Zum Hauptinhalt springen
Wie funktioniert Traumkontrolle? Erwartung, Glaube und Wille

Traumkontrolle12 Min. Lesezeit

Wie funktioniert Traumkontrolle? Erwartung, Glaube und Wille

Wie funktioniert Traumkontrolle wirklich? Ich zeige dir, warum im Traum dein Glaube alles entscheidet und wie du Erwartung und Wille zu deinem Werkzeug machst.

Es gab da eine Sache, die ich jahrelang nicht hinbekommen habe. Ich wollte im Traum Menschen herbeirufen, ganz bestimmte, mit klarem Gesicht. Und jedes Mal zerfiel mir das Bild wieder, kaum dass ich hinschaute. Ich habe es immer und immer wieder versucht, und irgendwann habe ich verstanden, woran es lag. Tief in mir glaubte ich nicht, dass ich es kann. Ich hoffte. Das ist etwas ganz anderes. Beim Fliegen war das nie so. Vom allerersten Mal an bin ich einfach abgehoben, ohne eine Sekunde nachzudenken. Es kam mir gar nicht in den Sinn, dass ich fallen könnte. Genau dieser Unterschied hat mir nach Jahren gezeigt, wie der ganze Laden funktioniert. Früher war ich tief in der Esoterik, ich habe nach geheimen Kräften gesucht. Heute weiss ich, die Kraft ist mein Glaube. Sonst nichts. Wo ich zweifelte, ging es nicht. Wo ich sicher war, ging es sofort.

Wenn du dich also fragst, wie funktioniert Traumkontrolle eigentlich, dann fängt die Antwort genau hier an. Sie beginnt bei dem, was in deinem Kopf vorgeht, während du im Traum stehst. Es geht um keinen Trick und um keine geheime Technik. Lass mich dir das Stück für Stück auseinandernehmen.

Die Kernmaschine: dein Glaube schaltet alles

Wenn ich es auf einen einzigen Satz bringen müsste, dann diesen. Im Traum entscheidet dein Glaube über alles. Das klingt nach einem Kalenderspruch, ist aber der harte, technische Kern der ganzen Sache. Es ist die Maschine, die unter jeder einzelnen Technik läuft. Verstehst du sie, verstehst du den Rest fast von selbst.

Denk an die Psychiker aus den Filmen. Diese Figuren, die Dinge mit Gedanken bewegen oder Türen mit einem Blick aufdrücken. Ihre Kraft ist immer genau so stark wie ihre Überzeugung. Wenn so eine Figur ins Zweifeln gerät, fällt der Gegenstand, den sie eben noch schweben liess, einfach zu Boden. Im Traum ist es haargenau dasselbe. Deine Fähigkeit, etwas zu tun, ist nicht von Muskeln abhängig und nicht von Physik. Sie hängt davon ab, wie fest du daran glaubst, dass es geht.

Das ist überhaupt der Grund, warum im Traum scheinbar alles möglich ist. Es gibt keine festen Regeln, die dir von aussen aufgezwungen werden. Die einzige Regel, die zählt, schreibst du selbst, und zwar mit deiner Überzeugung. Glaubst du, dass die Wand fest ist, dann ist sie fest und du läufst dagegen. Glaubst du, dass du hindurchgehen kannst, dann gehst du hindurch. Die Traumwelt fragt dich nicht, was du dir wünschst. Sie liest ab, was du für wahr hältst.

Und hier liegt der feine Unterschied, der bei mir alles verändert hat. Wünschen und Glauben sind zwei verschiedene Dinge. Ich kann mir sehnlich wünschen, durch eine Wand zu gehen, und trotzdem mit der Nase davor stehen bleiben, weil ein Teil von mir die Wand für solide hält. Erst wenn der Wunsch zur inneren Tatsache wird, gehorcht der Traum. Diese Verschiebung von Hoffnung zu Gewissheit ist die eigentliche Kunst der Traumkontrolle.

Warum dich der Zweifel nach unten zieht

Das Schöne am Fliegen ist, dass man dort sofort sieht, wie der Glaube arbeitet. Es ist fast schon brutal anschaulich. Wenn du zweifelst, ob du oben bleibst, sackst du ab. Ganz wörtlich. Der Zweifel zieht dich nach unten, als hätte jemand die Schwerkraft wieder eingeschaltet.

Bei mir lief das von Anfang an wie geschmiert, und ich habe lange nicht verstanden, warum. Heute weiss ich es. Ich hatte beim Fliegen schlicht null Zweifel. Es kam mir nie in den Sinn, dass ich es nicht könnte. Ich machte einen Schritt, der zu einem Sprung wurde, und dann blieb ich eben oben, weil die Möglichkeit zu fallen für mich gar nicht existierte. Kein Zweifel, kein Absacken. So einfach ist die Rechnung.

Bei anderen Dingen war es umgekehrt. Die Menschen, von denen ich am Anfang erzählt habe, sind das beste Beispiel. Ich wollte sie herbeirufen, aber ganz tief drin hielt ich es für schwierig, für zu viel verlangt. Und genau das hat sich bewahrheitet. Das Gesicht zerfiel, das Bild wackelte, die Person sah nie ganz richtig aus. Jahrelang. Erst als ich begriff, dass mein eigener Zweifel die Bremse war, konnte ich überhaupt anfangen, daran zu arbeiten.

Merk dir diesen Zusammenhang, denn er ist die Erklärung für fast jeden Misserfolg im Traum. Wenn dir etwas nicht gelingt, liegt es selten daran, dass du es falsch machst. Meistens liegt es daran, dass ein leiser Zweifel mitläuft. Du willst durch die Decke fliegen und denkst gleichzeitig, das ist doch eigentlich nicht so leicht. Dieser kleine Gedanke reicht. Der Traum hört ihn und richtet sich danach. Dein Zweifel ist kein Beobachter am Spielfeldrand, er greift direkt ins Geschehen ein.

Und das ist eine gute Nachricht, auch wenn es erst nach einer Hürde klingt. Denn wenn der Zweifel die Ursache ist, dann ist der Glaube die Lösung. Beides liegt in dir. Du musst nichts von aussen besorgen, keine Substanz, kein Hilfsmittel, keine geheime Formel. Du musst nur lernen, deine eigene Überzeugung zu lenken.

Erwartung als praktischer Hebel

Glaube klingt erst mal nach etwas, das man hat oder nicht hat. So fühlt es sich aber im Traum nicht an. Im Traum kommt der Glaube durch die Hintertür herein, und diese Hintertür heisst Erwartung. Erwartung ist der praktische Hebel, an dem du tatsächlich ziehen kannst.

Der Trick ist, dass du fest mit einem Ergebnis rechnest, bevor es eintritt. Du fragst dich nicht, ob etwas passiert. Du weisst, dass es passiert, und handelst entsprechend. Das ist ein winziger Unterschied im Kopf, aber er entscheidet alles.

Nimm die Türen. Türen sind im Traum überall, und sie sind ein wunderbares Werkzeug zum Wechseln der Szene. Du stellst dich vor eine geschlossene Tür und erwartest, dass dahinter ein Strand liegt. Du hoffst es nicht. Du rechnest fest damit. Beim Griff zur Klinke weisst du bereits, dass dir gleich der warme Sand entgegenkommt und das Meer rauscht. Es ist für dich schon beschlossene Sache, bevor sich die Tür auch nur einen Spalt öffnet. Genau dann ist der Strand da.

Dasselbe funktioniert mit dem Umdrehen. Du siehst im Traum immer nur das, was vor dir liegt, genau wie wach. Was hinter deinem Rücken ist, ist offen. Also stellst du dir vor, dass hinter dir eine bestimmte Person steht, du rechnest fest damit, und dann drehst du dich um. Wenn die Erwartung sass, steht sie da. Wenn du dich beim Drehen gefragt hast, ob es wohl klappt, dann hast du dir die Sache selbst kaputt gemacht. Mehr zu diesen beiden Spielarten findest du in meinem Text über direkte und indirekte Kontrolle, denn das Umdrehen ist ein schönes Beispiel für die leise, indirekte Art zu steuern.

Erwartung ist deshalb so wertvoll, weil sie greifbarer ist als der grosse, abstrakte Glaube. Du kannst dir kaum auf Knopfdruck befehlen, an etwas zu glauben. Aber du kannst dir vornehmen, mit etwas fest zu rechnen, bevor du eine Tür öffnest oder dich umdrehst. Du baust die Gewissheit also in eine konkrete Handlung ein, und das ist viel leichter, als sie aus dem Nichts herbeizuzwingen.

Die wichtigste Entdeckung: dein Unterbewusstsein versteht kein Nein

Jetzt kommt die Sache, die für mich alles verändert hat. Es ist meine nützlichste Entdeckung in all den Jahren, und ich wünschte, jemand hätte sie mir früher gesagt. Dein Unterbewusstsein versteht kein Nein. Es ignoriert Verneinungen schlichtweg. Das Wort nicht existiert für diesen Teil von dir nicht.

Klingt seltsam, ist aber im Traum sofort spürbar. Stell dir vor, du versteckst dich vor einem Monster und denkst angestrengt, bitte lass es mich nicht finden. Was dein Unterbewusstsein heraushört, ist lass es mich finden. Das Nicht fällt einfach hinten runter. Und prompt findet das Monster dich. Jedes Mal. Ich habe das oft genug erlebt, bis bei mir der Groschen gefallen ist.

Seitdem denke ich im Traum nur noch in der bejahenden Form. Statt hoffentlich findet es mich nicht denke ich es geht an mir vorbei. Statt ich will nicht abstürzen denke ich ich bleibe sicher oben. Statt hoffentlich verschwindet die Szene nicht denke ich die Szene bleibt klar und stabil. Seit ich das so mache, geht es auf, und zwar zuverlässig. Das es geht an mir vorbei hat bei mir noch nie versagt.

Der Grund passt genau zur Kernmaschine von vorhin. Wenn du in Verneinungen denkst, malst du dir innerlich trotzdem das aus, was du vermeiden willst. Du siehst das Monster, das dich findet. Du spürst den Absturz. Und weil der Traum das abliest, was du dir innerlich ausmalst, holst du genau das herbei, was du loswerden willst. Dein Zweifel und deine Angst sind nichts anderes als Erwartungen mit umgekehrtem Vorzeichen, und der Traum behandelt sie gleich.

Darum übe das schon im Wachen. Achte tagsüber darauf, wie oft du in Verneinungen denkst. Hoffentlich vergesse ich das nicht, bloss nicht stolpern, ich darf jetzt keinen Fehler machen. Formuliere es im Kopf um, ins Positive. Ich denke daran, ich gehe sicher, ich mache das sauber. Das ist nicht nur fürs Träumen gut. Es ist eine kleine Umstellung, die dir das ganze Steuern im Traum erleichtert, weil du dann gar nicht erst in die alte Falle tappst, wenn es darauf ankommt.

Visualisierung im Wachen baut den Glauben auf

Den Glauben, den du im Traum brauchst, kannst du nicht erst im Traum auf die Schnelle herstellen. Da ist es meistens zu spät, da läuft die Szene schon. Du baust ihn vorher auf, im Wachen, und das beste Werkzeug dafür ist die Visualisierung.

Das geht ganz einfach. Setz dich hin oder leg dich kurz hin und spiel im Kopf durch, was du im Traum tun willst. So lebhaft wie möglich, mit allen Sinnen. Wenn es ums Fliegen geht, spür den Wind auf der Haut, spür das Ziehen im Bauch beim Beschleunigen, sieh den Boden unter dir kleiner werden. Je mehr Details, desto besser.

Was dabei passiert, ist im Grunde ein Trick an deinem eigenen Gehirn. Dein Kopf unterscheidet beim Visualisieren erstaunlich schlecht zwischen echt erlebt und nur vorgestellt. Wenn du eine Bewegung hundert Mal im Kopf durchgespielt hast, fühlt sie sich vertraut an, fast wie etwas, das du schon oft getan hast. Und vertraut heisst selbstverständlich, und selbstverständlich heisst, du zweifelst nicht mehr. Du fütterst also genau die Gewissheit, die im Traum über Erfolg und Misserfolg entscheidet.

Genau so habe ich mir damals das Herbeirufen von Menschen Stück für Stück erarbeitet, das mir so lange verwehrt blieb. Ich habe es wach immer wieder durchgespielt, wie eine Person um die Ecke kommt, wie ihr Gesicht aussieht, wie sich die Begegnung anfühlt. Mit der Zeit wurde aus der wackeligen Hoffnung eine ruhige Erwartung. Und der Traum zog nach. Nicht perfekt, die Gesichter bleiben bei mir bis heute etwas wechselhaft, aber es ging endlich überhaupt.

Visualisierung ist deshalb echtes Training und mehr als eine nette Zugabe. Ein paar ruhige Minuten am Tag genügen schon. Du baust damit im Wachen das Fundament, auf dem im Traum dann alles steht. Wer wach sät, erntet im Schlaf.

Glaube lässt sich trainieren, Schritt für Schritt

Jetzt fragst du dich vielleicht, schön und gut, aber wie soll ich an etwas glauben, das ich noch nie geschafft habe. Das ist eine berechtigte Frage, und sie führt zum letzten grossen Punkt. Glaube ist nichts, was du hast oder nicht hast. Glaube lässt sich trainieren. Und er wächst auf eine ganz bestimmte Weise, nämlich von klein nach gross.

Der Mechanismus ist einfach. Kleine Erfolge füttern den Glauben, und der grössere Glaube macht dann grössere Dinge möglich. Es ist eine Treppe, keine Wand. Du fängst mit dem an, was dir am leichtesten fällt, sammelst damit echte Erfolge, und diese Erfolge sind der Beweis, den dein Unterbewusstsein braucht, um beim nächsten, schwereren Schritt mitzuziehen.

Deshalb empfehle ich praktisch jedem, mit dem Fliegen anzufangen. Es ist für die meisten das, was am leichtesten klappt, und es liefert dir sofort ein starkes Erfolgserlebnis. Du hebst ab, du segelst über die Landschaft, und in dem Moment lernt dein Inneres etwas Entscheidendes. Es lernt, wie sich vollständige Gewissheit im Traum anfühlt. Dieses Gefühl ist Gold wert, denn du kannst es danach auf alles andere übertragen. Hast du einmal gespürt, wie sich Steuern ohne Zweifel anfühlt, weisst du, wonach du beim nächsten Vorhaben suchst.

So habe ich mich über die Jahre hochgearbeitet. Erst das Fliegen, das von selbst kam. Dann das Erschaffen von Gegenständen, indem ich an Stellen griff, die ich nicht sehen konnte, und fest damit rechnete, dass das Ding da ist. Dann, viel später, die schwierigen Sachen wie die Menschen. Jeder Erfolg war ein Baustein für den nächsten. Hätte ich gleich am Anfang die schwerste Übung erzwingen wollen, wäre ich nur gescheitert und hätte meinen Glauben mit lauter Misserfolgen vergiftet.

Und jetzt die unbequeme Stelle, die ich dir schuldig bin. Eine Abkürzung gibt es nicht. Ich habe in fünfzehn Jahren keine gefunden, und ich habe lange danach gesucht. Was es braucht, ist Übung, Übung und nochmals Übung. Das klingt unbequem, ist aber tröstlich, wenn du es richtig liest. Es heisst nämlich, dass es nicht an einem besonderen Talent hängt. Ich war nie ein fleissiger Schüler in dieser Sache, ich habe oft pausiert und es selten ernst genommen. Trotzdem hat es funktioniert, weil ich einfach dran geblieben bin. Stell dir vor, was geht, wenn du es ernsthafter angehst als ich.

Das Fundament unter allen Techniken

Wenn du dich nochmal fragst, wie funktioniert Traumkontrolle im Kern, dann ist die Antwort schlicht. Alles, was du im Traum tust, ruht auf deinem Glauben, getragen von deiner Erwartung und gelenkt von deinem Willen. Das ist keine von vielen Techniken. Das ist das Fundament, auf dem jede einzelne Technik steht.

Egal, was du als Nächstes lernst, dieser Kern bleibt gleich. Es kommt immer darauf an, dass du fest mit dem Ergebnis rechnest, dass du in der bejahenden Form denkst und dass du keinen Zweifel zulässt. Verstehst du diese Maschine, dann liest du jede neue Methode mit anderen Augen. Du siehst sofort, an welcher Schraube sie eigentlich dreht.

Von hier aus kannst du in zwei Richtungen weitergehen. Wenn du deinem Willen eine klare Form geben willst, schau dir die verbalen Befehle an den Traum an. Ein laut oder innerlich ausgesprochener Befehl ist nichts anderes als geballte Erwartung in Worten, und für viele ist das ein erstaunlich direkter Hebel. Und wenn dir die Szene immer wieder wegbricht, bevor du überhaupt zum Steuern kommst, dann lern zuerst, deinen Traum zu stabilisieren. Ein stabiler Traum gibt dir die Ruhe, die du brauchst, damit deine Erwartung überhaupt greifen kann.

Fang klein an, sammle deine Erfolge und füttere damit den Glauben für das Nächstgrössere. So wächst deine Kontrolle ganz von selbst. Und irgendwann stehst du in deinem Traum und merkst, dass du gar nicht mehr darüber nachdenkst, ob etwas geht. Du weisst einfach, dass es geht. Genau dann hast du verstanden, wie Traumkontrolle wirklich funktioniert.