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Das Erste, was fast immer passiert, überrascht dich vermutlich. Du merkst, dass du träumst, und vor lauter Aufregung wachst du sofort wieder auf. Das ist mir beim ersten Klartraum passiert. Es passiert mir heute noch, nach über 15 Jahren. Ob erster oder hundertster Klartraum, das macht keinen Unterschied. Es nervt mich jedes Mal aufs Neue.

Lass dich davon nicht entmutigen. Es kommen mehr, das verspreche ich dir. Dieser kurze Moment der Klarheit, der dich gleich wieder rauskatapultiert, ist ein echter Anfang. Mit der Zeit lernst du, in diesem Moment ruhig zu bleiben. Dann beginnt der eigentliche Spass. Genau darum geht es in diesem ganzen Bereich. Du bist drin, und jetzt willst du wissen, was du mit diesem Ort anfangen kannst.

Ich erinnere mich noch gut an die ersten Wochen damals. Ich war so wild darauf, dass ich vor lauter Vorfreude kaum schlafen konnte. Das war eher hinderlich. Heute weiss ich, dass Geduld die halbe Miete ist. Genau diese Geduld will ich dir hier mitgeben, zusammen mit den paar Dingen, die bei mir wirklich funktioniert haben.

Warum dich die Aufregung sofort rauswirft

Stell dir vor, du läufst durch eine Traumszene und machst einen Realitätscheck. Auf einmal fällt der Groschen. Du träumst. In diesem Augenblick schiesst dir die Freude durch den Kopf, dein Herz macht einen Sprung, und schwupp, liegst du wieder wach im Bett. Das ist der Klassiker. Fast jeder lernt ihn am eigenen Leib.

Der Grund dahinter ist einfach. Zu starke Emotionen reissen dich aus dem Traum. Dein Geist wird in dem Moment zu wach, und der dünne Faden, der dich im Traum hält, reisst. Es ist ein bisschen wie beim WILD, wo schon eine kleine Bewegung dich zurück ins Wachsein holt. Aufregung wirkt ähnlich.

Was hilft, ist Übung und ein einfacher Trick. Sobald dir klar wird, dass du träumst, bleib ruhig stehen. Atme durch. Reib deine Hände aneinander oder fass den Boden an. Diese kleine Geste verankert dich in der Szene. Sie gibt deinem Kopf etwas zu tun, damit er sich nicht in der Freude verliert. Mit der Zeit wirst du gelassener, und die Klarträume werden länger.

Es gibt noch eine zweite Methode, die mir oft hilft. Wenn ich spüre, dass der Traum zu kippen droht, drehe ich mich im Traum schnell um die eigene Achse. Diese Drehung beschäftigt deine Sinne und stabilisiert die Szene erstaunlich gut. Manchmal lande ich danach an einem anderen Ort, was völlig in Ordnung ist. Hauptsache, ich bleibe im Traum und behalte die Klarheit.

Trotzdem wirst du immer wieder mal rausfliegen, und das gehört dazu. Selbst ich erwische mich noch dabei. Sieh es als Teil des Spiels. Am Morgen kannst du oft direkt wieder reindriften und es ein zweites Mal versuchen. Verlieren kannst du dabei nichts. Jeder Versuch trainiert deinen Kopf für den nächsten.

Das Kernprinzip: dein Glaube ist alles

Wenn du nur eine Sache aus diesem ganzen Bereich mitnimmst, dann diese. Alles im Traum hängt davon ab, was du glaubst. Deine Überzeugung ist deine Macht. Es ist wie bei den Hellsehern in den Filmen, deren Kraft so stark ist wie ihr fester Glaube an sich selbst. Im Traum ist es haargenau dasselbe.

Ich gebe dir ein Beispiel. Du willst fliegen, aber tief in dir zweifelst du, ob du das kannst. Dann wirst du nie abheben. Der Zweifel gewinnt jedes Mal. Es reicht nicht, dass du fliegen möchtest. Du musst es wissen, ganz ohne Restzweifel, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Genau das ist der schwierige Teil.

Bei mir kam das Fliegen leicht. Ich weiss bis heute nicht genau, warum. Ich hatte von Anfang an null Zweifel daran, dass ich abheben kann, und so war es dann auch. Andere Dinge fielen mir deutlich schwerer. Menschen zu erschaffen klappt bei mir bis heute nur halb, weil mein Glaube daran wackelig ist. Das Bild fällt mir immer wieder zusammen.

Einen echten Abkürzungstrick habe ich dafür keinen. Es läuft auf Übung hinaus, immer und immer wieder. Je öfter du etwas im Traum schaffst, desto fester wird dein Glaube daran. Desto leichter geht es beim nächsten Mal. Das ist eine schöne Aufwärtsspirale, sobald sie einmal in Gang kommt.

Ich glaube, dass dieser Punkt auch der Grund ist, warum manche Leute schneller vorankommen als andere. Es hat wenig mit Talent zu tun. Es hat damit zu tun, wie leicht jemand seine eigenen Zweifel beiseiteschiebt. Kinder können das oft besser als Erwachsene, weil sie weniger feste Vorstellungen davon haben, was unmöglich ist. Im Traum bist du wieder ein Stück weit dieses Kind, das einfach glaubt.

Visualisierung im Wachen hilft

Ein Werkzeug gibt es, das den Glauben spürbar stärkt. Du kannst im Wachen vorarbeiten. Stell dir tagsüber lebhaft vor, wie du die Sache tust, die du dir vorgenommen hast. Beim Fliegen heisst das, den Wind auf der Haut zu spüren, das Ziehen im Bauch beim Beschleunigen, den Boden, der unter dir wegsackt. Mal es dir so genau aus, wie du nur kannst.

Je öfter du das im Wachen durchspielst, desto vertrauter wird es deinem Gehirn. Und was vertraut ist, glaubst du leichter. Im Traum fühlt es sich dann schon fast wie eine Wiederholung an. Diese kleine Vorarbeit kostet dich nichts und bringt erstaunlich viel.

Ich mache das gern abends im Bett, kurz vor dem Einschlafen. In diesem schläfrigen Zustand sind die Bilder besonders kräftig, und sie wandern leichter mit in den Traum. Du kannst es aber auch tagsüber tun, etwa im Zug oder beim Spazieren. Wichtig ist, dass du es regelmässig machst, damit dein Kopf die Bewegung als etwas Normales abspeichert.

Dein Unterbewusstsein versteht kein Nein

Das ist eine meiner nützlichsten Entdeckungen, und ich wünschte, ich hätte sie früher gemacht. Dein Unterbewusstsein ignoriert das Wort Nein. Es überhört jede Verneinung und hört nur den Kern deiner Gedanken. Das hat im Traum handfeste Folgen.

Stell dir vor, ein Monster jagt dich. Du versteckst dich und denkst voller Panik: Bitte lass es mich nicht finden. Was dein Unterbewusstsein daraus macht, ist schlicht: lass es mich finden. Und prompt findet es dich. Das passiert zuverlässig, jedes Mal. Ich habe das oft genug erlebt, um daraus eine feste Regel zu machen.

Seit ich das weiss, denke ich im Traum nur noch im Positiven. Ich denke: Es geht gleich an mir vorbei. Und es geht an mir vorbei. Das hat bei mir noch nie versagt. Diese kleine Umstellung im Kopf ist verblüffend mächtig, gerade wenn es brenzlig wird.

Du kannst dir das wie eine Faustregel für alles im Traum merken. Formulier deine Wünsche immer als das, was du willst. Willst du eine Tür öffnen, denk an die offene Tür. Willst du sicher landen, stell dir die sanfte Landung vor. Dein Unterbewusstsein nimmt dich beim Wort, also gib ihm gute Worte.

Diese Regel gilt übrigens auch im Wachleben, wenn du genau hinschaust. Wer sich ständig einredet, etwas bloss nicht zu vergeigen, denkt die ganze Zeit ans Vergeigen. Im Traum ist der Effekt nur viel direkter und sofort sichtbar. Das macht den Klartraum zu einem guten Übungsplatz für eine positive Denkweise, die dir auch tagsüber etwas bringt.

Genau das ist ein Grund, warum Albträume zu einem Geschenk werden können. Wenn du gelernt hast, im Positiven zu denken, verlierst du die Angst vor dem, was dich im Traum jagt. Du drehst den Spiess um und übernimmst die Kontrolle.

Setz dir ein Ziel, bevor du schläfst

Hier kommt ein praktischer Tipp, der den Unterschied macht. Es ist überraschend schwer, sich im Traum an die Vorsätze zu erinnern, die du im Wachen gefasst hast. Du bist endlich luzid, stehst in deiner Szene und hast plötzlich keinen Plan, was du eigentlich machen wolltest. Das ist verschenkte Zeit, und Zeit ist im Klartraum knapp.

Deshalb mein Rat: Geh mit genau einem Ziel ins Bett. Eines reicht völlig für den Anfang. Sag dir vor dem Einschlafen klar, was du im nächsten Klartraum tun willst. Wenn du fortgeschrittener bist, kannst du das auf zwei oder drei Ziele ausweiten. Am Anfang ist eines genug.

Für Anfänger empfehle ich ein Fortbewegungsmittel als erstes Ziel. Nimm dir vor, im Traum zu fliegen. Das ist konkret, es ist machbar, und es ist ein riesiger Spass. So ein klares, einfaches Ziel gibt dir im Moment der Luzidität sofort etwas zu tun. Es hält dich obendrein länger im Traum, weil dein Kopf beschäftigt bleibt.

Diese Idee, mit einer festen Absicht ins Bett zu gehen, kennst du vielleicht schon aus dem Bereich der Techniken. Dort hilft sie dir, überhaupt luzid zu werden. Hier hilft sie dir, deine Luzidität sinnvoll zu nutzen, sobald du drin bist. Es ist dieselbe simple Gewohnheit, die zweimal ihren Dienst tut.

Ein kleiner Zusatz aus eigener Erfahrung: Sprich dein Ziel laut aus, bevor du das Licht löschst. Das klingt albern, aber es verankert die Absicht spürbar besser, als wenn du sie nur denkst. Ich sage mir oft schlicht den Satz vor, dass ich heute Nacht fliegen werde. Mein Kopf nimmt das ernst und legt sich die Sache zurecht.

Womit du anfangen solltest

Wenn du ganz frisch dabei bist, halte es einfach. Versuch nicht, beim ersten Mal die Welt umzubauen oder dir ein ganzes Personal aus dem Nichts zu erschaffen. Das frustriert nur, weil dein Glaube noch nicht stark genug ist. Fang mit etwas an, das fast von allein klappt.

Das Fliegen ist mein klarer Favorit für den Einstieg. Es macht unfassbar viel Spass, es ist schnell, und bei den meisten kommt es vergleichsweise leicht. Sobald du einmal abgehoben bist, hast du dein erstes echtes Erfolgserlebnis. Dieser Erfolg füttert deinen Glauben für alles, was danach kommt. Alles zum Fliegen und zu anderen Fortbewegungsarten findest du in einem eigenen Artikel, samt der Tricks mit Türen und dem Umdrehen, um an neue Orte zu kommen.

Erst danach würde ich mich an das Erschaffen wagen. Dinge aus dem Nichts auftauchen zu lassen ist ein eigenes Handwerk mit ein paar verlässlichen Kniffen. Mein bester Trick: Greif dorthin, wo du nicht hinsiehst, und erwarte fest, dass der Gegenstand schon da ist. In die Hosentasche, hinter den Rücken, unter eine Bettkante. Wie das genau geht und warum es so gut funktioniert, habe ich beim Dinge erschaffen aufgeschrieben.

Wenn dir das Fliegen anfangs nicht gelingt, probier eine sanftere Variante. Manche heben leichter ab, wenn sie sich vorstellen, an einem Seil nach oben gezogen zu werden. Andere stellen sich Superman vor und springen einfach los. Such dir das Bild, das sich für dich am natürlichsten anfühlt. Es gibt keinen richtigen Weg, es gibt nur den Weg, an den du glaubst.

Ein Wort zu den heikleren Themen

Im Klartraum kannst du wirklich alles machen, und das wirft schnell Fragen auf. Zwei davon kommen besonders oft, also gehe ich kurz darauf ein.

Das eine ist Sex. Das probieren viele neue luzide Träumer als Erstes aus, und das ist völlig in Ordnung. Es funktioniert wie im echten Leben, mit kaum einer Grenze. Meine eigene Einschränkung ist, dass ich oft vor lauter Aufregung zu früh aufwache, was uns wieder zum Anfang dieses Artikels bringt. Mehr dazu, offen und ohne Gehabe, steht beim Sex im Klartraum.

Das andere sind die Traumfiguren. Manche behaupten, du müsstest sie gut behandeln, sonst würden sie zornig. Meine Haltung dazu ist nüchtern. Keine von ihnen ist echt, es ist alles deine eigene Vorstellung. Trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken, was das für dich bedeutet, und genau das tue ich im Artikel über Traumfiguren und Ethik. Da gilt wieder das Kernprinzip. Wenn du glaubst, dass sie zornig werden, dann werden sie es für dich auch. Dein Glaube formt deine Traumwelt, im Guten wie im Heiklen.

Albträume sind ein versteckter Gewinn

Ich will dir noch einen Grund nennen, warum sich der Aufwand lohnt, gerade wenn du unter Albträumen leidest. Jedes Mal, wenn ich einen Albtraum habe, werde ich fast automatisch luzid. Der Schrecken ist so gross, dass mein Kopf stutzt, und schon weiss ich, dass ich träume. Ab da kann ich aufwachen oder einfach davonfliegen. Ich freue mich inzwischen sogar über Albträume, weil sie ein kostenloser Auslöser für Klarheit sind.

Und das ist keine reine Spinnerei von mir. Die Forschung sieht das ähnlich. In einer systematischen Übersicht fanden zehn von elf Studien einen positiven Effekt, wenn man luzides Träumen gezielt gegen Albträume einsetzt. Die Häufigkeit der Albträume ging dabei teils um bis zu die Hälfte zurück, und das oft schon nach wenigen Sitzungen mit lang anhaltender Wirkung. Spannend ist, dass selbst Menschen profitierten, die gar nicht voll luzid wurden. Allein das Gefühl, den eigenen Träumen weniger ausgeliefert zu sein, half schon.

Die Studienlage ist nicht riesig und beruht oft auf kleinen Fallzahlen. Das gehört zur Wahrheit dazu, und ich will dir keine feste Gewissheit verkaufen, die es so nicht gibt. Was ich sagen kann, ist, dass die Befunde erstaunlich gut zu dem passen, was ich seit Jahren selbst erlebe. Wie du diesen Mechanismus für dich nutzt, habe ich beim Thema Albträume nutzen ausführlich beschrieben.

Wenn du oft von denselben Schreckensbildern verfolgt wirst, kannst du dir sogar im Voraus eine Antwort zurechtlegen. Überleg dir am Tag, was du beim nächsten Mal tun willst, wenn die bekannte Figur auftaucht. Vielleicht willst du sie ansprechen, vielleicht willst du ihr den Rücken kehren und davonfliegen. Diese Vorbereitung wirkt, weil dein Kopf im Ernstfall nicht bei null anfangen muss.

Manage deine Erwartungen

Damit du nicht enttäuscht wirst, noch eine nüchterne Einordnung. Du wirst einen Klartraum nicht Sekunde für Sekunde erleben und behalten. Du erinnerst dich an Szenen, an Bilder, an Bruchstücke. Das kann sich erst mal mager anfühlen und ist doch ganz normal.

Denk an die letzte grosse Party oder an ein wichtiges Erlebnis. Auch das hast du nur in zwei, drei Szenen und ein paar Gesichtern im Kopf. Träume sind genauso. Und wenn du versuchst, dir ein Gesicht im Traum exakt zu merken, wirst du merken, dass es nicht stillhält. Dein Kopf baut es ständig neu zusammen, ein bisschen wie schmelzendes Eis, das immer wieder andere Formen annimmt.

Auch die Dauer hat ihre Grenzen, zumindest bei mir. Ich bleibe meist nur ein paar Minuten drin, dann wache ich auf oder gleite zurück in einen normalen Traum. Manche behaupten, sie würden Träume auf gefühlte Stunden oder gar Jahre strecken. Ich kann das weder bestätigen noch ausschliessen. Vielleicht braucht es eine Hingabe, die ich nie aufgebracht habe. Wenn du den Dreh findest, sag mir Bescheid.

Lass dich von diesen Grenzen nicht runterziehen. Ein paar Minuten bewusste Zeit in deiner eigenen Traumwelt sind mehr wert als eine ganze Nacht ohne jede Erinnerung. Mit der Zeit wirst du diese Minuten auch besser nutzen, weil du weniger Zeit mit Staunen verlierst und schneller ins Handeln kommst. Qualität schlägt hier die Dauer.

Dein Fahrplan für den ersten Klartraum

Zum Schluss das Wichtigste in Kurzform, damit du im entscheidenden Moment weisst, was zu tun ist.

  1. Bleib ruhig, sobald du luzid wirst. Reib deine Hände aneinander oder fass den Boden an, damit die Freude dich nicht rauswirft.
  2. Glaub fest an das, was du tun willst. Deine Überzeugung entscheidet, ob es klappt. Übung baut diesen Glauben auf.
  3. Visualisier dein Ziel schon im Wachen. Was vertraut ist, glaubst du im Traum leichter.
  4. Denk immer im Positiven. Dein Unterbewusstsein versteht kein Nein, also formulier alles als das, was du willst.
  5. Geh mit genau einem Ziel ins Bett. Für den Anfang ist Fliegen die beste Wahl.
  6. Mach vor riskanten Aktionen einen Realitätscheck. Sicher ist sicher.

Mehr brauchst du für den Start nicht. Du bist jetzt der Chef in deinem eigenen Universum, und das ist ein verrückt gutes Gefühl. Lass dir Zeit, bleib geduldig, und freu dich auf jeden einzelnen Klartraum, auch auf die, aus denen du vor lauter Aufregung gleich wieder rausfliegst. Davon kommen noch viele.

Spiegel im Klartraum: was passiert und wie du ihn nutzt

Ich erinnere mich an einen Traum, in dem ich in einem alten Badezimmer stand, das es so nie gegeben hat. An der Wand hing ein Spiegel mit einem fleckigen Rand, und ich war gerade luzid geworden, also ging ich neugierig näher. Ich wollte mich einfach mal selbst sehen. Was dann passierte, hat mich trotz fünfzehn Jahren Erfahrung kurz aus der Fassung gebracht. Mein Gesicht im Spiegel war zuerst meins, dann begann es zu wandern. Die Augen rutschten ein Stück, die Nase wurde länger, die Wangen flossen weg wie schmelzendes Eis und setzten sich neu zusammen. Es war kein einziges Gesicht, es waren zehn, alle übereinandergeschoben. Ich blieb erstaunlich ruhig, weil ich wusste, dass es nur ein Spiegel im Traum war, und schaute einfach zu, wie sich das Ganze immer wieder neu baute. Erst als ich anfing, mir Sorgen zu machen, ob das nun gruselig sei, wurde es tatsächlich unangenehm. Da drehte ich mich weg und flog aus dem Fenster.

Wetter, Tageszeit und Atmosphäre im Traum steuern

Ich stand in einer grauen Strasse, und es schüttete. Der Himmel hing tief und schwer über den Dächern, der Regen lief mir kalt den Nacken hinunter, und die ganze Szene roch nach nassem Asphalt und schlechter Laune. Es war einer dieser Träume, die sich von Anfang an düster anfühlen, und ich merkte, wie diese Schwere auf mich übergriff. Ich wurde langsam, fast träge. Dann fiel mir ein, dass ich luzid war und dass das mein Traum ist, also auch mein Wetter. Ich hob einfach den Blick zu den Wolken und sagte mir, ganz ruhig, dass sie gleich aufreissen. Kein Befehl, kein Drücken, nur diese eine sichere Erwartung. Ein paar Sekunden später schob sich ein heller Riss durch das Grau, dann wurde er breiter, und plötzlich stand ich in einem warmen, goldenen Nachmittag. Die Strasse dampfte ein bisschen, weil der nasse Boden in der Sonne trocknete, und meine ganze Stimmung kippte mit. Aus dem trägen, gedrückten Gefühl wurde Leichtigkeit, fast schon Übermut.

Traum stabilisieren: so bleibst du länger luzid

Vor ein paar Wochen hatte ich einen dieser Morgen, wegen denen ich das alles überhaupt mache. Ich war schon einmal wach gewesen, hatte kurz auf die Uhr geschaut und war dann gleich wieder weggedämmert. Auf einmal stand ich barfuss auf einer Wiese, der Himmel war viel zu blau, und mir wurde sofort klar: das ist ein Traum, ich bin luzid. Das Erste, was kam, war pure Freude. Ich dachte, jetzt flieg ich, ich hab den ganzen Morgen Zeit, das wird grossartig. Genau dieser Gedanke war mein Fehler. Vor lauter Aufregung fing ich innerlich an zu jubeln, der Puls ging hoch, und drei Sekunden später lag ich wieder im Bett und starrte an die Decke. Der ganze schöne Traum war weg, einfach so. Nach über 15 Jahren passiert mir das immer noch. Es ärgert mich jedes Mal, besonders an einem so klaren Morgen.

Realitätschecks im Traum: nicht nur zum Luzidwerden

Vor ein paar Wochen war ich mitten in einem Traum, der mir unter den Füssen wegzurutschen drohte. Ich war luzid geworden, war über die Dächer einer fremden Stadt geflogen, und dann fing alles an zu flackern. Die Farben wurden blass, die Häuser unter mir verschwammen, und ich spürte dieses bekannte Ziehen, das ich nach fünfzehn Jahren sofort erkenne: gleich kippe ich raus. Statt in Panik zu geraten, hielt ich mir im Flug die Nase zu und versuchte zu atmen. Und die Luft strömte. Durch zugehaltene Nasenlöcher, klar und deutlich. In dem Moment passierte etwas Schönes. Der Traum wurde nicht schwächer, er wurde stärker. Die Stadt unter mir wurde wieder scharf, die Farben kamen zurück, und ich konnte weiterfliegen, als wäre nichts gewesen. Der Realitätscheck hatte mir nicht nur bestätigt, dass ich träume. Er hatte den ganzen Traum wieder festgezurrt.

Ängste im Klartraum konfrontieren

Vor ein paar Wochen jagte mich wieder dieses Ding durch eine viel zu enge Gasse. Dunkle Gestalt, kein Gesicht, immer einen Schritt hinter mir. Mein Herz raste, ich rannte, bis mir die Beine wegsackten. Und dann passierte, was mir bei Albträumen fast immer passiert. Es machte klick. Ich war luzid. In dem Moment, in dem ich merkte, dass ich träume, fiel die ganze Panik von mir ab wie ein nasser Mantel. Ich blieb stehen. Ich drehte mich um. Statt weiterzurennen schaute ich das Ding zum ersten Mal richtig an. Es kam näher, langsamer jetzt, fast zögerlich, als hätte es nicht damit gerechnet. Und ich dachte ganz ruhig, komm her, ich will sehen, wer du bist. Sein Gesicht zerfloss und formte sich neu, wie schmelzendes Eis, und je länger ich hinsah, desto kleiner wurde es. Am Ende stand da nur noch etwas Verwaschenes, das gar nicht mehr bedrohlich wirkte. Ich war fast ein bisschen enttäuscht.

Sinne im Traum schärfen: intensiver wahrnehmen

Ich stand in einer kleinen Bar, die ich nicht selbst herbeigewünscht hatte. Genau die mag ich am liebsten, die Orte, die einfach so auftauchen, ohne dass ich sie geplant habe. Auf dem Tresen lag eine Schale mit Obst, und das meiste davon hatte ich noch nie gesehen. Eine Frucht sah aus wie eine Mischung aus Feige und Granatapfel, dunkelviolett und schwer. Ich nahm sie, biss hinein und blieb fast stehen vor Staunen. Der Geschmack war nicht einfach süss. Er war süss und gleichzeitig leicht salzig, dann kam etwas Blumiges nach, das ich wach mit nichts vergleichen kann. Ich nahm den nächsten Bissen, und es wurde stärker. Beim dritten war es so intensiv, dass ich kurz lachen musste, mitten im Traum. Jeder Bissen schmeckte seltsamer und voller als der davor. Ich blieb in dieser Bar, bis ich morgens aufwachte, und probierte mich durch die ganze Schale.

Verbale Befehle an den Traum geben

Ich war in einem dieser flauen Träume. Luzid, ja, aber alles war grau und matt, die Szene wirkte wie ein Foto, das jemand zu lange im Wasser liegen liess. Solche Träume kenne ich, sie kippen schnell weg, und ich war kurz davor, einfach aufzuwachen. Statt das hinzunehmen, habe ich etwas probiert, das ich vorher nur halbherzig versucht hatte. Ich habe laut, richtig laut, in den Traum hineingerufen: “Mehr Klarheit!” Und die Szene zog sofort an. Die Farben kamen, die Konturen wurden scharf, ich spürte plötzlich den Boden unter den Füssen, als hätte jemand am Regler gedreht. Das hat mich umgehauen.

Eine bestimmte Person im Traum herbeirufen

Ich stand in einem Klartraum in einer leeren Bahnhofshalle und wollte jemanden treffen, eine ganz bestimmte Person. Also machte ich es so, wie es naheliegt. Ich starrte auf den Boden vor mir und wollte sie mir dorthin wünschen, fest, mit aller Kraft. Es flackerte kurz etwas auf, eine Gestalt, halb da, dann zerfloss das Bild und war weg. Der ganze Traum wackelte sogar ein bisschen mit. Ich kenne das inzwischen, das passiert mir jedes Mal, wenn ich eine Person direkt herzaubern will. Also liess ich es. Ich drehte mich um und ging einfach Richtung Ausgang, durch eine Tür, und sagte mir nur eines, ganz beiläufig: gleich kommt sie um die Ecke. Keine Anstrengung, kein Starren, nur diese ruhige Erwartung. Und tatsächlich, ich bog um den Pfeiler, und da kam sie mir entgegen. Sie sah nicht ganz richtig aus, das Gesicht stimmte nicht so recht, irgendwie zu glatt und gleichzeitig fremd. Aber sie war da, und sie blieb da. Das ist nach fünfzehn Jahren mein wichtigster Lernsatz zu diesem Thema.