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Das Erste, was fast immer passiert, überrascht dich vermutlich. Du merkst, dass du träumst, und vor lauter Aufregung wachst du sofort wieder auf. Das ist mir beim ersten Klartraum passiert. Es passiert mir heute noch, nach über 15 Jahren. Ob erster oder hundertster Klartraum, das macht keinen Unterschied. Es nervt mich jedes Mal aufs Neue.

Lass dich davon nicht entmutigen. Es kommen mehr, das verspreche ich dir. Dieser kurze Moment der Klarheit, der dich gleich wieder rauskatapultiert, ist ein echter Anfang. Mit der Zeit lernst du, in diesem Moment ruhig zu bleiben. Dann beginnt der eigentliche Spass. Genau darum geht es in diesem ganzen Bereich. Du bist drin, und jetzt willst du wissen, was du mit diesem Ort anfangen kannst.

Ich erinnere mich noch gut an die ersten Wochen damals. Ich war so wild darauf, dass ich vor lauter Vorfreude kaum schlafen konnte. Das war eher hinderlich. Heute weiss ich, dass Geduld die halbe Miete ist. Genau diese Geduld will ich dir hier mitgeben, zusammen mit den paar Dingen, die bei mir wirklich funktioniert haben.

Warum dich die Aufregung sofort rauswirft

Stell dir vor, du läufst durch eine Traumszene und machst einen Realitätscheck. Auf einmal fällt der Groschen. Du träumst. In diesem Augenblick schiesst dir die Freude durch den Kopf, dein Herz macht einen Sprung, und schwupp, liegst du wieder wach im Bett. Das ist der Klassiker. Fast jeder lernt ihn am eigenen Leib.

Der Grund dahinter ist einfach. Zu starke Emotionen reissen dich aus dem Traum. Dein Geist wird in dem Moment zu wach, und der dünne Faden, der dich im Traum hält, reisst. Es ist ein bisschen wie beim WILD, wo schon eine kleine Bewegung dich zurück ins Wachsein holt. Aufregung wirkt ähnlich.

Was hilft, ist Übung und ein einfacher Trick. Sobald dir klar wird, dass du träumst, bleib ruhig stehen. Atme durch. Reib deine Hände aneinander oder fass den Boden an. Diese kleine Geste verankert dich in der Szene. Sie gibt deinem Kopf etwas zu tun, damit er sich nicht in der Freude verliert. Mit der Zeit wirst du gelassener, und die Klarträume werden länger.

Es gibt noch eine zweite Methode, die mir oft hilft. Wenn ich spüre, dass der Traum zu kippen droht, drehe ich mich im Traum schnell um die eigene Achse. Diese Drehung beschäftigt deine Sinne und stabilisiert die Szene erstaunlich gut. Manchmal lande ich danach an einem anderen Ort, was völlig in Ordnung ist. Hauptsache, ich bleibe im Traum und behalte die Klarheit.

Trotzdem wirst du immer wieder mal rausfliegen, und das gehört dazu. Selbst ich erwische mich noch dabei. Sieh es als Teil des Spiels. Am Morgen kannst du oft direkt wieder reindriften und es ein zweites Mal versuchen. Verlieren kannst du dabei nichts. Jeder Versuch trainiert deinen Kopf für den nächsten.

Das Kernprinzip: dein Glaube ist alles

Wenn du nur eine Sache aus diesem ganzen Bereich mitnimmst, dann diese. Alles im Traum hängt davon ab, was du glaubst. Deine Überzeugung ist deine Macht. Es ist wie bei den Hellsehern in den Filmen, deren Kraft so stark ist wie ihr fester Glaube an sich selbst. Im Traum ist es haargenau dasselbe.

Ich gebe dir ein Beispiel. Du willst fliegen, aber tief in dir zweifelst du, ob du das kannst. Dann wirst du nie abheben. Der Zweifel gewinnt jedes Mal. Es reicht nicht, dass du fliegen möchtest. Du musst es wissen, ganz ohne Restzweifel, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Genau das ist der schwierige Teil.

Bei mir kam das Fliegen leicht. Ich weiss bis heute nicht genau, warum. Ich hatte von Anfang an null Zweifel daran, dass ich abheben kann, und so war es dann auch. Andere Dinge fielen mir deutlich schwerer. Menschen zu erschaffen klappt bei mir bis heute nur halb, weil mein Glaube daran wackelig ist. Das Bild fällt mir immer wieder zusammen.

Einen echten Abkürzungstrick habe ich dafür keinen. Es läuft auf Übung hinaus, immer und immer wieder. Je öfter du etwas im Traum schaffst, desto fester wird dein Glaube daran. Desto leichter geht es beim nächsten Mal. Das ist eine schöne Aufwärtsspirale, sobald sie einmal in Gang kommt.

Ich glaube, dass dieser Punkt auch der Grund ist, warum manche Leute schneller vorankommen als andere. Es hat wenig mit Talent zu tun. Es hat damit zu tun, wie leicht jemand seine eigenen Zweifel beiseiteschiebt. Kinder können das oft besser als Erwachsene, weil sie weniger feste Vorstellungen davon haben, was unmöglich ist. Im Traum bist du wieder ein Stück weit dieses Kind, das einfach glaubt.

Visualisierung im Wachen hilft

Ein Werkzeug gibt es, das den Glauben spürbar stärkt. Du kannst im Wachen vorarbeiten. Stell dir tagsüber lebhaft vor, wie du die Sache tust, die du dir vorgenommen hast. Beim Fliegen heisst das, den Wind auf der Haut zu spüren, das Ziehen im Bauch beim Beschleunigen, den Boden, der unter dir wegsackt. Mal es dir so genau aus, wie du nur kannst.

Je öfter du das im Wachen durchspielst, desto vertrauter wird es deinem Gehirn. Und was vertraut ist, glaubst du leichter. Im Traum fühlt es sich dann schon fast wie eine Wiederholung an. Diese kleine Vorarbeit kostet dich nichts und bringt erstaunlich viel.

Ich mache das gern abends im Bett, kurz vor dem Einschlafen. In diesem schläfrigen Zustand sind die Bilder besonders kräftig, und sie wandern leichter mit in den Traum. Du kannst es aber auch tagsüber tun, etwa im Zug oder beim Spazieren. Wichtig ist, dass du es regelmässig machst, damit dein Kopf die Bewegung als etwas Normales abspeichert.

Dein Unterbewusstsein versteht kein Nein

Das ist eine meiner nützlichsten Entdeckungen, und ich wünschte, ich hätte sie früher gemacht. Dein Unterbewusstsein ignoriert das Wort Nein. Es überhört jede Verneinung und hört nur den Kern deiner Gedanken. Das hat im Traum handfeste Folgen.

Stell dir vor, ein Monster jagt dich. Du versteckst dich und denkst voller Panik: Bitte lass es mich nicht finden. Was dein Unterbewusstsein daraus macht, ist schlicht: lass es mich finden. Und prompt findet es dich. Das passiert zuverlässig, jedes Mal. Ich habe das oft genug erlebt, um daraus eine feste Regel zu machen.

Seit ich das weiss, denke ich im Traum nur noch im Positiven. Ich denke: Es geht gleich an mir vorbei. Und es geht an mir vorbei. Das hat bei mir noch nie versagt. Diese kleine Umstellung im Kopf ist verblüffend mächtig, gerade wenn es brenzlig wird.

Du kannst dir das wie eine Faustregel für alles im Traum merken. Formulier deine Wünsche immer als das, was du willst. Willst du eine Tür öffnen, denk an die offene Tür. Willst du sicher landen, stell dir die sanfte Landung vor. Dein Unterbewusstsein nimmt dich beim Wort, also gib ihm gute Worte.

Diese Regel gilt übrigens auch im Wachleben, wenn du genau hinschaust. Wer sich ständig einredet, etwas bloss nicht zu vergeigen, denkt die ganze Zeit ans Vergeigen. Im Traum ist der Effekt nur viel direkter und sofort sichtbar. Das macht den Klartraum zu einem guten Übungsplatz für eine positive Denkweise, die dir auch tagsüber etwas bringt.

Genau das ist ein Grund, warum Albträume zu einem Geschenk werden können. Wenn du gelernt hast, im Positiven zu denken, verlierst du die Angst vor dem, was dich im Traum jagt. Du drehst den Spiess um und übernimmst die Kontrolle.

Setz dir ein Ziel, bevor du schläfst

Hier kommt ein praktischer Tipp, der den Unterschied macht. Es ist überraschend schwer, sich im Traum an die Vorsätze zu erinnern, die du im Wachen gefasst hast. Du bist endlich luzid, stehst in deiner Szene und hast plötzlich keinen Plan, was du eigentlich machen wolltest. Das ist verschenkte Zeit, und Zeit ist im Klartraum knapp.

Deshalb mein Rat: Geh mit genau einem Ziel ins Bett. Eines reicht völlig für den Anfang. Sag dir vor dem Einschlafen klar, was du im nächsten Klartraum tun willst. Wenn du fortgeschrittener bist, kannst du das auf zwei oder drei Ziele ausweiten. Am Anfang ist eines genug.

Für Anfänger empfehle ich ein Fortbewegungsmittel als erstes Ziel. Nimm dir vor, im Traum zu fliegen. Das ist konkret, es ist machbar, und es ist ein riesiger Spass. So ein klares, einfaches Ziel gibt dir im Moment der Luzidität sofort etwas zu tun. Es hält dich obendrein länger im Traum, weil dein Kopf beschäftigt bleibt.

Diese Idee, mit einer festen Absicht ins Bett zu gehen, kennst du vielleicht schon aus dem Bereich der Techniken. Dort hilft sie dir, überhaupt luzid zu werden. Hier hilft sie dir, deine Luzidität sinnvoll zu nutzen, sobald du drin bist. Es ist dieselbe simple Gewohnheit, die zweimal ihren Dienst tut.

Ein kleiner Zusatz aus eigener Erfahrung: Sprich dein Ziel laut aus, bevor du das Licht löschst. Das klingt albern, aber es verankert die Absicht spürbar besser, als wenn du sie nur denkst. Ich sage mir oft schlicht den Satz vor, dass ich heute Nacht fliegen werde. Mein Kopf nimmt das ernst und legt sich die Sache zurecht.

Womit du anfangen solltest

Wenn du ganz frisch dabei bist, halte es einfach. Versuch nicht, beim ersten Mal die Welt umzubauen oder dir ein ganzes Personal aus dem Nichts zu erschaffen. Das frustriert nur, weil dein Glaube noch nicht stark genug ist. Fang mit etwas an, das fast von allein klappt.

Das Fliegen ist mein klarer Favorit für den Einstieg. Es macht unfassbar viel Spass, es ist schnell, und bei den meisten kommt es vergleichsweise leicht. Sobald du einmal abgehoben bist, hast du dein erstes echtes Erfolgserlebnis. Dieser Erfolg füttert deinen Glauben für alles, was danach kommt. Alles zum Fliegen und zu anderen Fortbewegungsarten findest du in einem eigenen Artikel, samt der Tricks mit Türen und dem Umdrehen, um an neue Orte zu kommen.

Erst danach würde ich mich an das Erschaffen wagen. Dinge aus dem Nichts auftauchen zu lassen ist ein eigenes Handwerk mit ein paar verlässlichen Kniffen. Mein bester Trick: Greif dorthin, wo du nicht hinsiehst, und erwarte fest, dass der Gegenstand schon da ist. In die Hosentasche, hinter den Rücken, unter eine Bettkante. Wie das genau geht und warum es so gut funktioniert, habe ich beim Dinge erschaffen aufgeschrieben.

Wenn dir das Fliegen anfangs nicht gelingt, probier eine sanftere Variante. Manche heben leichter ab, wenn sie sich vorstellen, an einem Seil nach oben gezogen zu werden. Andere stellen sich Superman vor und springen einfach los. Such dir das Bild, das sich für dich am natürlichsten anfühlt. Es gibt keinen richtigen Weg, es gibt nur den Weg, an den du glaubst.

Ein Wort zu den heikleren Themen

Im Klartraum kannst du wirklich alles machen, und das wirft schnell Fragen auf. Zwei davon kommen besonders oft, also gehe ich kurz darauf ein.

Das eine ist Sex. Das probieren viele neue luzide Träumer als Erstes aus, und das ist völlig in Ordnung. Es funktioniert wie im echten Leben, mit kaum einer Grenze. Meine eigene Einschränkung ist, dass ich oft vor lauter Aufregung zu früh aufwache, was uns wieder zum Anfang dieses Artikels bringt. Mehr dazu, offen und ohne Gehabe, steht beim Sex im Klartraum.

Das andere sind die Traumfiguren. Manche behaupten, du müsstest sie gut behandeln, sonst würden sie zornig. Meine Haltung dazu ist nüchtern. Keine von ihnen ist echt, es ist alles deine eigene Vorstellung. Trotzdem lohnt es sich, darüber nachzudenken, was das für dich bedeutet, und genau das tue ich im Artikel über Traumfiguren und Ethik. Da gilt wieder das Kernprinzip. Wenn du glaubst, dass sie zornig werden, dann werden sie es für dich auch. Dein Glaube formt deine Traumwelt, im Guten wie im Heiklen.

Albträume sind ein versteckter Gewinn

Ich will dir noch einen Grund nennen, warum sich der Aufwand lohnt, gerade wenn du unter Albträumen leidest. Jedes Mal, wenn ich einen Albtraum habe, werde ich fast automatisch luzid. Der Schrecken ist so gross, dass mein Kopf stutzt, und schon weiss ich, dass ich träume. Ab da kann ich aufwachen oder einfach davonfliegen. Ich freue mich inzwischen sogar über Albträume, weil sie ein kostenloser Auslöser für Klarheit sind.

Und das ist keine reine Spinnerei von mir. Die Forschung sieht das ähnlich. In einer systematischen Übersicht fanden zehn von elf Studien einen positiven Effekt, wenn man luzides Träumen gezielt gegen Albträume einsetzt. Die Häufigkeit der Albträume ging dabei teils um bis zu die Hälfte zurück, und das oft schon nach wenigen Sitzungen mit lang anhaltender Wirkung. Spannend ist, dass selbst Menschen profitierten, die gar nicht voll luzid wurden. Allein das Gefühl, den eigenen Träumen weniger ausgeliefert zu sein, half schon.

Die Studienlage ist nicht riesig und beruht oft auf kleinen Fallzahlen. Das gehört zur Wahrheit dazu, und ich will dir keine feste Gewissheit verkaufen, die es so nicht gibt. Was ich sagen kann, ist, dass die Befunde erstaunlich gut zu dem passen, was ich seit Jahren selbst erlebe. Wie du diesen Mechanismus für dich nutzt, habe ich beim Thema Albträume nutzen ausführlich beschrieben.

Wenn du oft von denselben Schreckensbildern verfolgt wirst, kannst du dir sogar im Voraus eine Antwort zurechtlegen. Überleg dir am Tag, was du beim nächsten Mal tun willst, wenn die bekannte Figur auftaucht. Vielleicht willst du sie ansprechen, vielleicht willst du ihr den Rücken kehren und davonfliegen. Diese Vorbereitung wirkt, weil dein Kopf im Ernstfall nicht bei null anfangen muss.

Manage deine Erwartungen

Damit du nicht enttäuscht wirst, noch eine nüchterne Einordnung. Du wirst einen Klartraum nicht Sekunde für Sekunde erleben und behalten. Du erinnerst dich an Szenen, an Bilder, an Bruchstücke. Das kann sich erst mal mager anfühlen und ist doch ganz normal.

Denk an die letzte grosse Party oder an ein wichtiges Erlebnis. Auch das hast du nur in zwei, drei Szenen und ein paar Gesichtern im Kopf. Träume sind genauso. Und wenn du versuchst, dir ein Gesicht im Traum exakt zu merken, wirst du merken, dass es nicht stillhält. Dein Kopf baut es ständig neu zusammen, ein bisschen wie schmelzendes Eis, das immer wieder andere Formen annimmt.

Auch die Dauer hat ihre Grenzen, zumindest bei mir. Ich bleibe meist nur ein paar Minuten drin, dann wache ich auf oder gleite zurück in einen normalen Traum. Manche behaupten, sie würden Träume auf gefühlte Stunden oder gar Jahre strecken. Ich kann das weder bestätigen noch ausschliessen. Vielleicht braucht es eine Hingabe, die ich nie aufgebracht habe. Wenn du den Dreh findest, sag mir Bescheid.

Lass dich von diesen Grenzen nicht runterziehen. Ein paar Minuten bewusste Zeit in deiner eigenen Traumwelt sind mehr wert als eine ganze Nacht ohne jede Erinnerung. Mit der Zeit wirst du diese Minuten auch besser nutzen, weil du weniger Zeit mit Staunen verlierst und schneller ins Handeln kommst. Qualität schlägt hier die Dauer.

Dein Fahrplan für den ersten Klartraum

Zum Schluss das Wichtigste in Kurzform, damit du im entscheidenden Moment weisst, was zu tun ist.

  1. Bleib ruhig, sobald du luzid wirst. Reib deine Hände aneinander oder fass den Boden an, damit die Freude dich nicht rauswirft.
  2. Glaub fest an das, was du tun willst. Deine Überzeugung entscheidet, ob es klappt. Übung baut diesen Glauben auf.
  3. Visualisier dein Ziel schon im Wachen. Was vertraut ist, glaubst du im Traum leichter.
  4. Denk immer im Positiven. Dein Unterbewusstsein versteht kein Nein, also formulier alles als das, was du willst.
  5. Geh mit genau einem Ziel ins Bett. Für den Anfang ist Fliegen die beste Wahl.
  6. Mach vor riskanten Aktionen einen Realitätscheck. Sicher ist sicher.

Mehr brauchst du für den Start nicht. Du bist jetzt der Chef in deinem eigenen Universum, und das ist ein verrückt gutes Gefühl. Lass dir Zeit, bleib geduldig, und freu dich auf jeden einzelnen Klartraum, auch auf die, aus denen du vor lauter Aufregung gleich wieder rausfliegst. Davon kommen noch viele.

Traum im Traum: die verschachtelte Ebene

Es war an einem dieser Morgen, an denen ich mehrmals kurz luzid werde und immer wieder zurückkippe. Ich wache auf, liege in meinem Bett, das Licht fällt schon durchs Fenster. Ich strecke mich, denke mir, schade, der Traum war schön, und stehe auf, um in die Küche zu gehen. Auf dem Weg dorthin schaue ich kurz auf die Uhr an der Wand. Die Zeiger stehen irgendwie schief, und als ich noch einmal hinsehe, springen die Zahlen weg und ergeben keinen Sinn mehr. In dem Moment merke ich, dass ich gar nicht wach bin. Ich war eben aus einem Traum in den nächsten aufgewacht. Also gut, denke ich, dann fliege ich eben kurz aus dem Fenster. Genau in dem Augenblick reisst es mich raus, und ich liege wieder im Bett, im echten Bett diesmal, vermeintlich. Kurz wusste ich überhaupt nicht mehr, auf welcher Ebene ich gerade bin. War das eben echt, war es ein Traum, und bin ich es jetzt? Dieser kurze Moment der völligen Orientierungslosigkeit kommt mir nach fünfzehn Jahren immer noch unter, und genau darum geht es hier.

Uhren und Zahlen im Traum: was wirklich passiert

Ich stand in einer alten Bahnhofshalle, von denen ich nicht weiss, ob es sie wirklich gibt. Über dem Gleis hing eine grosse, runde Uhr, so eine mit schwarzen Zeigern und römischen Ziffern. Ich schaute hoch und sie zeigte kurz nach drei. Dann liess ich den Blick über die Halle wandern, schaute mir die Leute an, deren Gesichter schon leicht zerflossen wie schmelzendes Eis, und blickte wieder zur Uhr. Jetzt war es plötzlich halb neun. Ich stutzte und dachte, ich hätte mich verguckt. Also schaute ich kurz weg, auf meine eigenen Hände, und dann ein drittes Mal hoch. Diesmal standen die Zeiger irgendwo, wo gar keine richtige Zeit war, ein wirres Durcheinander, dazu eine Ziffer am Rand, die einfach keine Zahl mehr war. In dem Moment fiel der Groschen. Eine Uhr verhält sich so nicht. Ich war luzid, und zwar genau wegen dieser Uhr. Ich grinste, drehte mich zur Hallenwand und flog durch sie hindurch nach draussen.

Die Zeit im Traum manipulieren: Zeitlupe und Zeitraffer

Ich erinnere mich an einen Klartraum, der sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlte. Ich stand auf einer Klippe, der Wind kam von vorne, und ich liess mich nach hinten fallen, um in den Flug zu kippen. Dieser eine Moment, das Kippen und das erste Abheben, zog sich für mich endlos in die Länge. Ich konnte jeden Luftzug spüren, jede kleine Bewegung, als hätte jemand das Tempo der Welt heruntergedreht. Als ich aufwachte, war kaum eine Minute vergangen. Mein Wecker war noch nicht mal in der Nähe. Ein paar Nächte später hatte ich einen langen, schönen Flug über eine ganze Landschaft, Berge, ein Meer, eine fremde Stadt, und der war im Nu vorbei. Subjektiv waren das ein paar Sekunden, obwohl da so viel passierte. Genau dieser Widerspruch hat mich neugierig gemacht. Mal kriecht die Zeit, mal rast sie. Und irgendwann habe ich angefangen, mit diesem Gefühl bewusst zu spielen, statt es einfach hinzunehmen.

Portale und Türen als Kontroll-Werkzeug

Es gab eine Nacht, da stand ich in einem Klartraum mitten in einem leeren Korridor, und mir war langweilig. Ich wollte weg, irgendwohin, an einen Ort, den ich noch nie gesehen hatte. Früher hätte ich versucht, mich einfach an einen Strand zu wünschen, und wäre meistens gescheitert. An diesem Korridor aber war eine Tür, eine ganz normale, langweilige Holztür mit einer abgegriffenen Klinke. Ich ging hin und war mir auf einmal vollkommen sicher, dass dahinter etwas Neues wartet. Kein bestimmter Ort, einfach eine fremde Welt. Ich drückte die Klinke, und dahinter lag ein Dschungel, schwül und laut und voller Geräusche, die ich nie zuvor gehört hatte. In dem Moment habe ich verstanden, dass die Tür selbst die halbe Arbeit macht. Sie gibt meiner Erwartung eine Form. Seitdem ist ein Portal im Traum mein verlässlichstes Werkzeug, um irgendwohin zu gelangen, einfach weil ich beim Griff zur Klinke schon weiss, dass etwas dahinter ist.

Grösse verändern: schrumpfen und wachsen im Traum

Eine meiner liebsten Erinnerungen aus den letzten Jahren ist eine ganz kleine. Wortwörtlich. Ich war in einem Garten gelandet, frisch luzid, und vor mir stand eine einzelne Blume. Irgendwas an ihr zog mich an, also wollte ich sie aus der Nähe sehen. Ganz nah. Statt mich hinzuknien, dachte ich mir einfach, dass ich jetzt kleiner werde, und dann sackte die Welt um mich herum nach oben weg. Der Stängel wurde zu einem Baumstamm, die Blütenblätter zu riesigen Segeln über mir, und ich stand winzig zwischen Pollenkörnern, die so gross waren wie Medizinbälle. Es roch nach nichts und nach allem zugleich, so wie Gerüche im Traum eben sind. Ich blieb eine ganze Weile dort unten und schaute mir das an. Und kurz darauf, fast aus einer Laune heraus, wollte ich das Gegenteil. Ich wuchs, und zwar so schnell, dass mir kurz schwindlig wurde, bis ich riesig über den Dächern des Quartiers ragte und die Häuser wie Spielzeug unter mir lagen. Beides in einem einzigen Traum. So fühlt sich Macht im Schlaf an.

Trauminkubation: eine Szene oder ein Ziel vorsäen

Ich erinnere mich an eine Nacht, in der ich unbedingt zu einem ganz bestimmten Ort wollte. Ich hatte tagsüber Bilder von einer alten Hafenstadt gesehen, mit engen Gassen, Marktständen und dem Geruch von Salz und gebratenem Fisch in der Luft. Das liess mich nicht mehr los. Also nahm ich mir vor dem Einschlafen fest vor, genau dorthin zu gehen. Ich sagte mir nicht hundert Mal etwas auf, ich liess einfach das Bild der Stadt vor mir stehen, während ich wegdämmerte. Der letzte klare Gedanke, bevor ich wegkippte, war dieser Markt. Und tatsächlich, irgendwann in der Nacht stand ich dort. Nicht eins zu eins, die Gassen waren breiter und der Markt roch eher nach Zimt als nach Fisch, aber es war eindeutig der Ort, den ich vorgesät hatte. Ich wurde luzid, weil mir die ganze Szene seltsam bekannt vorkam, machte einen Realitätscheck und ging dann gemütlich essen. Vor lauter Begeisterung kippte ich kurz raus, aber am Morgen rutschte ich direkt wieder rein.

Eine stabile Traumwelt aufbauen und wiederbesuchen

Als Kind hatte ich einen Ort, zu dem ich immer wieder zurückkam. Ich erinnere mich nicht mehr an alle Details, aber an das Gefühl schon, und das war stärker als jeder Beweis. Es gab einen Wald mit einem Hang, und unten am Hang eine Art Lichtung, die mir gehörte. Ich kam dort an, ohne zu wissen, wie, und wusste sofort, dass ich schon einmal hier war. Manchmal lag ein Gegenstand noch genau dort, wo ich ihn beim letzten Mal hatte liegen lassen. Einmal stand hinter mir auf einmal eine Gestalt, und ich wusste, dass sie zu diesem Ort gehörte, auch wenn ihr Gesicht zerfloss, als ich es genauer ansehen wollte. Ich war damals noch nicht luzid im heutigen Sinn, ich wusste nur, dass ich diesen Ort kannte und mochte. Heute, nach über fünfzehn Jahren mit luzidem Träumen, sehe ich darin etwas anderes. Ich sehe den Beweis, dass eine wiederkehrende Traumwelt möglich ist. Nicht als Esoterik, einfach als etwas, das mein Kopf damals von selbst geschafft hat.

Sind Stabilisierungstechniken nur Placebo?

Ich erinnere mich an eine Phase vor vielen Jahren, in der mich eine Frage richtig genervt hat. Ich war gerade luzid geworden, stand in irgendeiner Strasse, und der Traum begann zu flackern. Die Ränder wurden weich, die Farben dünn. Ich rieb mir wie wild die Hände, weil ich das irgendwo gelesen hatte, und der Traum blieb. Schön. Aber im nächsten Moment dachte ich nur: Hat das Händereiben das jetzt wirklich gemacht, oder hätte der Traum sowieso gehalten und ich bilde mir den ganzen Effekt nur ein? Ich kam aus der Esoterik, ich kannte das Gefühl, einer Technik etwas zuzuschreiben, das vielleicht gar nicht von ihr kam. Diese Skepsis liess mich nicht los. Ich habe es danach immer wieder beobachtet, mal mit Händereiben, mal ohne, und ich kam nie zu einem sauberen Ergebnis. Morgens, wenn ich nach dem Aufwachen wieder reinkippte, dasselbe Spiel. Irgendwann habe ich verstanden, dass meine ganze Frage am eigentlichen Punkt vorbeiging.