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Schreibblockade lösen mit dem Unterbewusstsein

Wissen11 Min. Lesezeit

Schreibblockade lösen mit dem Unterbewusstsein

Wie ich eine Schreibblockade lösen kann, wenn der Kopf leer bleibt: was bei mir wirklich hilft und wieso das Unterbewusstsein oft die besseren Ideen hat.

Ich sass an einem Dienstagabend vor einem leeren Dokument und hasste den blinkenden Cursor. Ein einziger Satz stand oben auf der Seite, und der war auch noch schlecht. Ich tippte etwas, löschte es wieder, tippte etwas Neues, löschte auch das. Nach einer Stunde hatte ich genau null brauchbare Zeilen und dafür einen ordentlich schlechten Stimmungspegel. Irgendwann gab ich auf, ging mit dem Hund raus und dachte an gar nichts. Auf halbem Weg um den Block, mitten im Nieselregen, ploppte der ganze Absatz fertig in meinem Kopf auf, Wort für Wort. Ich rannte halb nach Hause, um ihn aufzuschreiben, bevor er wieder weg war.

Diese Szene kennst du vielleicht. Du willst etwas schreiben, und der Kopf macht einfach dicht. Genau darum geht es hier. Ich erzähle dir, wie ich eine Schreibblockade lösen kann, was bei mir wirklich funktioniert und warum dein Unterbewusstsein dabei oft der klügere Teil von dir ist. Am Ende wird es noch etwas seltsamer, aber dazu später.

Was eine Schreibblockade eigentlich ist

Zuerst räume ich mit einem Bild auf. Eine Schreibblockade fühlt sich an wie eine Wand, gegen die du läufst. In Wahrheit ist es selten eine Wand. Meistens ist es ein ganzes Bündel aus kleinen Dingen, die gleichzeitig auf dich einreden.

Da ist die Angst, dass es nicht gut genug wird. Da ist der innere Kritiker, der jeden Satz schon zerreisst, bevor er überhaupt fertig getippt ist. Da ist die Unklarheit darüber, was du eigentlich sagen willst. Und manchmal bist du auch einfach müde, ausgelaugt oder hast den ganzen Tag schon zu viel Kopfarbeit gemacht. All das wirft man in einen Topf und nennt es Blockade.

Das Wichtige daran ist Folgendes. Wenn die Blockade aus mehreren Teilen besteht, dann gibt es auch nicht die eine Wunderlösung. Es gibt verschiedene Hebel, und je nachdem, welcher Teil bei dir gerade am lautesten ist, hilft ein anderer. Genau deshalb stelle ich dir gleich mehrere Wege vor. Probier aus, welcher zu dir passt.

Eine Sache vorweg, weil sie mir den meisten Druck genommen hat. Eine Blockade bedeutet nicht, dass du nichts kannst. Sie bedeutet meistens nur, dass dein bewusster Kopf gerade im Weg steht. Der Teil, der die guten Sachen produziert, sitzt nämlich woanders.

Warum der Kopf leer bleibt, wenn du es erzwingen willst

Hast du gemerkt, dass die besten Einfälle fast nie am Schreibtisch kommen? Sie kommen unter der Dusche, beim Spazieren, beim Einschlafen, beim Abwaschen. Das ist kein Zufall, und es hat einen ziemlich einfachen Grund.

Dein bewusstes Denken ist gut darin, Probleme schrittweise abzuarbeiten. Es nimmt einen Gedanken, prüft ihn, verwirft ihn und nimmt den nächsten. Für viele Aufgaben ist das genau richtig. Beim Schreiben kann es aber zur Falle werden. Solange du angestrengt nach dem perfekten Satz suchst, hältst du diesen prüfenden Teil auf voller Lautstärke. Und der prüfende Teil ist auch der kritische Teil. Er sortiert aus, bevor etwas wachsen kann.

Wenn du dagegen spazieren gehst und an nichts Bestimmtes denkst, schaltet dieser kontrollierende Teil etwas runter. Dann übernimmt ein anderer Modus, in dem dein Kopf locker Verbindungen knüpft, die er angestrengt nie gefunden hätte. Genau in diesem Modus kommen die Ideen scheinbar von selbst. In Wahrheit waren sie die ganze Zeit da, sie hatten nur keinen Platz, solange du sie erzwingen wolltest.

Daraus folgt etwas Praktisches. Wenn du eine Schreibblockade lösen willst, ist Anstrengung oft genau das Falsche. Mehr Druck macht die Blockade härter. Es geht eher darum, den Druck wegzunehmen und dem leiseren Teil von dir wieder das Wort zu geben.

Erste Hilfe: Sofort wieder ins Schreiben kommen

Manchmal hast du keine Zeit für einen langen Spaziergang. Du brauchst jetzt einen Satz auf der Seite. Für solche Momente habe ich ein paar Notfallgriffe, die bei mir fast immer wirken.

Der erste ist das absichtlich schlechte Schreiben. Ich sage mir, dass der nächste Absatz richtig mies werden darf. Niemand wird ihn je sehen, er muss nur da sein. Sobald die Erlaubnis zum Schlechtsein da ist, fällt der innere Kritiker erstaunlich oft in sich zusammen. Und meistens ist das, was dann herauskommt, gar nicht so schlecht. Man kann später immer noch verbessern, aber verbessern kann man nur, was schon existiert.

Der zweite Griff ist das Schreiben ohne anzuhalten. Ich stelle mir einen Wecker auf zehn Minuten und tippe einfach durch, ohne ein einziges Mal zurückzulesen oder zu korrigieren. Wenn mir nichts einfällt, schreibe ich genau das hin, also “mir fällt gerade nichts ein, was für ein Mist”, und schon läuft die Hand wieder. Das Ziel ist nicht der gute Text. Das Ziel ist Bewegung. Ein fahrendes Auto lässt sich lenken, ein stehendes nicht.

Der dritte Griff klingt banal und hilft trotzdem. Fang nicht am Anfang an. Der erste Satz ist oft der schwerste von allen. Also überspringe ich ihn und schreibe den Teil, auf den ich am meisten Lust habe, egal ob er in der Mitte oder am Schluss steht. Den Anfang baue ich später, wenn der Rest schon steht und mir verrät, worum es eigentlich geht.

Und manchmal ist die schlichteste Erste Hilfe, kurz aufzustehen. Ein Glas Wasser holen, zwei Minuten ans Fenster, einmal tief durchatmen. Der Kopf braucht ab und zu eine winzige Pause, um wieder anzuspringen.

Das Problem schlafen schicken

Jetzt kommt mein liebster Trick, und der hat direkt mit dem Unterbewusstsein zu tun. Wenn ich an einer Stelle wirklich feststecke, dann höre ich bewusst auf, daran zu arbeiten, und übergebe das Problem an meinen Kopf, während ich etwas anderes tue.

Das geht so. Bevor ich aufhöre, formuliere ich die Frage ganz klar. Sie soll konkret sein, etwa “wie steige ich in diesen Text ein, sodass die Leserin sofort weiterlesen will”. Eine schwammige Frage wie “mir fällt nichts ein” hilft dem Kopf dagegen kaum weiter. Dann lasse ich los und gehe spazieren, koche, dusche oder lege mich schlafen. Das klare Formulieren ist der wichtige Teil. Du gibst deinem Unterbewusstsein einen sauberen Auftrag mit, an dem es im Hintergrund weiterarbeiten kann.

Besonders gut funktioniert das über Nacht. Ich kenne das von mir, dass ich abends ratlos ins Bett gehe und morgens die Lösung praktisch fertig daliegt. Der Schlaf sortiert die Gedanken, knüpft neue Verbindungen und legt manchmal über Nacht den Knoten frei, an dem ich mich am Abend noch festgebissen hatte. Das ist kein esoterischer Hokuspokus, das macht dein Gehirn ganz von allein. Du musst ihm nur erlauben, in Ruhe zu arbeiten, statt es ständig zu unterbrechen.

Ein kleiner Zusatz, der bei mir den Unterschied macht. Ich lege immer etwas zum Schreiben in Reichweite, auch neben das Bett. Denn die Ideen aus diesem Zustand sind flüchtig. Sie kommen klar und überzeugend, und wenn du sie nicht sofort festhältst, sind sie zwei Minuten später wieder weg, als hätte es sie nie gegeben.

Wieso das Unterbewusstsein die besseren Ideen hat

An dieser Stelle lohnt sich ein genauerer Blick auf diesen Teil von dir, den ich der Einfachheit halber Unterbewusstsein nenne. Ich meine damit alles, was in deinem Kopf abläuft, ohne dass du es bewusst steuerst. Und das ist der grösste Teil.

Stell dir deinen bewussten Verstand wie einen Schreibtisch vor. Darauf passt erstaunlich wenig. Ein paar Gedanken gleichzeitig, mehr nicht. Dein Unterbewusstsein dagegen ist das riesige Archiv im Keller, in dem dein ganzes Leben gespeichert liegt. Jedes Buch, das du gelesen hast, jedes Gespräch, jedes Gefühl, jede halb vergessene Szene. Wenn du eine kreative Idee suchst, dann durchwühlt der kleine Schreibtisch nicht das Archiv. Stattdessen schickt dir das Archiv von selbst etwas hoch.

Das erklärt auch, warum Ideen oft so fertig und überraschend wirken. Du hast nicht das Gefühl, sie mühsam gebaut zu haben. Sie sind einfach plötzlich da. Genau das ist das Unterbewusstsein bei der Arbeit. Es hat im Hintergrund kombiniert, während dein bewusster Kopf mit etwas anderem beschäftigt war.

Daraus ziehe ich eine ganz praktische Haltung. Ich versuche, meinem Unterbewusstsein zu vertrauen und ihm Material zu geben, statt es zu kommandieren. Material geben heisst lesen, rausgehen, mit Menschen reden, neue Dinge erleben. Je mehr im Keller liegt, desto reicher fällt aus, was nach oben kommt. Und dann heisst es loslassen und warten, statt mit Gewalt am Schreibtisch zu graben.

Eine Routine, die der Blockade vorbeugt

Bis hierher ging es ums Lösen, wenn die Blockade schon da ist. Schöner ist es natürlich, wenn sie gar nicht erst so hart wird. Ein paar Gewohnheiten haben bei mir genau das geschafft.

Die erste ist das tägliche Schreiben zur gleichen Zeit. Klingt langweilig, wirkt aber. Wenn du jeden Morgen zur selben Stunde schreibst, gewöhnt sich dein Kopf daran und liefert mit der Zeit fast pünktlich. Die Blockade hat es schwerer, wenn Schreiben einfach dazugehört und nicht jedes Mal ein grosser Akt ist.

Die zweite Gewohnheit ist das Ideen-Sammeln über den Tag. Ich notiere Einfälle sofort, egal wo ich gerade bin. Ein Satz im Bus, ein Bild beim Kochen, eine Frage beim Einschlafen. So habe ich beim nächsten Schreiben nie eine ganz leere Seite. Stattdessen liegen immer schon ein paar Krümel da, an denen ich anknüpfen kann. Eine leere Seite blockiert. Eine Seite mit drei Stichworten lädt ein.

Die dritte Gewohnheit ist genug Schlaf, und das meine ich ernst. Ein müder Kopf produziert keine guten Ideen, der hält gerade so die Augen offen. Wenn ich ausgeschlafen bin, fliessen die Sätze deutlich leichter. Das ist der unspektakulärste Tipp von allen und vielleicht der wichtigste. Kreativität braucht einen erholten Kopf.

Und die vierte ist Bewegung. Spazieren, joggen, einfach an die frische Luft. Ich habe schon erzählt, wie oft mir die besten Einfälle unterwegs kommen. Deshalb baue ich Bewegung absichtlich ein. Sie ist für mich keine Belohnung nach dem Schreiben, sie gehört mitten zum Schreiben dazu.

Wenn das Unterbewusstsein dir nachts direkt antwortet

Jetzt wird es interessant, und hier kommt der Teil, von dem ich am Anfang gesprochen habe. Wir haben gesehen, dass dein Unterbewusstsein im Schlaf an deinen Problemen weiterarbeitet. Die meisten Menschen nutzen das nur passiv. Sie gehen schlafen und hoffen, dass morgens etwas Brauchbares dasteht. Was aber, wenn du diesen Teil von dir direkt fragen könntest, mitten in der Nacht, in einem Gespräch?

Das geht tatsächlich, und zwar im luziden Traum. Ein luzider Traum ist ein Traum, in dem du weisst, dass du gerade träumst. Dein Körper schläft tief, und trotzdem ist ein Teil von dir hellwach und kann mitbestimmen, was passiert. Wenn dir der Begriff neu ist, habe ich ihn in Ruhe erklärt in was ist luzides Träumen. Für hier reicht der Kern. Du bist wach im Traum und kannst dich frei bewegen.

In diesem Zustand stehst du buchstäblich mitten in deinem eigenen Kopf. Alles um dich herum ist aus deinem Unterbewusstsein gebaut, jede Strasse, jeder Raum, jede Person. Und das Spannende ist, dass du diese Personen ansprechen kannst. Eine Traumfigur ist nichts anderes als ein Teil von dir, der dir in Gestalt eines Menschen gegenübertritt. Wenn du eine Traumfigur um Rat fragst, fragst du in Wahrheit jenen grossen Archivkeller, von dem ich vorhin erzählt habe, nur diesmal von Angesicht zu Angesicht.

Ich gehe dann zum Beispiel auf eine Person im Traum zu und stelle ihr genau die Frage, an der ich beim Schreiben festhänge. Wie geht diese Geschichte weiter, und was fehlt diesem Text eigentlich noch? Und manchmal bekomme ich eine Antwort, die mich wach überrascht, weil ich auf sie selbst nie gekommen wäre. Das ist kein Trick und keine fremde Stimme. Es ist mein eigenes Unterbewusstsein, das mir in einer Form antwortet, die ich im Wachen so nie zu fassen kriege.

Ich will hier nichts überverkaufen. Die Antworten sind nicht jedes Mal Gold, und manchmal labert die Traumfigur auch nur Unsinn. Aber als kreatives Werkzeug finde ich es faszinierend, und es passt perfekt zu allem, worüber wir vorher gesprochen haben. Es ist der direkteste Weg, den ich kenne, um mit dem stillen Teil von dir ins Gespräch zu kommen. Wie das konkret abläuft und wie man eine Traumfigur richtig befragt, habe ich ausführlich beschrieben in das Unterbewusstsein fragen.

Wie du das selbst ausprobieren kannst

Vielleicht denkst du jetzt, das klingt schön, aber träumen kann man doch nicht steuern. Tatsächlich kann man das sehr wohl. Luzides Träumen ist eine Fähigkeit wie eine andere auch, und fast jeder Mensch kann sie lernen. Es braucht keine Begabung, nur ein paar einfache Gewohnheiten und etwas Geduld.

Der erste Schritt ist sogar derselbe, der dir auch beim Schreiben hilft. Du fängst an, deine Träume morgens aufzuschreiben. Damit erinnerst du dich nach und nach immer besser an deine Träume, und genau das ist die Grundlage, um irgendwann bewusst in einem Traum zu stehen. Du sammelst also Stoff für den Keller und übst gleichzeitig, ihn ans Licht zu holen. Beides hängt enger zusammen, als man auf den ersten Blick denkt.

Wenn dich das neugierig macht, dann starte am besten ganz vorne mit was ist luzides Träumen, wo ich den ganzen Zustand von Grund auf erkläre. Und wenn du wissen willst, was du im Traum sonst noch alles steuern und ausprobieren kannst, dann schau dich in der Traumkontrolle um. Dort sammle ich alles, was im Traum möglich wird, sobald du erst einmal bewusst drin stehst.

Vielleicht löst du deine nächste Schreibblockade ja gar nicht am Schreibtisch. Vielleicht löst sie sich erst im Schlaf. Es wäre nicht das erste Mal, dass mein Kopf die Arbeit erledigt, während ich gemütlich die Augen geschlossen halte.