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Sich selbst etwas beibringen: so lernst du allein

Wissen11 Min. Lesezeit

Sich selbst etwas beibringen: so lernst du allein

Sich selbst etwas beibringen klingt einsam, geht aber erstaunlich gut. Ich zeige dir, wie ich allein neue Dinge lerne, mit Methoden, die wirklich halten.

Letzten Winter sass ich abends auf dem Boden meiner Wohnung, vor mir eine billige Gitarre, die ich für hundert Franken gebraucht gekauft hatte. Niemand zeigte mir etwas, niemand korrigierte meine Finger. Es gab nur mich, ein paar Videos auf dem Laptop und einen Akkord, der einfach nicht sauber klingen wollte. Drei Abende lang quietschte und schnarrte es furchtbar. Am vierten Abend klang er plötzlich rund. Ich habe damals niemandem etwas davon erzählt, aber innerlich habe ich gejubelt wie ein kleines Kind. In diesem Moment ist mir klar geworden, wie befriedigend es ist, sich selbst etwas beizubringen.

Warum sich selbst etwas beibringen heute so gut funktioniert

Früher brauchte man für fast alles einen Lehrer, einen Kurs oder zumindest jemanden im Bekanntenkreis, der die Sache schon konnte. Heute liegt das meiste Wissen der Welt offen herum. Kostenlose Videos, Foren, ganze Online-Bibliotheken, und das alles direkt auf dem Gerät in deiner Tasche. Das hat das Spiel verändert. Sich selbst etwas beibringen ist von einer Notlösung zu einem ganz normalen Weg geworden.

Trotzdem scheitern viele Leute am Selberlernen, und das liegt selten an mangelnder Information. Es liegt fast immer an der Methode. Man lädt sich zwanzig Tutorials herunter, schaut die ersten fünf Minuten von jedem an und macht am Ende nichts richtig. Ich kenne das gut, weil ich es jahrelang genauso falsch gemacht habe. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ein paar einfache Prinzipien fast jedes Lernprojekt tragen, egal ob es um eine Sprache, ein Instrument oder eine Software geht.

Das Schöne daran ist die Freiheit. Du bestimmst das Tempo, das Thema und die Reihenfolge. Niemand zwingt dich durch einen Lehrplan, der dich langweilt. Diese Freiheit ist gleichzeitig die grösste Falle, weil sie auch bedeutet, dass dich niemand antreibt. Du bist Lehrer und Schüler in einer Person. Deshalb geht es beim Selberlernen weniger um Disziplin im harten Sinn und mehr darum, sich selbst geschickt auszutricksen.

Fang mit einem winzigen Ziel an

Der häufigste Fehler beim Selberlernen ist ein zu grosses Ziel. Wer sich vornimmt, fliessend Spanisch zu sprechen, steht vor einem Berg und gibt nach zwei Wochen auf. Der Berg ist einfach zu hoch, um den ersten Schritt zu sehen. Viel besser funktioniert ein winziges, klares Ziel für den Anfang. Zehn spanische Sätze, die du im Restaurant brauchst. Ein einziger Akkord auf der Gitarre. Eine Funktion in einem Programm.

Kleine Ziele haben einen unterschätzten Vorteil, denn du erreichst sie tatsächlich. Und jedes erreichte Ziel gibt dir einen kleinen Schub, der dich zum nächsten trägt. Dieser Schub ist der eigentliche Treibstoff beim Selberlernen, viel mehr als irgendeine eiserne Willenskraft. Ich plane meine Projekte deshalb immer so, dass ich schon in der ersten Woche etwas Vorzeigbares habe, selbst wenn es lächerlich klein ist.

Ein zweiter Trick hilft mir dabei. Ich mache das erste Ziel so klein, dass es fast schon peinlich wirkt. Statt eine halbe Stunde zu üben, nehme ich mir fünf Minuten vor. Diese Hürde ist so niedrig, dass ich sie auch an müden Abenden nehme. Und meistens bleibe ich dann doch länger dran, weil das Anfangen der schwierige Teil war. Wenn ich erst einmal sitze und die Gitarre in der Hand halte, läuft es von allein.

Lernen passiert beim Tun, nicht beim Zuschauen

Hier ist die wichtigste Lektion, die ich beim Selberlernen gelernt habe. Du lernst nicht, indem du zuschaust, du lernst, indem du es selbst machst. Das klingt selbstverständlich, aber fast jeder verstösst dagegen. Wir schauen ein Tutorial nach dem anderen und haben das angenehme Gefühl, voranzukommen. In Wahrheit sammeln wir nur Wissen über die Sache, ohne die Sache selbst zu können.

Ich nenne das die Tutorial-Falle. Stundenlang Videos schauen fühlt sich produktiv an, ist es aber kaum. Echtes Können entsteht erst, wenn du den Laptop zuklappst und es selbst probierst, mit allen Fehlern, die dazugehören. Deshalb gilt bei mir eine grobe Faustregel. Auf jede Minute Anschauen kommen mindestens drei Minuten eigenes Üben. Oft ist das Verhältnis sogar deutlicher.

Das gilt für fast alles. Eine Sprache lernst du durch Sprechen und Schreiben, nicht durch das hundertste Grammatikvideo. Programmieren lernst du, indem du eigenen Code schreibst, der erst einmal nicht läuft. Kochen lernst du am Herd, mit angebranntem Zeug und zu viel Salz. Die Fehler sind dabei kein Zeichen von Versagen. Sie sind der eigentliche Weg, auf dem das Können wächst. Jeder Fehler zeigt dir genau, woran du als Nächstes arbeiten musst.

Die Macht der kleinen, regelmässigen Einheiten

Wenn ich eine einzige Sache nennen müsste, die beim Selberlernen den Unterschied macht, dann wäre es Regelmässigkeit. Kurze Einheiten, dafür oft, schlagen lange Einheiten, die selten passieren. Eine halbe Stunde täglich bringt dich weiter als ein ganzer Sonntag pro Monat. Unser Gehirn lernt in kleinen, wiederholten Portionen, mit Schlaf dazwischen, viel besser als in einem grossen Schwung.

Das hat mit der Art zu tun, wie das Gehirn Wissen festigt. Zwischen zwei Lerneinheiten arbeitet es im Hintergrund weiter, vor allem nachts im Schlaf. Was du heute übst, sitzt morgen ein wenig besser, ganz ohne dein Zutun. Wer das ausnutzt, lernt fast nebenbei. Wer dagegen alles in eine einzige Marathon-Sitzung presst, vergisst das meiste wieder, weil dem Gehirn die Pausen zum Verarbeiten fehlen.

Praktisch heisst das, ich baue das Lernen in meinen Alltag ein, statt es als grosses Ereignis zu behandeln. Ein paar Vokabeln beim Kaffee am Morgen. Zehn Minuten Übung vor dem Schlafengehen. Diese Häppchen summieren sich erstaunlich schnell. Nach ein paar Monaten schaust du zurück und kannst Dinge, von denen du nie gedacht hättest, dass du sie je könntest. Und du hast dafür nie wirklich gelitten, weil die einzelnen Schritte so klein waren.

Wie du dranbleibst, wenn dich niemand antreibt

Das grösste Problem beim Selberlernen ist nicht das Lernen selbst. Es ist das Dranbleiben. Anfangs ist die Begeisterung gross, und alles geht leicht. Dann kommt der Punkt, an dem es zäh wird, an dem du wenig Fortschritt spürst und die Lust nachlässt. Genau hier steigen die meisten aus. Wer diese Durststrecke übersteht, gehört bereits zur Minderheit.

Mir helfen ein paar einfache Kniffe. Der erste ist Sichtbarkeit. Ich notiere mir, an welchen Tagen ich geübt habe, ganz simpel mit einem Häkchen im Kalender. Diese Kette aus Häkchen will ich nicht abreissen lassen, und dieser kleine sportliche Ehrgeiz trägt mich über manchen faulen Abend. Der zweite Kniff ist, das Lernen an eine bestehende Gewohnheit zu hängen. Nach dem Zähneputzen kommt die kurze Übung. So muss ich nicht jeden Tag neu entscheiden, ob ich Lust habe.

Ein vierter Kniff klingt banal, wirkt aber stark. Ich lege mir alles griffbereit hin, bevor ich ins Bett gehe. Die Gitarre steht offen neben dem Sofa, das Heft liegt aufgeschlagen da. Je weniger Schritte zwischen mir und dem Üben liegen, desto eher fange ich an. Jede kleine Hürde, die ich vorher wegräume, spart mir am Abend einen winzigen Kampf. Das summiert sich über die Wochen zu erstaunlich viel geübter Zeit.

Ein dritter Punkt ist mir besonders wichtig. Sei nett zu dir selbst, wenn du einen Tag auslässt. Ein verpasster Tag ist kein Drama und kein Grund, das ganze Projekt hinzuwerfen. Genau dieses Schwarz-Weiss-Denken bringt die meisten Lernprojekte um. Du hast einmal ausgesetzt, fühlst dich schlecht, und plötzlich sind drei Wochen vergangen. Viel klüger ist die Regel, nie zweimal hintereinander auszusetzen. Ein Loch ist erlaubt, zwei nicht. Mit dieser einen Regel bleibe ich seit Jahren bei Dingen dran.

Such dir Rückmeldung, auch ohne Lehrer

Ein Lehrer hat einen grossen Vorteil. Er sieht deine Fehler und sagt dir, woran du arbeiten musst. Genau diese Rückmeldung fehlt dir beim Selberlernen, und das ist eine echte Schwäche der Methode. Ohne Korrektur übst du womöglich monatelang einen Fehler ein, der sich später kaum noch wegbekommen lässt. Deshalb lohnt es sich, sich diese Rückmeldung bewusst zu organisieren.

Es gibt dafür mehr Wege, als man denkt. Du kannst dich beim Üben filmen und dir die Aufnahme hinterher anschauen, oft siehst du dann sofort, was nicht stimmt. Du kannst dein Ergebnis in einem Forum oder einer Gruppe zeigen und um Kritik bitten. Viele Selbstlerner finden online andere, die am selben Thema arbeiten, und korrigieren sich gegenseitig. Schon ein einziger Mensch, der unbestechlich draufschaut, ersetzt einen guten Teil dessen, was ein Lehrer leisten würde.

Es hilft auch, sich kleine Prüfsteine zu setzen. Ich lege vorher fest, woran ich einen Fortschritt erkenne. Beim Spanisch ist das ein kurzes Gespräch, das ich vorher nicht führen konnte. Bei der Gitarre ist es ein Lied, das vorher zu schwer war. Wenn ich so einen Prüfstein knacke, weiss ich, dass die Methode wirkt. Diese kleinen Tests halten mich davon ab, mich in endlosem Üben zu verlieren, ohne je das Ergebnis zu messen.

Eine simple Methode mag ich besonders. Ich vergleiche mein Ergebnis direkt mit einem Vorbild. Bei der Gitarre nehme ich mein Spiel auf und höre es neben dem Original. Der Unterschied springt mir dann sofort ins Ohr, und ich weiss genau, woran ich schrauben muss. Diese Art von schonungslosem Spiegel ist Gold wert. Unser Kopf belügt sich beim Üben nämlich gern selbst und denkt, es klinge schon ganz gut.

Ein billiges Lernprojekt, das nur deinen Kopf braucht

Wenn ich Leuten erkläre, wie man sich selbst etwas beibringt, kommt irgendwann die Frage, woran man das Ganze am besten übt. Man möchte ja eine Fähigkeit lernen, die sich lohnt, und am liebsten eine, die nichts kostet. Ich habe da einen ungewöhnlichen Vorschlag, der fast alle meine Lernprinzipien auf einmal vereint. Bring dir das luzide Träumen bei.

Luzides Träumen heisst, im Traum zu wissen, dass du gerade träumst, und dann mitzubestimmen, was passiert. Das klingt erst einmal nach Esoterik, ist aber eine ganz normale Fähigkeit, die fast jeder erlernen kann. Und für einen Selbstlerner ist es fast das perfekte Projekt. Es kostet keinen Rappen, du brauchst keine Ausrüstung, keinen Kurs und keinen Lehrer. Das einzige Werkzeug ist dein eigener Kopf, und der ist sowieso jede Nacht im Einsatz. Was es genau ist und wie es sich anfühlt, beschreibe ich ausführlich in was ist luzides Träumen.

Mich fasziniert vor allem, wie sauber sich meine Lernprinzipien hier wiederfinden. Du fängst mit einem winzigen Ziel an, nämlich dich morgens an einen einzigen Traum zu erinnern. Du lernst durch Tun, weil du es jede Nacht selbst probierst, nicht durch endloses Lesen. Du arbeitest in kleinen, täglichen Einheiten, ein paar Minuten beim Aufwachen und ein paar tagsüber. Und der Schlaf, der beim normalen Lernen das Gelernte festigt, ist hier sogar der Ort, an dem die Fähigkeit überhaupt stattfindet. Selten passt ein Lernthema so genau zu der Art, wie unser Gehirn ohnehin lernt.

Warum luzides Träumen ein klarer Lerntest ist

Es gibt noch einen Grund, warum ich das luzide Träumen als Lernprojekt empfehle. Es belohnt genau die Tugenden, die jeder Selbstlerner braucht, und bestraft die Ungeduld. Niemand wird über Nacht zum Klarträumer. Manche Menschen haben ihren ersten Klartraum nach einer Woche, andere brauchen Monate. Wer regelmässig dranbleibt, kommt ans Ziel. Wer alles auf einmal will, gibt frustriert auf. Das ist im Kern dieselbe Geschichte wie bei jeder anderen Fähigkeit.

Auch das Fundament ist erfrischend bodenständig. Bevor es um die spannenden Sachen geht, stehen ein paar unspektakuläre Gewohnheiten. Genug Schlaf, ein Traumtagebuch, ein paar kleine Übungen über den Tag verteilt. Das erinnert mich stark an die Tonleitern, die man auf jedem Instrument übt, bevor man richtig spielen kann. Wenig glamourös, aber sie tragen alles andere. Wer dieses Fundament legt, dem kommen die ersten Erfolge fast von allein. Wie du den allerersten Schritt machst, habe ich Schritt für Schritt aufgeschrieben in dein erster Klartraum.

Und es gibt eine sofortige, klare Rückmeldung, was beim Selberlernen wie gesagt selten ist. Entweder du bist im Traum bewusst geworden, oder eben nicht. Es gibt da kein Schummeln und keine Ausrede. Diese klare Rückmeldung jeden Morgen macht das Üben fast schon süchtig machend, weil du genau siehst, ob deine Methode wirkt. Falls du dich fragst, mit welcher Technik du als Einsteiger am besten startest, habe ich die Varianten verglichen in welche Technik für Anfänger.

Mein Fazit zum Selberlernen

Sich selbst etwas beizubringen ist keine Notlösung für Leute, die sich keinen Kurs leisten können. Es ist eine eigene Kunst, mit eigenen Regeln. Fang klein an und übe lieber kurz und oft als lang und selten. Lerne durch Tun statt durch Zuschauen. Organisiere dir Rückmeldung und sei geduldig mit dir, wenn ein Tag mal ausfällt. Diese paar Prinzipien tragen so ziemlich jedes Projekt, das du dir vornimmst.

Das Beste daran ist das Gefühl, das am Ende steht. Etwas zu können, das du dir komplett allein erarbeitet hast, fühlt sich anders an als jedes Können, das dir jemand eingetrichtert hat. Es gehört ganz dir. Mein quietschender Gitarrenakkord von damals klingt heute sauber, und jedes Mal, wenn ich ihn greife, weiss ich, dass ich mir das selbst beigebracht habe.

Wenn du Lust hast, dieses Selberlernen an etwas auszuprobieren, das nichts kostet und dich jede Nacht überrascht, dann ist das luzide Träumen ein wunderbarer Einstieg. Lies dich am besten zuerst in was ist luzides Träumen ein, dann hast du den Begriff sauber im Kopf und kannst entscheiden, ob es dein nächstes Projekt wird. Ich verspreche dir, es ist das billigste Abenteuer, das du je angefangen hast.