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Warum reden manche Menschen im Schlaf?

Wissen10 Min. Lesezeit

Warum reden manche Menschen im Schlaf?

Warum reden manche Menschen im Schlaf? Ich erkläre, woher das Reden im Schlaf kommt, ob es harmlos ist und warum dein Gehirn nachts erstaunlich aktiv bleibt.

Vor ein paar Jahren teilte ich auf einer Reise ein Zimmer mit einem Kollegen. Mitten in der Nacht wachte ich auf, weil er völlig klar und deutlich sprach. Er sagte etwas über einen Koffer, den er unbedingt finden müsse, ganz dringend. Ich antwortete ihm halb verschlafen, fragte nach, und er gab mir sogar eine Art Antwort, irgendetwas Wirres über einen Bahnhof. Am nächsten Morgen wusste er von alldem nichts mehr. Er lachte nur und meinte, das mache er angeblich öfter. Ich fand das damals so faszinierend, dass es mir bis heute nicht aus dem Kopf geht. Da liegt ein Mensch, schläft tief, und redet trotzdem mit mir.

Was bedeutet Reden im Schlaf eigentlich?

Das Reden im Schlaf hat tatsächlich einen Fachbegriff. Mediziner nennen es Somniloquie, was sich einfach aus den lateinischen Wörtern für Schlaf und Sprechen zusammensetzt. Es gehört zu einer Gruppe von Phänomenen, die man Parasomnien nennt. Das sind Dinge, die rund um den Schlaf passieren, ohne dass der Mensch davon wirklich etwas mitbekommt. Schlafwandeln gehört auch dazu, ebenso das Zähneknirschen oder das nächtliche Hochschrecken.

Im Kern beschreibt der Begriff genau das, was du erwartest. Eine Person gibt im Schlaf Laute oder Wörter von sich. Das reicht von einem leisen Murmeln über einzelne Wörter bis zu ganzen Sätzen, die fast wie ein Gespräch klingen. Manche Menschen flüstern nur, andere reden in normaler Lautstärke, und einige rufen oder lachen sogar. Es gibt da eine grosse Bandbreite, und kein Fall gleicht dem anderen.

Wichtig vorweg, weil das die häufigste Sorge ist. Reden im Schlaf ist in den allermeisten Fällen völlig harmlos. Es ist keine Krankheit und kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas nicht stimmt. Sehr viele Menschen tun es ab und zu, vor allem als Kinder. Wenn dein Partner dir morgens erzählt, du hättest nachts geredet, kannst du also erst einmal beruhigt sein. Du bist damit in bester Gesellschaft.

Wie häufig kommt das überhaupt vor?

Reden im Schlaf ist viel verbreiteter, als die meisten denken. Schätzungen zufolge hat ein grosser Teil aller Menschen mindestens einmal im Leben im Schlaf geredet. Besonders oft passiert es in der Kindheit. Viele Kinder reden nachts, und das verliert sich bei den meisten von ganz allein, wenn sie älter werden. Bei manchen bleibt es aber bis ins Erwachsenenalter, und ein kleiner Teil tut es sogar fast jede Nacht.

Spannend finde ich, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, dass sie reden. Du bekommst es selbst nämlich fast nie mit. Du erfährst es nur, wenn jemand neben dir liegt und dir am Morgen davon erzählt. Wer allein schläft, könnte sein halbes Leben lang nächtlich plaudern und es nie erfahren. Das ist auch der Grund, warum die Zahlen hier so unsicher sind. Niemand kann sich selbst zuverlässig dabei beobachten.

Ein bisschen scheint es auch in den Genen zu liegen. Wenn in einer Familie mehrere Menschen im Schlaf reden oder schlafwandeln, tritt das oft gehäuft auf. Eine eindeutige Erklärung dafür gibt es nicht, aber die Beobachtung taucht immer wieder auf. Ich will da nichts überverkaufen. Es ist eher eine Tendenz als eine feste Regel.

Auch das Geschlecht und das Alter spielen wohl eine Rolle. Kinder reden deutlich häufiger im Schlaf als Erwachsene, und bei ihnen ist es fast immer harmlos. Mit den Jahren wird es bei den meisten seltener, weil sich der Schlaf insgesamt beruhigt und gleichmässiger wird. Genau gemessen ist das alles schwer, eben weil sich kaum jemand selbst beim nächtlichen Reden ertappt. Die Forschung ist hier stark auf Berichte von Partnern und Eltern angewiesen, und solche Berichte sind naturgemäss lückenhaft. Vieles geht schlicht unbemerkt in der Nacht verloren.

In welcher Schlafphase reden wir?

Jetzt wird es richtig interessant, denn das Reden passt nicht in das einfache Bild vom Schlaf, das viele im Kopf haben. Viele stellen sich Schlaf als einen einzigen, gleichmässigen Zustand vor. In Wahrheit durchläufst du jede Nacht mehrere Phasen, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Es gibt den leichten Schlaf, den ganz tiefen Schlaf und den sogenannten REM-Schlaf, in dem die lebhaften Träume passieren.

Das Reden kann grundsätzlich in fast jeder dieser Phasen auftreten. Genau das macht es für die Forschung so knifflig. Reden im Tiefschlaf klingt oft eher wie ein undeutliches Brabbeln, weil das Gehirn da gerade auf Sparflamme läuft. Reden im REM-Schlaf hingegen kann erstaunlich klar und zusammenhängend sein. Das Gehirn ist in dieser Phase fast so aktiv wie im Wachzustand. Was dein Partner dich nachts sagen hört, hängt also stark davon ab, wann genau es gerade passiert.

Eigentlich sollte im REM-Schlaf gar nicht viel passieren, was die Muskeln angeht. Dein Körper ist in dieser Phase nämlich gelähmt. Das ist ein cleverer Schutzmechanismus. So agierst du deine Träume nicht aus und rennst nicht durch die Wohnung. Beim Reden im Schlaf scheint diese Lähmung kurz nicht ganz dicht zu sein. Ein winziges Stück Bewegung schlüpft durch, und ausgerechnet die Sprechmuskeln machen mit. Wie das genau zustande kommt, ist noch nicht restlos geklärt. Mehr darüber, was nachts überhaupt in deinem Kopf vorgeht, habe ich in was macht das Gehirn nachts gesammelt.

Hat das Geredete mit dem Traum zu tun?

Das ist die Frage, die fast alle stellen. Träumt man gerade von dem, was man laut sagt? Die Antwort lautet ganz nüchtern: vielleicht. Manchmal passt das Gesagte tatsächlich zu einem Traum. Die Person erinnert sich am Morgen noch daran. Manchmal kommt aber auch völliger Kauderwelsch heraus, der mit keinem erinnerbaren Traum zu tun hat. Gerade das Reden aus dem Tiefschlaf scheint oft gar nicht aus einem richtigen Traum zu stammen.

Faszinierend ist, dass das Geredete fast nie eine saubere Übersetzung des Traums ist. Selbst wenn jemand gerade lebhaft träumt, kommen meistens nur Bruchstücke heraus. Ein einzelnes Wort, ein abgehackter Satz, ein Name. Das passt gut zu einer Eigenheit von Träumen, die mich seit Jahren beschäftigt. Träume lassen sich kaum eins zu eins festhalten. Sie sind flüchtig und bauen sich ständig um. Wie genau diese Bilder in deinem Kopf entstehen, beschreibe ich ausführlich in wie entstehen Träume.

Was im Schlaf gesagt wird, sollte man übrigens nicht zu ernst nehmen. Es gibt diesen alten Glauben, dass Menschen im Schlaf die reine Wahrheit ausplaudern oder gar Geheimnisse verraten. Davon halte ich nicht viel. Das schlafende Gehirn produziert in erster Linie Durcheinander. Echte Geständnisse sind nicht dabei. Wer im Schlaf den Namen einer fremden Person sagt, hat deshalb noch lange keine Affäre. Die Wörter sind meistens reiner Zufall aus dem nächtlichen Bilderchaos.

Was begünstigt das Reden im Schlaf?

Auch wenn es bei vielen einfach so vorkommt, gibt es ein paar Dinge, die das Reden im Schlaf wahrscheinlicher machen. Stress steht da ganz oben. Wer tagsüber viel im Kopf hat, schläft oft unruhiger, und genau in diesem unruhigeren Schlaf tritt das Reden häufiger auf. Auch Fieber kann es auslösen. Viele Eltern kennen das, wenn ihr krankes Kind nachts wirres Zeug murmelt.

Schlafmangel spielt ebenfalls eine Rolle. Wenn du übermüdet bist, schläft dein Gehirn anders, und die Übergänge zwischen den Schlafphasen werden holpriger. Genau an diesen Übergängen passieren solche Dinge gern. Auch Alkohol am Abend kann das Ganze verstärken, weil er den Schlaf durcheinanderbringt, selbst wenn man danach erst einmal schneller einschläft. Und wer ohnehin zum Schlafwandeln neigt, redet oft auch dabei.

Ich will dir hier keine Liste zum Abhaken geben. Bei den meisten Menschen ist das Reden im Schlaf so harmlos, dass man gar nichts dagegen tun muss. Falls es dich oder deinen Partner aber stört, lohnt sich ein Blick auf die naheliegenden Verdächtigen. Genug Schlaf, weniger Stress am Abend, weniger Alkohol. Das beruhigt den Schlaf oft schon spürbar, und das Reden wird seltener.

Manchmal hat übrigens gar nicht der Redende ein Problem, eher die Person daneben. Wer neben einem nächtlichen Plauderer schläft, wird selbst immer wieder geweckt und kommt morgens gerädert aus dem Bett. In so einem Fall helfen oft schon ganz banale Dinge. Ohrstöpsel, getrennte Decken oder im Extremfall getrennte Zimmer. Das klingt erst einmal unromantisch. Erholter Schlaf für beide ist am Ende aber mehr wert als jede Regel darüber, wie man zu schlafen hat. Den Redenden selbst kann man dabei ruhig in Ruhe lassen. Aufwecken bringt meistens nichts, weil er sich am Morgen ohnehin an nichts erinnert.

Sollte man sich Sorgen machen?

In aller Regel nicht. Reden im Schlaf gilt als gutartig, gerade wenn es nur ab und zu vorkommt und niemand sonst darunter leidet. Du musst nicht zum Arzt rennen, nur weil dir jemand erzählt, du hättest nachts ein paar Sätze gesagt. Das gehört für viele Menschen einfach dazu und verschwindet oft genauso unauffällig, wie es gekommen ist.

Es gibt ein paar Ausnahmen, bei denen ein zweiter Blick sinnvoll ist. Manchmal tritt das Reden plötzlich im Erwachsenenalter neu auf. Manchmal wird es sehr heftig, mit Angstschreien oder wildem Umsichschlagen. In solchen Fällen lohnt sich ein Gespräch mit einer Fachperson. Manchmal steckt dann etwas anderes dahinter, etwa eine Schlafstörung, die man gut behandeln kann. Das ist aber die Ausnahme, nicht die Regel. Ich bin kein Arzt, und im Zweifel ist eine fachliche Einschätzung immer die bessere Wahl als mein Bauchgefühl.

Für die allermeisten gilt schlicht. Reden im Schlaf ist eine harmlose Eigenheit deines Gehirns. Es zeigt vor allem eines auf eindrückliche Weise. Dein Kopf ruht nachts keineswegs einfach nur. Er arbeitet weiter, und manchmal dringt ein Stück dieser Arbeit nach aussen.

Wie aktiv das Gehirn nachts wirklich ist

Genau dieser Gedanke bringt mich zu dem, was ich am Reden im Schlaf am spannendsten finde. Wir reden oft so, als würde der Kopf nachts einfach abschalten wie ein Computer im Ruhezustand. Das Reden im Schlaf zeigt, dass das Quatsch ist. Da läuft Sprache, da werden Muskeln gesteuert, da entstehen ganze Sätze. Und das alles, während der Mensch fest schläft und nichts davon mitbekommt.

Wenn man genauer hinschaut, ist die Nacht voll von solchen Phänomenen. Manche Menschen wandeln durch die Wohnung, andere zucken kurz vor dem Einschlafen zusammen, wieder andere führen ganze Gespräche im Tiefschlaf. All das passiert in einem Gehirn, das angeblich gerade pausiert. Für mich ist das ein schöner Beweis dafür, dass schlafen und bewusstlos sein zwei völlig verschiedene Dinge sind. Dein Gehirn ist nachts erstaunlich lebendig, es zeigt es nur selten so offen.

Und wenn du diesen Gedanken weiterspinnst, landest du an einem ziemlich faszinierenden Punkt. Das Gehirn bildet nachts ganze Sätze, ohne wach zu sein. Was wäre dann erst möglich, wenn ein Stück echtes Bewusstsein dazukäme? Beim Reden im Schlaf läuft die Maschine im Hintergrund, ohne dass ein Fahrer am Steuer sitzt. Es gibt aber tatsächlich einen Zustand, in dem der Fahrer mitten im Traum plötzlich wieder die Augen aufschlägt.

Wenn das Bewusstsein mitten im Traum erwacht

Dieser Zustand hat einen Namen. Man nennt ihn luzides Träumen oder Klartraum. Gemeint ist ein Traum, in dem du mittendrin merkst, dass du gerade träumst. Dein Körper schläft tief und fest, genau wie bei dem Kollegen, der nachts von seinem Koffer redete. Der Unterschied ist nur ein feiner. In diesem Fall ist ein Teil von dir hellwach. Dieser Teil weiss genau, dass die ganze Szene ein Traum ist.

Das passt für mich perfekt zum Thema dieses Artikels. Beim Reden im Schlaf läuft ein Stück Gehirnaktivität nach aussen durch, ohne dass jemand bewusst dahintersteckt. Beim luziden Träumen kehrt sich das um. Da bleibt der Körper still und gelähmt, aber im Inneren wird das Bewusstsein wach. Beide Phänomene zeigen dieselbe Grundwahrheit aus zwei Richtungen. Im Schlaf ist viel mehr Betrieb, als es von aussen aussieht.

Ich mache das seit über fünfzehn Jahren, mal mehr, mal weniger ernsthaft. Und ich kann dir sagen, dass dieser Moment, in dem man im Traum plötzlich klar wird, kaum zu beschreiben ist. Du stehst mitten in einer Szene, die sich vollkommen echt anfühlt. Trotzdem weisst du ganz genau, dass dein echter Körper zu Hause im Bett liegt. Von dort aus kannst du anfangen, den Traum selbst zu lenken. Fliegen, an unmögliche Orte reisen, einfach staunen.

Falls dich das jetzt neugierig gemacht hat, fang am besten genau hier an. In was ist luzides Träumen erkläre ich diesen Zustand in Ruhe. Du erfährst, wie er sich anfühlt, wie er im Kopf abläuft und was dabei alles möglich wird. Vielleicht willst du noch tiefer in die seltsamen Seiten der Nacht eintauchen. Von Träumen über Schlafphänomene bis zu hartnäckigen Irrtümern findest du im Bereich Mythen jede Menge Stoff. Das nächste Mal erzählt dir vielleicht jemand, du hättest im Schlaf geredet. Dann weisst du, dass dein Kopf nachts noch einiges mehr draufhat.