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Schmerz im Traum: fühlt man Schmerzen wirklich?

Traumkontrolle11 Min. Lesezeit

Schmerz im Traum: fühlt man Schmerzen wirklich?

Spürt man Schmerzen im Traum wirklich? Ich erzähle aus 15 Jahren Erfahrung, wie sich Schmerz im Traum bei mir anfühlt und warum er oft schwächer ist oder ganz ausbleibt.

Ich erinnere mich an einen Klartraum, in dem ich aus dem Fenster geflogen bin und an einer Steinmauer entlanggestrichen bin, einfach, weil ich sehen wollte, ob ich den rauen Stein unter den Fingern spüre. Ich spürte ihn. Kalt, körnig, genau wie ich es vom Wachen kannte. Kurz darauf landete ich in einer kleinen Bar irgendwo in einer fremden Stadt und habe alles probiert, was auf der Theke stand. Eine Frucht knirschte zwischen den Zähnen, ein Getränk brannte angenehm im Hals. Alles fühlte sich verblüffend echt an. Und in diesem Moment kam mir der Gedanke, der mich seither nicht losgelassen hat. Wenn sich der Stein, das Essen und der Wind so real anfühlen, was ist dann mit Schmerz? Wenn ich gegen diese Mauer geprallt wäre statt sie zu streicheln, hätte es weh getan? Ich habe es danach immer wieder ausprobiert, mal absichtlich, mal weil ein Traum mich einfach hat stürzen lassen. Die Antwort hat mich überrascht.

Das ist eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden, und es ist eine gute Frage. Ich versuche sie hier so klar zu beantworten, wie ich kann, mit dem, was ich in all den Jahren selbst erlebt habe. Vorweg die kurze Version: Schmerz im Traum ist eine seltsame Sache. Er kann auftauchen, aber er verhält sich anders als wach.

Tut es weh, wenn du im Traum stürzt oder dich verletzt?

Diese Frage stellen sich fast alle, sobald sie ein bisschen über Klarträume nachdenken. Und sie hat zwei Wurzeln. Die eine ist Neugier. Die andere ist Angst. Viele trauen sich nicht, im Traum richtig loszulegen, weil sie tief drin Sorge haben, dass ein Sturz beim Fliegen, ein Schlag oder ein Sprung von einem Dach genauso weh tut wie im echten Leben. Diese Sorge ist verständlich. Dein Gehirn ist ein Leben lang darauf trainiert, dass Stürze schlimm enden.

Dazu kommt der alte Mythos, den du vielleicht auch schon gehört hast. Es heisst, wenn du im Traum stirbst, stirbst du auch im echten Leben. Das ist Quatsch. Ich bin in Träumen gestürzt, ich bin geschlagen worden, ich bin durch alle möglichen brenzligen Szenen gegangen, und ich liege immer noch quietschvergnügt hier und schreibe das auf. Niemand wacht durch einen Traumtod nicht mehr auf. Dein Körper liegt sicher im Bett, egal was deinem Traum-Ich passiert.

Bleibt die eigentliche Frage. Wenn dir im Traum etwas zustösst, fühlst du dann wirklich Schmerz? Spürst du den Aufprall, den Schnitt, den Schlag so, wie du ihn wach spüren würdest? Genau darum geht es hier, und meine Antwort stützt sich auf das, was ich an mir selbst beobachtet habe.

Wie sich Schmerz bei mir im Traum anfühlt

Fangen wir mit dem an, was im Traum erstaunlich gut funktioniert. Die meisten Sinne sind im Traum verblüffend echt. Ich habe es oben schon erzählt. Ich spüre Wind auf der Haut, ich schmecke Essen, ich fühle Oberflächen unter den Fingern. Beim Fliegen spüre ich sogar das Ziehen im Bauch, wenn ich beschleunige. Wenn ich durch kaltes Wasser schwimme, ist es kalt. Wenn ich barfuss über warmen Sand laufe, ist er warm. Die Wahrnehmung im Traum ist also keineswegs blass. Sie ist oft genauso satt wie wach, manchmal sogar intensiver.

Genau das macht die Sache mit dem Schmerz so interessant. Wenn alles andere so echt ist, müsste Schmerz doch auch echt sein, oder? Bei mir ist er es meistens nicht. Das ist meine ganz persönliche Erfahrung über viele Jahre. Wenn ich im Traum stürze, gegen etwas pralle oder mir sonst etwas zustösst, dann ist der Schmerz fast immer schwächer als wach. Oft bleibt er sogar ganz aus. Ich merke, dass da gerade etwas passiert ist, das wach höllisch weh getan hätte, aber das scharfe, beissende Gefühl fehlt einfach. Es ist, als würde der Traum die Lautstärke vom Schmerz herunterdrehen, während er bei allen anderen Sinnen voll aufdreht.

Ich gebe dir ein paar konkrete Beispiele. Beim Fliegen sacke ich manchmal ab, weil sich ein Funken Zweifel eingeschlichen hat, und dann lande ich unsanft. Wach wäre das ein böser Aufprall. Im Traum spüre ich höchstens ein dumpfes Stossen, mehr nicht. Ich bin schon von Dächern gesprungen und unten einfach stehen geblieben, ohne dass irgendetwas weh tat. In Albträumen, wo ja durchaus mal etwas Unangenehmes mit mir geschieht, ist das Gefühl eher Bedrohung und Schreck als echter, körperlicher Schmerz. Und Albträume machen mich ohnehin fast immer automatisch luzid, dann fliege ich einfach weg, und die Sache hat sich erledigt.

Jetzt kommt das wichtige Aber. Das ist meine Erfahrung, und deine kann anders sein. Ich kann dir nicht versprechen, dass es bei dir genau so läuft. Manche Menschen berichten von durchaus realem Schmerz im Traum, scharf und deutlich. Ich weiss nicht genau, warum das so unterschiedlich ist. Vielleicht hängt es davon ab, was du erwartest, vielleicht an der Tagesform, vielleicht an etwas, das ich gar nicht durchschaue. Ich kann nur sagen, wie es bei mir ist, und bei mir ist Schmerz im Traum meistens leise oder gar nicht da. Nimm das als das, was es ist. Ein Erfahrungsbericht, keine Garantie.

Warum Schmerz oft ausbleibt

Wenn du verstehen willst, warum Schmerz im Traum so wackelig ist, musst du verstehen, wie ein Traum überhaupt funktioniert. Ich habe das an anderer Stelle ausführlich beschrieben, in meinem Text darüber, wie Traumkontrolle funktioniert. Der Kern lässt sich in einen Satz packen. Im Traum entscheidet dein Glaube über alles. Was du erwartest, das geschieht.

Und jetzt kommt der Knackpunkt. Schmerz ist auch nur eine Erwartung. Ich weiss, das klingt im ersten Moment komisch, weil sich Schmerz wach so unmittelbar und unausweichlich anfühlt. Aber im Traum produziert dein Gehirn jeden einzelnen Sinneseindruck selbst. Den Wind, den Geschmack, das Bild vor dir und eben auch den Schmerz. Es gibt keine echte Mauer, gegen die du prallst, und keinen echten Nerv, der feuert. Es gibt nur dein Gehirn, das eine Szene baut und entscheidet, welche Empfindungen dazugehören.

Wenn du also stürzt und tief drin gar nicht erwartest, dass es weh tut, dann kommt oft kein Schmerz. Genauso, wie du fliegst, wenn du fest daran glaubst, und abstürzt, sobald der Zweifel kommt. Schmerz folgt derselben Mechanik. Bei mir ist über die Jahre offenbar die feste Annahme gewachsen, dass mir im Traum nichts passieren kann. Diese Annahme sitzt so tief, dass mein Traum gar nicht erst auf die Idee kommt, mir Schmerz zu schicken. Das ist vermutlich der Grund, warum es bei mir so selten weh tut.

Hier lohnt es sich, an eine Sache zu erinnern, die ich für eine meiner nützlichsten Entdeckungen halte. Dein Unterbewusstsein versteht kein Nein. Es ignoriert die Verneinung. Wenn du dir also angespannt sagst, hoffentlich tut das jetzt nicht weh, dann hört dein Unterbewusstsein nur, tut das jetzt weh, und schwupp, kann genau der Schmerz auftauchen, vor dem du dich gefürchtet hast. Das ist dieselbe Falle wie beim Verstecken vor einem Monster, wenn du denkst, bitte finde mich nicht, und prompt wirst du gefunden. Beim Schmerz ist es nicht anders. Je mehr du an ihn denkst und je mehr Angst du vor ihm hast, desto eher lädst du ihn ein.

Deshalb ist die beste Haltung gegenüber Schmerz im Traum eine fast schon gelangweilte Gelassenheit. Du gehst einfach davon aus, dass dir nichts passiert. Du machst dir keine Gedanken über mögliche Stürze. Du erwartest schlicht keinen Schmerz, und genau deshalb kommt meistens auch keiner. Das hat nichts mit Esoterik zu tun. Es ist einfach die Art, wie ein Traum nun mal tickt. Alles ist eine Erwartung, und die Erwartung kannst du steuern.

Wie du das praktisch nutzt

Jetzt kommt der wirklich schöne Teil, denn aus all dem folgt etwas richtig Befreiendes. Wenn Schmerz nur eine Erwartung ist und du diese Erwartung in der Hand hast, dann brauchst du im Traum keine Angst mehr vor Stürzen zu haben. Und das verändert alles, vor allem beim Fliegen.

Viele Anfänger trauen sich beim Fliegen und der Fortbewegung nicht so richtig, weil im Hinterkopf die Sorge mitfliegt, dass ein Absturz wehtun könnte. Genau diese Sorge ist aber dein grösster Feind, und zwar gleich doppelt. Erstens zieht dich der Zweifel ohnehin nach unten, weil Glaube über das Fliegen entscheidet. Zweitens lädt die Angst vor Schmerz genau diesen Schmerz erst ein. Wenn du diese Angst loswirst, fällt eine schwere Last von dir ab.

Mach es dir also zur Grundhaltung. Im Traum kann dir nichts passieren. Du kannst dich fallen lassen. Spring vom höchsten Dach, das du finden kannst, und schau, was passiert. Bei mir passiert nichts Schlimmes. Ich lande, oder ich fange mich im Fall ab und fliege einfach weiter. Dieses Loslassen ist sogar ein richtig guter Trick, um das Fliegen zu lernen. Wenn du dich vom Dach fallen lässt und mitten im Fall entscheidest, dass du jetzt fliegst, dann gibt dir der Schwung oft genau den Schub, den du brauchst. Du überlistest den Zweifel, weil du gar keine Zeit hast, an ihn zu denken.

Probier es ruhig aus. Lass dich fallen, prall absichtlich gegen Dinge, geh in Situationen hinein, vor denen du wach zurückschrecken würdest. Du wirst sehr wahrscheinlich merken, dass der gefürchtete Schmerz ausbleibt oder kaum spürbar ist. Und jedes Mal, wenn du das erlebst, wächst dein Vertrauen ein Stück. Du baust dir damit genau die feste Annahme auf, die mich heute so sorglos durch meine Träume fliegen lässt. Es ist ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Je öfter du erlebst, dass nichts weh tut, desto sicherer wirst du, und desto weniger tut weh.

Das gilt übrigens nicht nur fürs Fliegen. Die Angst vor Schmerz hält viele auch davon ab, mutigere Dinge im Traum zu tun. Sobald du verinnerlicht hast, dass dein Traum-Körper unverwundbar ist, öffnet sich dir die ganze Spielwiese. Du kannst Dinge ausprobieren, die wach lebensgefährlich wären, und sie kosten dich nichts. Das ist einer der grössten Vorzüge des luziden Träumens, und er steht und fällt mit deiner Haltung zum Schmerz.

Wenn doch einmal Schmerz auftaucht

So entspannt das alles klingt, ich will nichts beschönigen. Es kann passieren, dass im Traum doch mal Schmerz auftaucht. Vielleicht weil ein Albtraum dich überrumpelt hat, vielleicht weil du gerade halb wach bist und dein Körper etwas Echtes mit hineinmischt, vielleicht aus einem Grund, den ich gar nicht kenne. Bei mir ist das selten, aber es kommt vor. Die gute Nachricht ist, du bist dem nicht hilflos ausgeliefert. Du hast Werkzeuge.

Das erste Werkzeug ist, den Schmerz bewusst wegzudenken. Das klingt erst mal fast zu einfach, aber es funktioniert nach genau demselben Prinzip wie alles andere im Traum. Wenn Schmerz eine Erwartung ist, dann kannst du diese Erwartung auch wieder zurücknehmen. Sag dir innerlich, ganz ruhig und bestimmt, dass dieser Schmerz jetzt verschwindet. Achte dabei auf die Formulierung. Denk nicht, dieser Schmerz soll nicht mehr da sein, denn dein Unterbewusstsein überhört das Nicht und hält am Schmerz fest. Denk lieber positiv. Mein Körper fühlt sich jetzt wieder gut an. Ich bin heil und unverletzt. Stell dir dabei vor, wie das Gefühl einfach abebbt, wie eine Welle, die sich zurückzieht. Bei mir reicht das oft schon, um die Empfindung verschwinden zu lassen.

Das zweite Werkzeug ist mein Favorit, wenn ich plötzlich unsicher werde, was eigentlich gerade los ist. Mach einen Realitätscheck im Traum. Wenn dir im Traum etwas weh tut, ist das auch ein guter Moment, um dir kurz klarzumachen, wo du eigentlich bist. Pinch dir die Nase zu und versuch, durch sie zu atmen. Wenn das geht, bist du im Traum, und allein dieses Bewusstsein nimmt dem Schmerz oft seine Macht. Sobald dir wieder ganz klar ist, dass nichts davon echt ist, dass kein echter Nerv feuert und kein echter Schaden entsteht, schrumpft der Schmerz fast von selbst. Der Realitätscheck erdet dich und erinnert dein Gehirn daran, dass es hier die Regeln macht.

Und falls beides nicht hilft, hast du immer noch den Notausgang. Du kannst dich entscheiden, einfach aufzuwachen, oder du fliegst weg und wechselst die Szene komplett. Im Traum bist du nie gefangen. Bei mir wird ein unangenehmer Traum durch genau diese Gewissheit oft sofort harmlos. In dem Moment, in dem ich merke, dass ich gehen könnte, wann immer ich will, verliert das Unangenehme seinen Schrecken, und meistens bleibe ich dann sogar und schau es mir aus Neugier weiter an.

Was du dir merken solltest

Schmerz im Traum ist eine seltsame, faszinierende Sache, und ich finde, sie zeigt besser als fast alles andere, wie sehr dein Traum deinem Geist gehorcht. Lass mich das Wichtigste zusammenfassen.

Bei mir fühlt sich im Traum fast alles erstaunlich echt an, der Wind, das Essen, die Oberflächen. Schmerz aber ist die grosse Ausnahme. Er ist meistens schwächer als wach oder bleibt ganz aus. Das liegt daran, dass auch Schmerz nur eine Erwartung ist, und Erwartungen kannst du steuern. Erwartest du keinen Schmerz, kommt meistens auch keiner. Denk dabei immer daran, dass dein Unterbewusstsein kein Nein versteht, also bleib in deinen Gedanken positiv.

Das Schönste daran ist die Freiheit, die es dir gibt. Du brauchst beim Fliegen keine Angst vor Stürzen zu haben. Du kannst dich fallen lassen, von Dächern springen und mutig sein, weil dir nichts passiert. Und sollte doch mal Schmerz auftauchen, kannst du ihn ruhig wegdenken, einen Realitätscheck machen oder einfach die Szene wechseln. Du hast immer das letzte Wort.

Und denk dran, das hier ist meine Erfahrung aus rund fünfzehn Jahren, nicht das Gesetz. Bei dir kann manches anders sein, und das ist völlig okay. Probier es selbst aus und finde heraus, wie sich Schmerz in deinen Träumen verhält. Wenn du tiefer in die Kunst einsteigen willst, die Welt im Traum nach deinem Willen zu formen, dann schau bei meinem Überblick zur Traumkontrolle vorbei. Dort hängt alles zusammen, und du wirst schnell merken, dass die Sache mit dem Schmerz nur ein Beispiel für ein viel grösseres Prinzip ist. Dein Traum ist deiner, mit allem, was dazugehört, und das schliesst auch den Schmerz mit ein.