaupt geht und wie du dabei stabil bleibst, statt sofort aufzuwachen.

Du kannst im Traum jede Gestalt annehmen

Lass mich gleich mit der guten Nachricht anfangen. Im Klartraum kannst du dich im Traum verwandeln, in so ziemlich alles, was dir einfällt. Ein anderes Gesicht. Einen ganz anderen Körper. Einen fremden Menschen. Ein Tier. Du bist im Traum nicht an die Gestalt gebunden, mit der du eingeschlafen bist. Dein Körper im Traum ist Knetmasse, und du bist derjenige, der knetet.

Ich rede hier von echten Sachen, die ich selbst gemacht habe. Ein neues Gesicht aufsetzen ist das Leichteste, weil Gesichter im Traum ohnehin nie still halten. Aber es geht viel weiter. Du kannst grösser oder kleiner werden, breiter, dünner, älter, jünger. Du kannst in die Haut einer ganz anderen Person schlüpfen und sehen, wie es ist, als jemand anderes durch deine Traumwelt zu laufen. Und du kannst zum Tier werden, mit Fell, vier Beinen, Flügeln, was du willst.

Warum solltest du das überhaupt tun wollen? Da hat jeder seine eigenen Gründe. Manche wollen einfach sehen, wie es sich anfühlt, in einem anderen Körper zu stecken. Manche wollen ausprobieren, wie die Welt aussieht, wenn man drei Meter gross ist oder auf vier Pfoten läuft. Ich mache es vor allem, weil es eine der reinsten Demonstrationen dafür ist, wie viel Macht du in deinem eigenen Traum wirklich hast. Wenn du deinen eigenen Körper umformen kannst, dann sitzt der Traumglaube tief, und das überträgt sich auf alles andere.

Eins vorweg. Das Verwandeln gehört für mich zu den anspruchsvolleren Sachen. Das Fliegen lag mir von Anfang an, das Verwandeln musste ich mir erarbeiten. Es kann also gut sein, dass du ein paar Anläufe brauchst, bis es klappt. Das ist völlig normal und sagt nichts über dein Talent aus.

Warum das überhaupt funktioniert

Bevor ich dir das Wie zeige, will ich dir erklären, warum das Ganze geht. Denn wenn du verstehst, was im Hintergrund passiert, fällt dir das Verwandeln viel leichter. Es ist die Art von Wissen, die deinen Zweifel kleiner macht, und Zweifel ist im Traum der grösste Feind.

Der erste Punkt ist dein Körperbild. Dein Gehirn trägt ein inneres Bild davon, wie dein Körper aussieht und sich anfühlt. Im Wachen ist dieses Bild ziemlich fest, weil deine Sinne ständig melden, wo dein Arm ist, wie schwer dein Kopf ist, wie deine Haut sich anfühlt. Im Traum fällt dieser ständige Abgleich weg. Dein Körper im Traum ist eine reine Vorstellung deines Gehirns. Und alles, was nur Vorstellung ist, lässt sich umformen. Genau das nutzt du beim Verwandeln aus.

Der zweite Punkt sind die Gesichter, und das ist mein liebstes Beispiel. Versuch im Wachen mal, dir das Gesicht eines Menschen, den du gut kennst, ganz genau vorzustellen. Du kriegst eine Ahnung hin, aber das Bild bleibt nicht stehen. Es verschiebt sich, das Gehirn setzt es immer wieder neu zusammen, ungefähr so wie geschmolzenes Eis, das immer wieder eine neue Form annimmt. Im Traum ist das noch stärker. Gesichter zerfliessen dort fast von allein. Mir ist das früher oft passiert, ich schaute eine Traumfigur an, und ihr Gesicht wollte einfach nicht stillhalten.

Lange habe ich das als Störung erlebt. Heute sehe ich es als Geschenk. Wenn dein Gehirn ein Gesicht sowieso ständig neu zusammenbaut, dann musst du ihm beim Verwandeln nur sagen, wie das neue Gesicht aussehen soll. Du kämpfst nicht gegen eine feste Form an, du gibst dem Brei nur eine Richtung. Deshalb ist das Gesicht der einfachste Einstieg ins Verwandeln.

Und der dritte Punkt, der über allem steht, ist dein Glaube. Im Traum ist deine Überzeugung die Währung. Ich vergleiche das gern mit den Psychikern in den Filmen, deren Kraft genau so stark ist wie ihre Überzeugung. Im Traum ist es dasselbe. Wenn du fest erwartest, dass sich deine Form ändert, dann ändert sie sich. Wenn ein Teil von dir zweifelt, ob das wohl klappt, gewinnt der Zweifel. Das Verwandeln ist im Grunde nur angewandter Traumglaube, und alles, was ich dir jetzt zur Technik sage, dient nur dazu, diesen Glauben zu stützen.

Wie ich mich verwandle

Jetzt zum praktischen Teil. Ich habe über die Jahre ein paar Wege gefunden, die bei mir gut funktionieren. Du musst nicht alle nutzen. Such dir den heraus, der sich für dich am natürlichsten anfühlt.

Über den Spiegel arbeiten

Der Spiegel ist mein liebster Weg, und genau dort hat es bei mir auch zum ersten Mal geklappt. Der Spiegel ist perfekt, weil du dabei direkt siehst, was passiert, und das Sehen verstärkt den Glauben. Du bekommst sofort eine Rückmeldung, und diese Rückmeldung sagt deinem Gehirn, dass es wirklich funktioniert.

So gehe ich vor. Ich suche mir im Traum einen Spiegel, und falls keiner da ist, wünsche ich mir einen herbei oder gehe um eine Ecke und erwarte dort einen. Dann stelle ich mich davor und schaue mein Gesicht an. Oft fängt es von allein an, sich zu verschieben, und das ist gut. Statt dagegen anzukämpfen, lenke ich die Bewegung. Ich male mir das neue Gesicht so klar wie möglich aus und erwarte fest, dass der Spiegel es mir gleich zeigt. Ich hoffe nicht, ich weiss es. Ich nehme es als Tatsache, dass im Spiegel gleich ein anderes Gesicht steht.

Wenn du tiefer in die Arbeit mit dem Spiegel einsteigen willst, habe ich dazu einen eigenen Artikel über den Spiegel im Klartraum geschrieben. Der Spiegel ist nämlich ein erstaunlich vielseitiges Werkzeug, und das Verwandeln ist nur eine von vielen Sachen, die du damit anstellen kannst.

Ein kleiner Hinweis aus eigener Erfahrung. Schau dem Spiegelbild nicht zu lange und zu starr ins eigene Auge, während du noch unsicher bist. Bei mir kann das Bild dann ins Gruselige kippen, weil das Gehirn die Lücken auf eigene Faust füllt. Halte die Sache leicht, fast verspielt, und gib selbst die Richtung vor, in die sich dein Gesicht verändert.

Auf die Hände schauen

Wenn kein Spiegel zur Hand ist, arbeite ich über die Hände. Das passt schön zusammen mit dem Reality Check, den du tagsüber sowieso übst, denn im Traum sehen die Hände nie ganz richtig aus. Genau diese Wandelbarkeit der Hände machst du dir jetzt zunutze.

Ich halte meine Hände vor das Gesicht und schaue sie genau an. Dann erwarte ich, dass sie sich verändern. Beim Verwandeln in ein Tier ist das mein liebster Startpunkt, weil ich zusehen kann, wie aus den Fingern Krallen werden oder wie sich Fell über den Handrücken zieht. Die Hände sind nah und gut sichtbar, und das macht die Veränderung greifbar. Wenn die Hände erst einmal mitmachen, zieht der Rest des Körpers meistens nach.

Fest erwarten und einfach umschalten

Der dritte Weg kommt ganz ohne Spiegel und ohne Hände aus, er braucht nur deinen Willen. Mit etwas Übung kannst du die Verwandlung direkt herbeiwünschen, ohne hinzuschauen. Du erwartest schlicht, dass du jetzt einen anderen Körper hast, und beim nächsten Schritt hast du ihn.

Das ist der schnellste Weg, aber auch der schwerste, weil dir die Rückmeldung des Spiegels oder der Hände fehlt. Dafür brauchst du einen ziemlich gefestigten Traumglauben. Bei mir hat das erst funktioniert, nachdem ich den Spiegelweg oft genug geübt hatte. Mein Tipp ist deshalb klar. Fang mit dem Spiegel an, wechsle dann zu den Händen, und erst wenn beides sicher sitzt, versuch das reine Umschalten per Willen.

Über allen drei Wegen steht dieselbe Regel, die ich nicht oft genug wiederholen kann. Du musst die Veränderung erwarten, als wäre sie schon geschehen. Der Zweifel ist das Einzige, was dich aufhält.

In ein Tier verwandeln

Das Verwandeln in ein Tier ist für mich ein besonderes Kapitel, und ich muss kurz ausholen, woher mein Interesse daran kommt. Bevor ich zum luziden Träumen kam, war ich tief im esoterischen Kram drin, und Schamanismus kam bei mir sogar zuerst. Das Krafttier, das Reisen in der Gestalt eines Tiers, all diese Sachen haben mich fasziniert. Was mir damals auffiel und mich bis heute nicht loslässt, ist die starke Überschneidung. Vieles, was Schamanen über die Verwandlung in ihr Krafttier beschreiben, sieht für mich nach genau demselben Mechanismus aus wie das luzide Träumen.

Damit das klar ist, ich packe da keinen Zauber rein. Meine heutige Sicht ist nüchtern. Das ist alles dein Gehirn. Wenn ein Schamane berichtet, er werde zum Wolf und laufe durch den Wald, dann passiert in meinen Augen dasselbe, was passiert, wenn ich mich im Traum in einen Wolf verwandle. Es ist ein eindrückliches inneres Erlebnis, hervorgebracht von einem Gehirn, das gerade kein festes Körperbild abgleichen muss. Das macht die Erfahrung übrigens kein bisschen weniger spannend. Im Gegenteil, ich finde es noch faszinierender, dass dein eigener Kopf so etwas erzeugen kann.

Praktisch gehe ich beim Tier so vor. Ich entscheide mich vorher, welches Tier ich werden will, am besten schon im Wachen, und ich spiele es lebhaft durch. Wie fühlt es sich an, auf vier Beinen zu stehen. Wie tief liegt der Kopf über dem Boden. Wie riecht die Welt plötzlich. Je genauer ich mir das wach ausmale, desto leichter kommt es im Traum. Im Traum selbst starte ich meistens bei den Händen und schaue zu, wie aus ihnen Pfoten werden, dann lasse ich die Verwandlung den Körper hinaufwandern.

Das Tier zu werden ist intensiver als ein neues Gesicht, weil sich dein ganzes Körpergefühl ändert. Genau deshalb ist es auch ein wackeliger Moment, in dem du leicht aus dem Traum kippst. Damit sind wir beim wohl wichtigsten Teil dieses Textes.

Stabil bleiben, wenn die Verwandlung gross wird

Eine starke Verwandlung kann dich aus dem Traum reissen. Das ist mir oft passiert. Du wirst zum Adler, freust dich riesig, und zack bist du wach. Das liegt an zwei Sachen. Erstens an der Aufregung, die dich aus jedem starken Traummoment kippen kann. Zweitens an der Verwirrung, weil sich dein Körpergefühl gerade komplett umbaut und dein Gehirn kurz nicht weiss, woran es sich halten soll.

Gegen das Aufwachen hilft mir das Stabilisieren. Sobald die Verwandlung läuft, lenke ich meine Aufmerksamkeit bewusst auf die Sinne. Ich spüre den Boden unter den neuen Pfoten, ich nehme die Geräusche um mich wahr, ich schaue mir Details der Umgebung an. Diese sinnlichen Eindrücke verankern dich im Traum und halten dich drin. Wenn dir das Thema neu ist, lies dazu unbedingt meinen Artikel über das Traum stabilisieren, denn diese Technik ist die Lebensversicherung für jeden starken Traummoment, das Verwandeln eingeschlossen.

Es hilft auch, die Verwandlung nicht zu hastig zu machen. Am Anfang wollte ich immer sofort das ganze Ergebnis und bin gerade deshalb aufgewacht. Heute lasse ich mir Zeit. Ich schaue zu, wie die Hände zu Pfoten werden, atme innerlich durch, und gehe erst dann den nächsten Schritt. Langsam und ruhig hält dich besser im Traum als ein hektisches Umschalten.

Ein verwandter Trick kommt vom Ändern der Körpergrösse, das mit dem Verwandeln eng zusammenhängt. Grösser oder kleiner zu werden ist im Grunde eine Verwandlung, bei der nur das Mass sich ändert, und es trainiert genau das Gefühl, das du auch hier brauchst, nämlich die ruhige Erwartung, dass dein Körper sich umformen darf. Wer das Verwandeln üben will, ohne gleich zum Tier zu springen, kann gut beim Grösse verändern im Traum anfangen. Das ist die sanftere Übung und ein guter Aufwärmer für die grösseren Verwandlungen.

Und falls du trotz allem aufwachst, mach dir keinen Kopf. Mir passiert das bis heute. Bei mir bleibe ich morgens selten lange luzid, oft nur ein paar Minuten, und dann kippe ich nach dem Aufwachen einfach wieder rein. Genau das kannst du nutzen. Wenn dich eine Verwandlung aus dem Traum geworfen hat, bleib ruhig liegen, beweg dich kaum und gleite zurück. Oft bekommst du gleich den nächsten Versuch geschenkt.

Zum Schluss

Sich im Traum zu verwandeln ist eine der erstaunlichsten Sachen, die dein eigener Kopf hergibt. Ein neues Gesicht, ein fremder Körper, vier Pfoten statt zwei Füsse, alles liegt in deiner Reichweite, sobald du verstanden hast, dass dein Körper im Traum reine Vorstellung ist. Der Schlüssel bleibt immer derselbe, den du schon vom Fliegen und von allem anderen kennst. Erwarte die Veränderung, als wäre sie längst geschehen, und lass den Zweifel draussen.

Fang ruhig an. Nimm dir das Gesicht im Spiegel vor, weil Gesichter sowieso zerfliessen und dir damit auf halbem Weg entgegenkommen. Übe an den Händen. Spiel mit der Grösse, bevor du dich an die grosse Verwandlung wagst. Und kümmere dich um die Stabilität, sobald es intensiv wird, damit dich der Moment nicht gleich wieder ausspuckt. Mit jedem Versuch sitzt dein Traumglaube ein Stück fester, und irgendwann formst du dein Gesicht im Spiegel so beiläufig um, wie du im Wachen die Frisur richtest.

Wenn du noch mehr aus deiner Traumwelt herausholen willst, schau dich im Überblick zur Traumkontrolle um. Dort findest du alle Werkzeuge, mit denen du deinen Traum zu deinem eigenen Spielplatz machst. Das Verwandeln ist nur eines davon, aber es ist eines der Werkzeuge, das dir am deutlichsten zeigt, wie viel Macht du in deinem eigenen Kopf wirklich hast.